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Google Goals Mit Mini-D! zum besseren Ich

Mit der neuen Funktion "Goals" hat Google einen Personal Trainer in seinen Kalender integriert. Die Idee: Google schafft automatisch Platz für die Dinge, die wir gerne aufschieben. Unserer Autorin hat das trotzdem nicht geholfen.

Von: Jasmin Körber

Stand: 27.04.2016

Selbstoptimierung per Kalender | Bild: BR/Maximilian Fesl

Ich bin eine hoffnungslose Prokrastinateurin. Gäbe es Prokrastinations-Messen, ich würde die Keynote halten. Obwohl: Wahrscheinlich wäre ich zu faul gewesen, um mich zu bewerben. Aber jetzt hat diese ganze Aufschieberei ein Ende. Denn Google wird jetzt mein eigener Personal Trainer. Ein kleiner Detlef D! Soost nur für mich. Er wird mich sexy machen und es wird garantiert geil! Ab... morgen.

Tag 1: Sonntag

Ab in den App-Store und die Google Kalender-App runtergeladen. Unten rechts kann ich neue Termine, Erinnerungen und jetzt eben auch Ziele erstellen. Den Rest macht Google.

Dreimal die Woche soll mir Google automatisch eine Stunde einplanen, in der ich Zeit habe zu trainieren. Am besten abends. Damit Google auch weiß, wann es mir nicht so gut passt, trage ich in den Kalender schon mal grob die Termine der nächsten zwei Tage ein. Na also, läuft doch mit uns beiden. Ich gönne mir erstmal ein Stück Torte.

Tag 2: Montag

Angeblich soll Google mit der Zeit klüger werden und meine Trainingseinheiten flexibel einplanen. Wenn ich mir das so anschaue, braucht’s das auch: Montag, Mittwoch und Freitag soll ich trainieren. Freitag, haha. Ja klar. Da gönn' ich mir ja wohl wenn dann eine Donauwelle und kein Fitnesstraining. Google, ich glaube, wir müssen uns noch ein bisschen besser kennen lernen.

Als Montagabend die Erinnerung aufploppt, habe ich gerade leider keine Zeit zum Trainieren. Dem echten Detlef D! Soost wär’s egal und ich läge jetzt trotzdem schon weinend in Embryonal-Stellung in der Fitnessstudio-Ecke. Mein Mini-D! ist leider eine Ecke zu höflich. Ich lösche die "Notification" einfach mit einem kleinen Wisch nach links auf meinem Smartphone. Das Training hat sich damit erledigt.  

Tag 3: Dienstag

Nach der Krise die erste Versöhnung. Ich will mir jetzt extra Mühe geben und gehe trainieren, obwohl Google gar keinen Termin für mich eingetragen hat. Naja, nehme ich halt den von morgen. Mit einem guten Gefühl markiere ich den Termin als erledigt.

"Gut gemacht. Sie haben diese Woche 1 von 2 Terminen erledigt."

- Google Goals

Hach, Lob! Mini-D! ist stolz auf mich. Gut, aus ursprünglich drei Workout-Terminen sind zwei geworden und ich hab jetzt erstmal Muskelkater für den Rest der Woche. Egal. Zur Belohnung ein Stück Schoko-Torte.

Tag 4 bis 7: Mittwoch bis Samstag

Digital-D! und ich stecken in einer handfesten Beziehungskrise. Nach meiner gestrigen harten Session bin ich in ein Trainingsloch gefallen. Irgendwas ist halt aber auch immer. Google sieht großzügig darüber hinweg. Gut, es nervt mich mit der ein oder anderen Push-Nachricht, aber die sind ja schnell weggewischt. Und Zack ist Samstagabend und die Woche auch irgendwie schon vorbei. Ups.

Tag 8: Sonntag

Zeit für ein kleines Feedback an meinen digitalen Personal Trainer: Google Goals, du bist zu nett! Ständige Push-Nachrichten pushen leider niemanden zu Höchstleistungen, sie nerven einfach nur. Vielleicht solltest du dich einfach trauen, ein bisschen mehr Arschloch zu sein! Das hat bei D! ja auch super funktioniert. Könntest du uns nicht bei verpassten Trainings Stromstöße verpassen? So werde ich jedenfalls auch ohne Nerv-App sexy. Ab... morgen halt dann.


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