46

Transgender und Transsexualität Wie Felis Geschlechtsanpassung wahr wurde

Seit Jahren wünscht sich Felicitas eine geschlechtsanpassende Operation. Die Bambergerin, die in einem Jungenkörper geboren wurde, hat sich in Gesprächen und mit Psychologen lange darauf vorbereitet. Wir haben sie ein Jahr lang begleitet.

Von: Lisa Altmeier

Stand: 04.12.2015

Felicitas | Bild: BR

Ein bisschen nervös, aber vor allem ziemlich vorfreudig liegt Felicitas im Kapuzenpulli in ihrem Krankenbett und liest letzte Whatsapp-Nachrichten von ihren Freunden, die ihr alles Gute wünschen. Vier bis fünf Stunden lang wird sie heute im OP in einer Münchner Spezialklinik liegen. Bislang geht Feli ungern ins Schwimmbad und nie in die Sauna. Feli ist trans, sie kam mit einem Penis auf die Welt. Um den Penis unter ihren Jeans zu verbergen, trägt sie normalerweise drei enge Kinderunterhosen über ihrer Unterhose. Das alles soll ab morgen anders sein. Denn dann hat sie eine Geschlechtsanpassung.

Die Anpassung ist nur ein Baustein in einem Leben, das voller Veränderungen steckt. Schon in der Grundschule merkte Feli, dass sie lieber lange Haare und Kleider trägt, sich gerne verkleidet und irgendwie nicht so richtig zu den Jungs dazu gehört. Dass sie trans sein könnte, wussten damals weder sie noch ihre Eltern. Die anderen Kinder beschimpften Feli und lachten sie aus. Feli schnitt sich die Haare ab und verdrängte erst mal, was los war. Sie merkte nur immer wieder, dass sie sich einfach nicht wie ein Junge fühlte.

Es hat lange gedauert, bis Feli herausfand, was mit ihr los war. Mit 13 Jahren sagte sie zu ihren Eltern: "Ich bin ein Mädchen." Die Eltern unterstützten sie. Seit neun Monaten heißt sie jetzt offiziell Felicitas, seit April 2014 nimmt sie Östrogene, damit ihr Körper weiblicher wird. In dieser Zeit sind Felis Gesichtszüge weicher geworden, ihre Brüste sind gewachsen, sie fühlt sich wohler. Jeden Tag muss sie zwei Tabletten schlucken. "Wenn ich eine vergesse, kommt es zu Stimmungsschwankungen. Das ist dann so, wie wenn eine Cis-Frau ihre Tage bekommt." Am Anfang bekam sie von den Nebenwirkungen Kopfschmerzen, mittlerweile geht es. Trotzdem denkt sie jeden Tag "Yay, meine Tabletten", wenn sie sie einnimmt. Einfach, weil Feli sich freut, dass sie überhaupt die Möglichkeit hat, etwas an ihrem Körper zu verändern.

Außerdem besucht Feli eine Logopädin, die mit ihr ihre Stimme trainiert. Eines ihrer größten Probleme ist telefonieren. Wegen der tiefen Stimme sagen Fremde manchmal am Ende eines Gesprächs "Auf Wiedersehen, Herr..." Das verletzt. Und sowieso ist die Sache mit dem Selbstbewusstsein manchmal schwierig, was bestimmt auch daran liegt, dass Feli schon viele komplizierte Situationen erlebt hat: Vom Coming-Out vor der ganzen Klasse bis zum Schulwechsel wegen Mobbing und den eineinhalb Jahren Psychotherapie, bis sie endlich die Operation von der Krankenkasse bewilligt bekam.

"Ich hoffe, dass ich nach der OP noch selbstsicherer bin und noch mehr mit meinem Körper im Einklang", sagt Feli, kurz bevor es losgeht. Aber wie wird sie sich danach wirklich fühlen? Mittlerweile trägt sie statt dem schwarzen Kapuzenpulli einen blauweißen Kittel. Noch ein letztes Mal Blutdruck messen. Dann stülpt eine Krankenschwester ein blaues OP-Band über ihr Handgelenk und schiebt den Krankenwagen langsam aus dem Krankenzimmer in Richtung OP-Saal.

Aufgrund der vielen Diskussionen um korrekte Begriffe haben wir uns dazu entschieden, Beiträge zum Thema mit den Begriffen "Transgender und Transsexualität" zu kennzeichnen.


46