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Datenschutz bei Videospielen Der gläserne Gamer

Spielzüge, Kreditkartendaten, Chats - all das könnte die US-Regierung bald von Gamern amerikanischer Spiele bekommen. Wie sicher sind unsere Daten, wenn wir zocken? Und wie kann ich mich schützen?

Von: Christine Memminger

Stand: 20.02.2015

Gläserner Gamer bei Videospielen | Bild: BR

Spiel runterladen, AGB akzeptieren, los geht's - bis ins letzte Detail liest sich die AGB ja doch fast keiner durch. Aber gerade bei amerikanischen Games geben Nutzer damit oft alle Rechte an ihren Daten ab. Jetzt haben einige amerikanische Videospielfirmen mit der US-Regierung vereinbart, diese Nutzerdaten weiterzugeben. Darunter ist auch die Entertainment Software Association, die unter anderem Microsoft und Sony repräsentiert.

Schwer, sich zu informieren

Eine aktuelle Umfrage des Verbands für Deutschlands Video- und Computerspieler (VDVC) hat ergeben, dass sich die meisten Spieler nur schlecht oder gar nicht über Datenschutz informiert fühlen. Kein Wunder, vieles was in den AGBs steht, ist auch eine rechtliche Grauzone, meint Patrick Schönfelder vom VDVC. Die Spieleanbieter würden oft versuchen sich möglichst viel zu erlauben. Für den Nutzer ist es schwer nachzuvollziehen, ob das ok ist oder nicht.

"Sich zu informieren ist relativ schwer. Was der Anbieter wirklich darf, ist ohne gerichtliche Klärung eigentlich schwer zu sagen. Dementsprechend befindet man sich da in einer großen Grauzone."

Patrik Schönfeldt vom VDVC

Eine Grauzone, die Spielern anscheinend oft mulmig ist: Bei der Umfrage des Verbraucherverbands der Computerspieler (VDVC) sagte ein Viertel der befragten Spieler, dass sie aus Datenschutzgründen schon auf ein Spiel verzichtet haben.

Es wird online und offline gesammelt

Die Chats in World of Warcraft wurden von der NSA überwacht.

Getrackt werden jede Menge Daten, vor allem bei Online-Games. Das geht bei Spielzeiten und Spielverlauf los. Dazu kommen bei kostenpflichtigen Spielen Kreditkartendaten oder sogar Infos aus dem Personalausweis. Natürlich können auch Chats innerhalb des Spiels gespeichert und ausgewertet werden. Das passiert wohl auch schon in Deutschland, genau wie bei anderen Chatprogrammen. Beweise dafür finden sich in den Unterlagen von Edward Snowden, die zeigten, dass die NSA die Chats von World of Warcraft überwacht hat.

Aber auch wer offline spielt, wird regelmäßig erfasst. Einerseits zum Kopierschutz: Der Hersteller prüft immer wieder, ob der Spieler tatsächlich die Lizenz für das Spiel hat. Aber auch zur Marktforschung werden immer wieder Daten übermittelt, dafür wird das Spielerverhalten untersucht und aufgezeichnet. Auch wenn das Game selbst nicht auf einem Server gespielt wird: Die meisten Spiele kann man inzwischen gar nicht mehr spielen, ohne in irgendeiner Weise mit dem Internet verbunden zu sein.

Interessanterweise gibt es inzwischen sogar Anbieter, die damit werben, dass sie "wie früher" komplett offline sind.

Das Land macht den Unterschied

Zuerst mal sollte man rausfinden, wo die Videospielfirma ihren Sitz hat. Das Büro der Datenschutzbeauftragten der Bundesregierung sagt: Wenn es sich um das Spiel einer amerikanischen Firma handelt, ist man normalerweise auf amerikanischen Servern unterwegs. Damit gilt amerikanisches Recht. Und damit ein ziemlich laxer Datenschutz. Patrik Schönfeldt vom VDVC findet, dass sich jeder gut überlegen sollte, ob er unter diesen Bedingungen weiterspielen will.

"Eigentlich kann man nur über den Markt Druck ausüben: Also das Spiel nicht nutzen, bis Daten nicht mehr weitergegeben werden."

Patrik Schönfeldt vom VDVC

Technikfreaks finden zum Teil auch noch andere Möglichkeiten, aber die sind sehr kompliziert: Zum Beispiel können Spieler bei manchen Games auf Community-Server mit europäischem Standort ausweichen.

Strengere Regeln in Deutschland

Das deutsche Bundesdatenschutzgesetz ist etwas strenger als das amerikanische. Daran müssen sich auch deutsche Spieleanbieter halten. Zum Beispiel hat jeder Spieler ein Recht darauf, Auskunft über seine gespeicherten Daten zu bekommen und die Daten berichtigen oder löschen zu lassen. Doch am Ende gilt das, was man mit der Datenschutzerklärung akzeptiert hat.

Grundsätzlich werden also auch bei deutschen Spielen Daten gesammelt. Immerhin, Bigpoint, einer der größten Anbieter für Browserspiele, speichert seine Nutzerdaten hauptsächlich auf deutschen Servern und hält sich auch bei Aktivitäten im Ausland an die deutschen Datenschutzbestimmungen. Außerdem weist der Spielehersteller seine Spieler im Forum darauf hin, keine persönlichen Daten wie Telefonnummern im Chat zu erwähnen.
Im Interview hat uns der Sprecher von Bigpoint versichert, dass bisher weder die deutsche noch die amerikanische Regierung nach Nutzerdaten gefragt haben. Wie das Unternehmen reagiert, wenn die Anfrage kommt, will es sich erst dann überlegen.


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