Jetzt All My Friends Are Falling In Love The Vaccines

Info The Vaccines beschreiben ihre Einflüsse in Jahrzehnten: 50s-Rock'n'Roll, 60s-Garage und 70s-Punk. Auf "All My Friends Are Falling In Love" (2018) beweisen sie wie gewohnt ihr Händchen für simple, aber effektive Refrains.

06:23 Uhr Blur


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Making of Meme Die (wahre) Geschichte des Instaflüchtlings

Der Hoax des Monats: Ein Flüchtling postet seine Reise bei Instagram. User und Medien stürzen sich auf die Story - dabei handelt es sich um ein Projekt einer spanischen Produktionsfirma. Wir haben mit einem der Macher gesprochen.

Von: Anna Bühler

Stand: 07.08.2015

Abdou Diouf auf Instagram | Bild: Volga

Abdou Diouf hat eine junge Frau im rechten Arm. Er trägt ein aufgeknöpftes kariertes Hemd, sie hat sich ein buntes Tuch um den Kopf gewickelt, beide lächeln in die Kamera. Hashtags wie #happyfamily #love #willmissyou #dakar stehen unter dem Selfie bei Instagram. Es ist wichtig, dass man bei Abdou Dioufs Account abdoudiouf1993 genau hinschaut, denn auf den ersten Blick wird hier eine große Geschichte erzählt: Seine Flucht aus Dakar im Senegal über das Mittelmeer bis an die spanische Küste. Vom letzten Essen bei Mama bis zur entscheidenden Nacht in einem Schlauchboot auf dem Mittelmeer. Dass mit dem Account etwas nicht stimmt, fällt den wenigsten auf.

"The hashtags on this seem kinda odd to me (#foodporn #brosb4hoes etc etc)" twittert zum Beispiel ein Zweifler. Und auch eine Journalistin, die den Instaflüchtling in anderen sozialen Netzen sucht, findet nicht den jungen Mann von den eindrucksvollen Fotos, sondern Profile unendlich vieler anderer "Abdou Dioufs" aus dem Senegal. Abdou Diouf ist schließlich einer der gängigsten Namen des Landes.

Einiges an Abdou Diouf schreit nach: Hoax! Falschmeldung! Ente! Und Überraschung: Die Flüchtlingsreise ist ein Projekt der spanischen Produktionsfirma Volga - eine Einreichung für ein Fotografie-Festival zum Thema "Trips". Ein Video zur Kampagne gab es von Anfang an im Netz zu finden - und trotzdem verkauft die Huffington Post die Geschichte des Social-Media-Flüchtlings als wahr, erzählt Oriol Caba, einer der Köpfe hinter dem Projekt.

"Ein Reporter hat den Instagram-Account entdeckt und war so heiß darauf, das zu publizieren, dass er nicht richtig recherchiert hat. Das Problem war also diese Klickgeilheit und dieses Verlangen, immer und überall der Erste sein zu wollen."

Oriol Caba von Volga

Noch überraschender für die Macher ist die Berichterstattung im spanischen Fernsehen, wo Abdous Route sogar auf einer Landkarte nachgezeichnet wird - ohne dass es je Ortsangaben in seiner Fotoserie gibt. Von Medium zu Medium wird die Aktion immer mehr zum Selbstläufer. Dass Abdou aus Dakar so wenig hinterfragt wird, findet Oriol Caba irritierend. In der realen Welt schaue man sich doch auch erst um, denke nach und ziehe dann seine Rückschlüsse.

"Warum handelt man dann nicht genau so in der digitalen Welt? Instagram ist leider nur ein Spiel und nicht die Encyclopædia Britannica."

Oriol Caba von Volga

Man darf sozialen Medien nicht alles glauben. Lesson learnt. Aber ursprünglich wollten Oriol Caba und seine Kollegen mit dem Fotoexperiment ein ganz anderes Symptom verurteilen: Die oberflächliche Besessenheit, jeden Moment in einem Selfie festzuhalten - im Idealfall so, dass es nach mehr Party, mehr coolen Freunden und mehr Spaß aussieht. Ehrlich ist das nicht, findet Oriol. Klar könne man seine Identität faken, wenn man Bock darauf hat. Man könne sich aber auch eine echte Identität aufbauen. "Und das ist ganz einfach: Sei einfach du selbst".

P.S. Abdou Diouff heißt in Wahrheit übrigens Hagi Toure und ist ein Strandhandballer aus Pineda in Katalonien. Aber, hey, nagelt mich nicht fest - die Info stammt aus seinem Facebook-Profil.


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