Jetzt Nicht die Musik Kummer

Info Felix Brummer von Kraftklub hat unter seinem echten Nachnamen Kummer seine Probleme mit Männlichkeit in der Musik verarbeitet. Im Text von "Nicht die Musik" (2019) bezieht er sich u.a. auf Kollegah und dessen Bosstransformation.

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Aus Games lernen Warum Computerspiele Allgemeinbildung sind

Games machen süchtig, faul, gewalttätig und einsam, heißt es. Unser Autor sagt: Bullshit. Sie können auch die Allgemeinbildung pushen - und zwar nachhaltig und oft besser als jeder Schulunterricht.

Von: Dominic Holzer

Stand: 19.11.2019 | Archiv

Computer | Bild: BR

"Alles, was ich weiß, weiß ich aus Computerspielen - oder weil es sich reimt." Ich habe diesen Satz schon so oft gesagt und mir ist klar, wie seltsam er immer wieder klingt - für Menschen die finden, Games machen süchtig, faul, einsam oder sogar gewalttätig. Ich für meinen Teil kann sagen: Ohne Computerspiele wäre ich nicht da, wo ich heute bin: ich hab mein Abi, einen Uniabschluss und bin Radiomoderator, der Job, den ich immer machen wollte.

Meinen ersten Computer, den hatte ich übrigens mit sechs Jahren - gut, gekauft hatten sich den Computer meine Eltern, aber nach so zwei Wochen konnte ich ihn einfach besser bedienen, als sie. Und seither haben sie einfach mich machen lassen, ja: auch spielen - solange ich wollte. Danke dafür!

Denn Computerspiele, finde ich, haben mich zu einem halbwegs intelligenten, reflektierten Menschen werden lassen. Aus mindestens drei Gründen:

Erstens: Das große Ganze

Erstmal musste ich ja Englisch lernen: Ich sehe mich heute noch als Grundschulknirps mit Mamas altem Wörterbuch auf dem Klo sitzen und Begriffe wie "Cancel", "Undo" und "Continue" nachschlagen oder Basics wie "delete", "file" und "copy" natürlich. Oder andere schmutzige Begriffe, die ich damals in Adventure-Spielen wie "Leisure Suit Larry" oder "Police Quest" noch von Hand als Befehle eintippen musste. Und da waren großartige Spiele wie "Civilization", die mir unsere Welt und Ideengeschichte erklärt haben, dass das Rad vor dem Schwarzpulver erfunden wurde und die Dampfmaschine vor dem Kommunismus. Dass die Kolonialmächte Spanien, Frankreich, die Niederlande, Großbritannien und Portugal einst die neue Welt unter sich aufgeteilt haben und das bis heute nachwirkt: Ich weiß es aus "Sid Meier’s Pirates". Dass Fernsehsender Werbung zeigen müssen und knallhart um Einschaltquoten kämpfen aus "Mad TV", dass Fastfoodketten ihre Pommes übersalzen um mehr Getränke zu verkaufen aus "Theme Park". Weit bevor das in der Schule in Geschichte, Wirtschaft, Erdkunde oder Sozialkunde dran kam, wusste ich vieles einfach schon ein bisschen. Und ja, es gibt heute Städteplaner die sagen, das Simulationsspiel "Sim City" hat sie zu ihrem Berufswunsch inspiriert.

Zweitens: Absurde Fakten und Details

Ohne die entsprechenden Sportgames wüsste ich bis heute nichts über die Spielregeln von Eishockey, Basketball oder Snooker. Bis heute kenne ich auch die meisten deutschen Kleinstädte nur in Verbindung mit ihrem örtlichen Fußballverein: DSC Wanne-Eickel, SC Verl, die Sportfreunde Lotte, nicht zuletzt dank der "Bundesliga Manager"-Spiele. Die halbe griechische Götterwelt kenne ich aus dem wirklich uralten Nintendo-Spiel "The Battle of Olympus" und dank diverser Prügelspiele weiß ich natürlich, dass Karate aus Japan und Kung-Fu aus China stammt. Oder dass die erste Eisenbahn von Nürnberg nach Fürth gefahren ist, ich weiß es aus "Railroad Tycoon". Ich kann mir bis heute die absurdesten Fakten und Details merken, weil ich aus Games gelernt habe: Irgendwann wird das noch für was gut sein.

Drittens: Neugierig und hartnäckig sein

Es gibt in Spielen einfach so viel zu entdecken: Sie haben mir beigebracht, immer neugierig zu sein und mich in jeder Spielwelt auf deren eigene Regeln einzulassen, die im besten Fall irgendwann zu überlisten. Adventuregames wie "Monkey Island" haben mich gelehrt, lösungsorientiert und auch mal um die Ecke zu denken, dank Strategiespielen kann ich vorausplanen, Rollenspiele helfen mir, die Welt durch die Augen einer anderen Figur zu sehen und Jump'n'Runs wollen, dass ich mir ganze Passagen auswendig merke, übe und es immer wieder versuche, bis es klappt. Und natürlich geht es in Shootern wie anno dazumals "Golden Eye", heute eher "Fortnite", nicht nur ums Rumballern, nein, sie bringen uns auch was bei: schnell reagieren, taktisch denken, im Team zusammenarbeiten! Und noch eines prügeln einem Spiele geradezu ein: Früh speichern und oft speichern - diese Lektion hat mir schon mehrfach die Haut gerettet, wenn der Bürorechner mal wieder abgeschmiert ist.

Mir ist schon klar: Nicht alle Games machen schlau, es gibt auch herrlich dumme Spiele. Und nicht jeder Mensch lernt so wie ich. Aber ich kenne viele Leute, denen es so geht wie mir: Spiele haben uns schlauer gemacht. Und das muss einfach auch mal laut ausgesprochen werden.

Sendung: PULS am 15.11.2019, ab 15.00 Uhr