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Pornographie "Der Staat sollte besonders wertvolle Pornos finanziell fördern"

Vater Staat als Porno-Produzent? Genau das fordert jetzt die Berliner SPD. Wir wollten wissen, ob die Idee wirklich so verrückt ist, wie sie auf den ersten Blick klingt.

Von: Miriam Harner

Stand: 06.06.2018

Ferike Thom, Jusos Berlin-Pankow | Bild: Ferike Thom

Ganz ehrlich: So ziemlich jeder von uns hat schon mal einen Porno geschaut. Was dabei auffällt: In den meisten Erotikfilmchen ist die Rollenverteilung ziemlich frauenverachtend. Der Mann nimmt sich, worauf er Bock hat, die Frau ist oft nicht mehr als eine fleischgewordene Sexpuppe. Die Berliner SPD hat am Wochenende auf ihrem Landesparteitag beschlossen, sich dafür einzusetzen, feministische Pornos staatlich zu finanzieren. Ferike Thom, 25, Juso-Vorsitzende im Bezirk Berlin-Pankow, hat den Antrag geschrieben und erklärt, wie das staatliche Porno-Förderprogramm genau funktionieren soll.                        

PULS: Warum sollte der Staat ins Porno-Business einsteigen? Man könnte auch sagen: Sex ist Privatsache. Da hat sich niemand einzumischen, schon gar nicht der Staat.

Ferike Thom: Wir haben aber auch eine staatliche Filmförderung in Deutschland, die besonders wertvolle Filme mitfinanziert. Dann kann der Staat auch besonders wertvolle Pornofilme fördern und kostenlos verfügbar machen. Der Punkt ist doch: Im Internet schwirren so viele Pornos rum, in denen Konsens oder Kommunikation zwischen den Sexualpartnern komplett ausgeblendet werden. Beim Mainstream-Porno sehe ich zum Beispiel selten, dass ehrlich gefragt wird: "Ist das gut so wie wir das gerade machen? Gefällt dir das?“ Ein ehrliches "Nein, lass das mal anders probieren." kommt nicht quasi nicht vor. Oft nimmt der Mann sich eben was er will und die Frau ist ein Objekt zur Lustbefriedigung. Das sehe ich als ein ganz großes Problem, weil PornHub und Co. inzwischen eine wichtige Rolle bei der sexuellen Aufklärung spielen. Sie prägen das Bild, das junge Menschen von Sexualität haben. Es ist schlimm, wenn Jungs glauben "Na ja, so verhält man sich halt beim Sex" und Mädchen denken "Gut, dann muss ich mich da anpassen". Dieser Vorstellung von "realistischem Sex" wollen wir etwas entgegensetzen.

Welche Kriterien müsste eurer Meinung nach so ein staatlich finanzierter "Bundes-Porno" erfüllen?

Wie gesagt: Konsens und Kommunikation halte ich für extrem wichtig. Aber auch mehr Diversität, also eine Vielfalt an Körperformen und an Geschlechtern, an ethnischer Herkunft und weg von dieser Fetischisierung bestimmter Personengruppen. Wir möchten außerdem, dass Verhütung gezeigt wird und wenn sie nicht stattfindet, dann nur, wenn im Porno klar wird, dass beide Sexpartner mit dem ungeschützten Verkehr einverstanden sind. Und natürlich ist die SPD auch immer die Partei von guter und gerechter Arbeit. Deswegen ist es auch wichtig, dass bei dem feministischen Porno, den wir für förderungswürdig halten, gute und gerechte Arbeitsbedingungen und Bezahlung für alle Beteiligten gelten.

Wie sollte denn diese Filmförderung konkret aussehen? Es gibt ja in Schweden schon ein ähnliches Projekt.

Das war auch so ein bisschen unsere Inspiration dafür. Dort gab es eine Ausschreibung für feministische Pornos, diese Filme wurden mit 50.000 Euro finanziert und kostenlos zur Verfügung gestellt. Wir haben in unserem Antrag drei Kanäle vorgeschlagen, über die die Filme verbreitet werden könnten. Zum einen über die Landes und Bundeszentrale für politische Bildung und für gesundheitliche Aufklärung. Die haben ein Budget, um multimediale Projekte zu produzieren. Man könnte das aber auch im Rahmen einer Preisverleihung machen, also dass sich Regisseure mit ihren Filmideen um Fördermittel bewerben. Und wir könnten uns vorstellen, dass Filme, die unseren Wünschen entsprechen und auch schon produziert wurden, aufgekauft und kostenlos verfügbar gemacht werden. Es gibt ja den feministischen Porno schon. Es gibt tolle Filme, aber sich die anzuschauen, kostet oft Geld und es ist einfach schwierig sich gegenüber der Masse an kostenlosen Pornos im Internet zu behaupten.

Wo genau sollten diese Filme verfügbar sein?

Wir haben in unserem Antrag die Online-Mediatheken von ARD und ZDF vorgeschlagen. Oder eben bei der Bundeszentrale für politische Bildung. In dem Zuge müsste auch nochmal die Altersfreigabe für Pornografie überprüft beziehungsweise heruntergesetzt werden. Es gibt schließlich verschiedene Arten von Porno, von Soft- bis Hardcore. Manche Filme könnten sich womöglich schon unter 18-Jährige angucken.

Bei der Bundeszentrale für politische Bildung hat man tendenziell eher verhalten auf diesen Vorschlag reagiert. Überrascht dich das?

Nein, das überrascht mich nicht. Ehrlich gesagt haben auch innerhalb der SPD nicht sofort alle "Hurra" geschrien. Es ist natürlich eine etwas unorthodoxe Forderungen, aber wenn man ein bisschen drüber nachdenkt und wissenschaftliche Erkenntnisse berücksichtigt, die zeigen, wie schädlich Mainstream-Pornos mit ihrer frauenverachtenden Rollenverteilung sind, dann kommt früher oder später hoffentlich auch die Unterstützung der Bundes- und Landeszentralen.

Aber wie realistisch ist denn tatsächlich die Umsetzung eures Antrags?

Der SPD-Landesparteitag sitzt ja in keinem Parlament und kann keinen Gesetzesentwurf einbringen. Staatlich geförderte, feministische Pornos sind jetzt eine Beschlusslage der SPD Berlin. Das heißt, die SPD Berlin hat mit diesem Beschluss ihre Abgeordneten im Abgeordnetenhaus aufgefordert, tätig zu werden. Der nächste Schritt ist, dass der Antrag zum Bundesparteitag weitergeschickt wird. Falls er dort beschlossen wird, ginge die gleiche Aufforderung an die Mitglieder der SPD-Bundestagsfraktion und könnte dann erst zum Gesetzentwurf werden. Das Campaigning für diese Sache ist also noch lange nicht zu Ende.

Sendung: Filter vom 05.06.2018, ab 15 Uhr