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Making of Meme Wenn die Crowd auf Razzia geht

Für Jen Hurd ist es eine Kurzschlussreaktion: Als ein Typ seiner Freundin einen Antrag auf dem Eiffelturm macht, zückt sie ihr Handy und macht Fotos, die sie nachher bei Facebook verbreitet. Es folgt eine riesige Crowd-Fahndung.

Von: Anna Bühler

Stand: 03.07.2015

Eiffel Turm Meme | Bild: Jen Bohn

"Have you ever had one of those moments where your gut says to do something and you hesitate for just a split second and then decide nah I better not. You wrestle with it in your head for a second longer and  then decide to just go for it."

Das tippt Jen Hurd Bohn Anfang Juli in ihr Familienblog "The Bohns - Fake it 'til you make it". Sie selber hat diesen Moment eine Woche zuvor erlebt. Bei einem Parisbesuch auf dem Eiffelturm wird die Amerikanerin Zeugin einer geradezu kitschigen Szene. Gerade als sie die Stufen zu einer Plattform hochsprintet, kniet sich ein Typ hin, um seiner Freundin einen Antrag zu machen. Ist es ok, in diesem Moment ein Foto zu machen? Sie zögert, denkt sich dann aber: "If that was me on vacation and being proposed to at sunset on the Eiffel Tower I would want those pictures!"

Jen Bohn schießt fünf Fotos, auf denen man sieht, wie der Typ aufsteht, seine Freundin umarmt und küsst. Happy End, Freudentränen, es ist klar: Der Kas is’ bissn. Dann muss Jen schnell weiter, sonst schafft sie es vor Schließung des Eiffelturms nicht mehr ganz nach oben. Die Fotografin findet das Pärchen danach natürlich nicht wieder und entscheidet sich, als sie schon wieder zurück in den USA ist, ihre Bilder auf Facebook  zu posten. "Helft mir, sie zu finden!", fordert sie ihre Facebookfreunde auf und nach kurzer Zeit helfen mehr Leute mit, als Jen gedacht hätte.

Kaum ein Boulevardmedium lässt es sich entgehen, die Bilder mit zarten "Ooohs" und "Aaahs" zu kommentieren - auch hierzulande nicht. Diese internationale Social-Media-Großfahnung ist ein weiterer Beweis: Das Internet liebt es, Detektiv zu spielen. Jedes kleine Indiz wird auseinander gefuselt. Eine angebliche Freundin der beiden meint sogar, es seien Deutsche. Der Rest ist viel wildes Gerate, das aber nicht selten zum Erfolg führt.

Das beste Beispiel: Dancing Man!

Dahinter steckt der Brite Sean O’Brien. Der hat ein paar Kilos mehr drauf als andere und wird in einem Londoner Club beim Tanzen ausgelacht. Wenig später wird er im Netz weiter gemobbt, als ein Bild von dem Abend online geht. Cassandra Fairbanks findet das Foto, ist schockiert über die Kommentare und startet das Hashtag: FindDancingMan. Denn in ihrer Heimat Kalifornien will sie mit Freundinnen eine Party schmeißen, wo Sean tanzen kann, als gäbs kein Morgen mehr. Sie finden Dancing Man tatsächlich. Mehr als 1000 Leute kommen zu seiner Party, darunter Monica Lewinsky, Pharrell Williams schickt eine Videobotschaft und Moby stellt sich hinter die Plattendecks.

"It’s turned into the most wonderful journey, I’ve met some of the most wonderful people you can imagine. It’s been truly lifechanging."

Sean O'Brien

Für den Dancing Man endete die Social-Media-Razzia lifechanging. Für das Eiffelturmpaar möglicherweise auch. Nur hat das laut Jen Bohn gar nicht so wahnsinnig große Lust auf Netzberühmtheit und Life Changes. Es seien schüchterne Leute. Upsi. Aber zu Selfiestick-Zeiten auch etwas, mit dem man rechnen muss, wenn man aus dem Haus geht. In ihrem detektivischen Eifer nimmt die Crowd dann auch keine Rücksicht mehr, wie es dem Gesuchten damit geht.


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