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Urheberrecht von Texten Die Uni bleibt digital - zumindest vorerst

Ein Weihnachtsgeschenk für Studenten gibt's schon jetzt: Das nächste Jahr startet nicht mit endlosen Schlangen am Bibliothekskopierer. Zumindest im Sommersemester 2017 stellen die Hochschulen noch online ihre Texte bereit.

Von: Johanna Hojer

Stand: 16.12.2016

Studentin in einer Bibliothek | Bild: picture-alliance/dpa

Stellt euch vor, eure Texte für die Uni gibt's nicht mehr digital. Stattdessen müsst ihr jeden einzelnen aus der Bibliothek holen und kopieren. Gar nicht so abwegig, denn die Unis streiten gerade um's Urheberrecht.

Bisher müssen die Bundesländer an die VG Wort, eine Art Gema des Verlagswesens, Pauschalabgaben für die Dokumente zahlen, die die Unis online stellen. Das Geld geht an die Urheber der Texte, die zum Beispiel für Seminare gelesen werden müssen.

Das Bundesverfassungsgericht wollte das aber ändern: In eine Einzelabrechnung pro Student und Semester, bei der 0,008 Euro pro Textseite fällig werden sollten. Die Hochschulen fanden das viel zu kompliziert und aufwendig und boykottierten den Beschluss. Die Folge: Zum 1. Januar 2017 sollten die Unis und Hochschulen aus urheberrechtlichen Gründen alle Texte aus ihren Onlineplattformen löschen.

Die Leidtragenden bei diesem Streit sind die Studenten, denn die Alternative sollte die klassisch analoge Methode sein: kopieren! Etliche Dozenten forderten ihre Studenten in den letzten Wochen schon dazu auf, sich das Material noch bis Ende des Jahres aus den Hochschulportalen herunterzuladen.

Studenten wehren sich gegen neues Gebührenmodell

Die Münchner Studenten Kevin Golde und Dominic Hildebrandt haben daraufhin eine Petition ins Leben gerufen, mit der sie diesen Beschluss stoppen wollten. Für sie ist der nämlich eine "Versetzung der Hochschulen ins prädigitale Zeitalter". Und so haben das auch viele andere Studenten gesehen: Ihr Ziel von 50.000 Unterschriften haben Kevin und Dominic am Ende der Petition deutlich übertroffen.

Kein Wunder, denn die Empörung an den Hochschulen war groß. Neben der Petition haben Studentenvertreter zahlreiche Protestbriefe an die Wissenschaftsministerien der Bundesländer geschickt.

Erst mal bleibt die Uni digital

Die Proteste haben wohl Wirkung gezeigt, denn die VG Wort und die Vertreter von Hochschulen und Wissenschaftsministerien haben sich für das Sommersemester 2017 auf eine Übergangslösung geeinigt. Bis zum 30. September 2017 soll auch weiterhin die pauschale Abrechnung gelten, erklärte Thomas Grünewald, Staatssekretär des nordrhein-westfälischen Wissenschaftsministeriums.

Die Münchner Studenten wollen aber noch weiter Unterschriften sammeln, 150.000 ist das Ziel. Denn noch ist die Geschichte ja nicht vom Tisch. Bis zum 1. Oktober 2017 müssen sich die Ministerien, Hochschulen und VG Wort auf eine neue Lösung geeinigt haben.


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