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Salafismus Was ihr tun könnt, wenn sich ein Freund radikalisiert

Erschreckend viele junge Deutsche haben sich in den letzten Jahren radikalisiert. Aber was kann ich tun, wenn mein Freund oder meine Freundin plötzlich in der radikalen Szene steckt oder sogar für den sogenannten IS nach Syrien will?

Von: Joseph Röhmel & Marlene Fercher

Stand: 07.12.2018

Ein junger Mann, der nach der Schule eine Lehre beginnt. Kurz vor der Gesellenprüfung bricht er die Lehre ab und reist zum sogenannten Islamischen Staat (IS) nach Syrien.

Ein Schüler, der gegenüber Lehrern und Klassenkameraden für den IS schwärmt und versucht aggressiv, andere zu missionieren.

Eine Studentin, die im Internet auf salafistische Prediger stößt. Sie konvertiert zum Islam und lernt einen Mann kennen. Er gilt als islamistischer Gefährder, weil er Kontakt zu Personen hat, die zu Terrorgruppen nach Syrien ausgereist sind.

Alles Fälle aus Bayern – bekannt bei Polizei, Verfassungsschutz und Beratungsstellen. Mehr als 1.000 junge Menschen aus Deutschland sind seit 2012 wirklich in den Dschihad nach Syrien oder in den Irak ausgereist, darunter 72 aus Bayern. Das hat das Bundeskriminalamt erfasst. Nur: Was, wenn mein Freund oder meine Freundin sich plötzlich so auffällig verhält?

Merkmale einer Radikalisierung

Eine Radikalisierung sei erkennbar, wenn eine Person plötzlich zum Islam konvertiere, seine alten Freunde als "Ungläubige“ beschimpfe und sich ein Umfeld mit Gleichgesinnten aufbaue. So drückt es die bayerische Staatsregierung auf dem Portal antworten-auf-salafismus.de aus, das sie Ende 2016 gestartet hat. Auch ein anderer Kleidungsstil nach der Konversion wird als möglicher Hinweis auf eine Radikalisierung beschrieben: etwa das Tragen eines Niqab, dem schwarzen Gesichtsschleier, bei dem nur die Augen zu sehen sind. Ein weiteres Merkmal kann sein, dass sich ein Freund auf salafistischen Internetseiten bewegt und soziale Kontakte abbricht.

"Freunde merken sehr früh, dass etwas nicht stimmt"

Solche Ratschläge sind aber nur ein erster Schritt, denn sie sind sehr allgemein. In Bayern gibt es Einrichtungen, die sich auf das Thema Radikalisierung spezialisiert haben. Experten wie der Pädagoge Thomas Mücke empfehlen, sich schnellstmöglich an solche Beratungsstellen zu wenden, denn jeder Fall sei individuell zu betrachten:

"Freunde merken sehr früh, dass eine Person sich von ihnen abwendet – also nicht mehr so erkennbar ist in ihrem Wesen, wie es vorher der Fall gewesen ist. Sie spielen daher eine große Rolle, dass Hilfe in Gang gesetzt werden kann."

- Thomas Mücke, Violence Prevention Network

Zu selten melden sich Freunde bisher bei Beratungsstellen sagt Mücke, obwohl sie meist am schnellsten merken, dass etwas nicht stimmt:

"Grundsätzlich gilt: Je früher eine Radikalisierung erkannt wird, desto höher sind die Erfolgsaussichten einer Deradikalisierung."

- Thomas Mücke, Violence Prevention Network

Die Beratungsstelle VPN

Seit 26 Jahren kümmert sich Thomas Mücke um Radikalisierungsfälle und ist Mitbegründer des deutschlandweit aktiven Vereins Violence Prevention Network. Auch in Bayern betreibt der Verein eine Beratungsstelle mit neun Mitarbeitern. VPN kooperiert mit dem Kompetenzzentrum Deradikalisierung im Landeskriminalamt. Es greift ein, wenn die Berater merken, dass jemand zu Terrorgruppen ausreisen will oder im Verdacht steht, hier in Deutschland Anschläge vorzubereiten.

Das Erbe des IS im Internet

Auch wenn die Terrormiliz IS inzwischen militärisch zurückgedrängt wurde und dieses Jahr kaum noch Personen zu Terrorgruppen ausgereist sind, bleibt die salafistische Ideologie für junge Menschen in Deutschland attraktiv. Salafisten rekrutieren im Internet, an Schulen, an Universitäten und Jugendeinrichtungen. Durch seine Texte und Video ist der IS online immer noch präsent. Extreme Ansichten, Hass auf die Ungläubigen und ihre Abwertung durch salafistisches Gedankengut bleiben attraktiv. Mehr als 11.000 Salafisten sind laut Bundesamt für Verfassungsschutz in Deutschland gerade aktiv.

Den Freund nicht aufgeben!

"Besonders wichtig ist es, den Betroffenen nicht zu isolieren. Bleiben Sie mit ihm im Gespräch und reden Sie über seine Ansichten, Einstellungen und Bedürfnisse."

- Antwort auf Salafismus.de

Ähnlich formuliert es auch Florian Endres, Leiter der Beratungshotline Radikalisierung im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Seit Start der Hotline im Jahr 2012 haben dort aus ganz Deutschland mehr als 4.300 Menschen angerufen – besorgte Freunde, Eltern, Lehrer, Schulpsychologen. Florian Endres rät: Den Freund nicht aufgeben! Und: Nicht an endlosen Grundsatzdiskussionen verzweifeln, sondern einen Weg finden, wie man trotzdem noch miteinander reden kann.

"Es ist wichtig, gerade diese Debatten über den wahren Islam und über Religion erstmal zurückzufahren."

- Florian Endres, im Interview im November 2011

Gesprächsfaden nicht abreißen lassen

Dabei kann helfen, die Situation erstmal abkühlen zu lassen und andere Themen, über die man sprechen kann, zu finden und dem Freund zu zeigen, dass man selbst auch nicht die Wahrheit gepachtet hat. Welche Fragen – abgesehen von Religion – beschäftigen ihn gerade noch? Dort ansetzen und zeigen, dass er akzeptiert und wichtig ist. Und vor allem: Auch wenn ihr euch nicht immer einig seid, den Gesprächsfaden nicht abreißen lassen. Was so banal klingt, kann laut Florian Endres, gerade in einer frühen Phase einer Radikalisierung wirklich helfen.

Sendung: PULS Spezial, 8.12.2018, ab 18 Uhr