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Making of Meme Ey Veganer, geht Gras fressen!

Beim Veganismus fehlt Vielen das Verständnis. "Der Artgenosse" Patrick Schönfeld hat aus den bescheuertsten und lustigsten Floskeln ein Empörungsformular gemacht, wo sich bestimmt der ein oder andere wiedererkennt. Oder?

Von: Anna Bühler

Stand: 26.06.2015

Der Artgenosse | Bild: Patrick Schönfeld

Die vegane Szene wächst. Ein Indiz: Vegane Themen finden mittlerweile nicht mehr nur in Nischenblättchen wie "Kochen ohne Knochen" statt, auch das Primetime-TV zieht mit. Auch wenn es da nicht immer dem Geschmack unserer Politiker entsprechend behandelt wird. Beispiel Dieter Stier, Bundestagsabgeordneter der CDU, der doch tatsächlich im ARD Morgenmagazin gesehen hat, "dass man mittlerweile auch eine vegane Lederpeitsche im Sexshop erwerben könnte, welche aus alten Fahrradschläuchen hergestellt wurde. Mir fehlt dafür jedes Verständnis."

Bei vielen anderen setzt das fehlende Verständnis viel früher ein – nämlich schon dann, wenn es um Veganismus generell geht. Es gibt genügend Leute, die kaum einen Gedanken über Beweggründe eines Veganers verschwenden, aber dennoch der vollen Überzeugung sind, dass gerade ihre Meinung zu diesem Thema besonders wertvoll ist. Und diese Leute outen sich dann zum Beispiel durch solche Floskeln:

"Ich lasse mir von militanten Gemüse-Taliban nicht mein Fleisch vermiesen! Wollt ihr Löwen auch das Fleisch essen verbieten? Ihr könnt ja Gras fressen gehen, aber lasst andere in Ruhe!"

(Austauschbarer Antivegan-Troll)

Eine einzige Phrasendrescherei und doch Standard-Gesums der Antivegan-Fraktion. Patrick Schönfeld, im Netz "Der Artgenosse“, hört diese Sprüche als Veganer jeden Tag. "Das sind alles echte Aussagen, die immer wieder kommen. Alles Klassiker", meint er.

Von solchen Klassikern inspiriert, hat er darum jetzt ein unterhaltsames Schreiben zusammengeschustert, in dem er alles gesammelt hat, was ihm von "Omnis“ regelmäßig an den Kopf geworfen wird. Omnis – das ist Slang für Omnivore, also Allesesser. Patricks Formblatt hat er "Standard-Empörungsformular: Veganer“ genannt. Dem gemeinen Veganismus-Gegner werden dabei ein paar Satzbausteine vorgesetzt, die er Legostein-artig zusammensetzen kann.

Das Netz hat Patricks Formular gerade für sich entdeckt, dabei ist er hier als "Der Artgenosse“ schon seit einem guten Jahr auf veganer Mission. Auf seinem Blog zeichnet er kleine Comics und auf YouTube veröffentlicht er regelmäßig Videos, die mit den typischen Vorurteilen aufräumen. Und da erreicht er nicht nur andere Veganer.

"Es haben wirklich schon einige mehrere Menschen unter meinen Videos kommentiert und haben gesagt, deinetwegen versuche ich, vegetarisch zu sein, deinetwegen versuche ich, vegan zu sein.. Und von daher bin ich der Meinung, dass sich der ganze Aufwand gelohnt hat."

(Patrick Schönfeld)

Patrick Schönfeld

Gerade in sozialen Medien funktioniert das "Standard-Empörungsformular: Veganer" hervorrangend. Schließlich ist fleischfreies Essen ein Thema, das sehr polarisiert. Vor allem, wenn man es nicht mit Lifestyle-Veganern zu tun hat, sondern "wenn man sagt, für mich ist das eine ethische Sache, ich mache das, weil ich es unethisch finde, empfindungsfähige Lebewesen zu töten nur für Geschmack." Dann sei es, so Patrick, schon ein impliziter Vorwurf, auch wenn man das nicht ausspricht.

Patricks Formular dürfte die gekränkten Trolle aus der Defensive locken. Denn wenn man substanzlose Kritik schon vorweg nimmt, kann man endlich anfangen, richtig zu diskutieren. 


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