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Making of Meme // Charlie Charlie Challenge Wer Charlie wirklich ist

Ein Geist schwebt durch unsere Timelines. Sein Name ist Charlie, bei Twitter, Vine oder YouTube wird er gerade von Millionen Usern heraufbeschworen. Offenbar glauben viele an den Spuk - dabei steckt etwas anderes dahinter.

Von: Anna Bühler

Stand: 26.05.2015

Charlie Challenge Meme | Bild: picture alliance dpa

1974 sind Uri Gellers Tricks revolutionäre TV-Unterhaltung. Geller, damals Anfang Dreißig, bringt im ZDF kaputte Uhren wieder zum Ticken und verbiegt Löffel ohne sie zu berühren. Deutschland ist fasziniert von den scheinbar übersinnlichen Kräften und im totalen Uri Geller-Fieber.

Uri Geller in der ZDF-Unterhaltungssendung "Drei mal Neun" 1974

Schon damals wird vermutet, dass die Uhren nur dank Wärme oder dank eines Magneten in Gellers Hand wieder ticken. Und trotzdem ist paranormale Aktivität auch gut vierzig Jahre später immer noch der Stoff, der die Massen begeistert. Derzeit macht ein Geist die Runde in den Sozialen Medien. Sein Name: Charlie.

Und wieder Mal ein Mitmach-Mem

Junge Leute von hier bis zum Nordpazifik beschwören gerade Charlie und stellen das Video ihrer Geisterstunde selbstverständlich ins Netz. Auf Twitter war das Hashtag #CharlieCharlieChallenge international auf Platz Eins. Kein Wunder: Die Challenge ist leicht gemachte Beschwörung fürs Kinderzimmer mit größtmöglichem Grusel-Effekt.

Wer mitmachen will, malt zwei sich kreuzende Linien auf ein Papier und stapelt darauf zwei Bleistifte – ebenfalls über Kreuz. In die vier Kästchen auf dem Papier schreibt man die Antwortmöglichkeiten für den Geist Charlie. Im Uhrzeigersinn: Ja, Nein, Ja und Nein. Viel komplexer kann Charlie nicht. Denn er antwortet, indem er die Bleistiftspitze auf Ja oder Nein bewegt. Nervenkitzel pur.

Von Charlie bis zum Gläserrücken

Charlie Challenge Meme | Bild: picture alliance dpa

CharlieCharlieChallenge-Parodie mit One Direction

"Charlie Charlie", auch "Pencil Game“ genannt, ist angeblich ein rituelles Spiel aus Mexiko, bei dem der Geist eines toten Jungen namens Charlie heraufbeschworen wird. Es erinnert an das Ouija, ein Hexenbrett, das für Freunde des Okkultismus ein Hilfsmittel für die Kommunikation mit Geisterwesen ist – ähnlich dem Gläserrücken. Im Netz gibt es darum einige Stimmen, die vor Charlie warnen.

Auch der österreichische YouTuber MythenAkte meint: "Wenn ihr es ausprobieren wollt, nur zu" Aber seid gewarnt: Es kann angeblich böse enden." Neben dem freundlichen Charlie könnte man versehentlich andere Dämonen wecken, mit denen nicht zu spaßen sei. Nicht mal Okkultismus-Experte Mythenakte wagt die #CharlieCharlieChallenge, dabei steht in seiner Selbstbeschreibung bei Youtube, dass er sich dem Grusel stellt und der Wahrheit auf den Grund geht… Scheinen Ausnahmefälle zu sein.

Spoiler! Nicht lesen, wenn man an Geister glauben möchte!

Nun gut, dann muss ich wohl jetzt die Spielverderberin sein: Es gibt da eine Kleinigkeit, die man über Charlie genauso wissen sollte, wie über das Hexenbrett. Erst der Carpenter Effekt macht's möglich. Schon durch die Vorstellung oder Wahrnehmung einer Bewegung werden im Gehirn motorische Zentren aktiviert. Wenn man also eine Bewegung erwartet – einen Schwung bei einem Pendel oder das Verschieben eines Glases – dann bewegt sich der eigene Muskel, ohne dass man das groß kontrolliert. Man schwingt oder schiebt also ganz unbewusst. Einen lose gestapelten Bleistift kann man übrigens schon mit einem ungewollten, nervösen Nasenatmer zum Wackeln bringen. Das ist weder die Geisterhand, noch Magie. Das nennt sich Physik.


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Theo, Donnerstag, 03.August, 10:18 Uhr

1.

Das ist richtig und zum Geister beschwören braucht man mindestens 1 Kerze