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Kommentar: Warum die Plastik-Steuer gut ist Wir haben viel zu lange rumgemüllt!

Der Grünen-Politiker Robert Habeck fordert eine EU-weite Steuer auf Wegwerfplastik. Ein radikaler und wichtiger Schritt, findet unser Autor. Denn wir haben viel zu lange rumgemüllt!

Von: Kevin Ebert

Stand: 23.04.2018

Wegwerfplastik im Ozean | Bild: BR

Eine Bloggerin macht Urlaub auf Bali. Wie das aussieht, kann man sich denken: weiße Strände, grüne Palmen und braune Beine. Bei Amelia Whelan sieht Bali anders aus: Die Bilderbuchstrände verkommen auf ihren Bildern und Videos zu einer Müllhalde. Plastikflaschen, Tüten, Zahnbürsten, Shampooflaschen und Bälle. Viel mehr noch. Alles, was man sich vorstellen kann. Plastik wie Sand am Meer.

Als ich über ihre Bilder stolpere, bin ich geschockt. Nicht, weil mir nicht bewusst wäre, dass viele Strände müllverseucht sind. Sondern, weil man auf den Bildern genug "Natur" erkennt, um sich vorzustellen, wie wunderschön das Ganze ohne Plastik aussähe. Und gleichzeitig bin ich peinlich berührt. Weil vieles von dem Müll, der auf den Bildern zu sehen ist, auch von mir stammen könnte. Ich verbrauche viel zu viel Plastik. Das weiß ich. Zwar schaffe ich es, mit einer Stofftasche einkaufen zu gehen – aber was ich dann dort hinein stopfe, ist teilweise dreifach verpackt. In Plastik. Es gehört fest zu unserem Leben, es ist überall – und in seiner Menge ist es lebensfeindlich, um nicht zu sagen tödlich. Ich, wir alle müllen uns kaputt.

Es wäre ein mutiger Schritt

Der Grünen-Chef Robert Habeck will das verändern. Konkret fordert er in der Zeitung DIE WELT eine EU-weite Steuer auf Wegwerfplastik, wie zum Beispiel Jogurt-Becher. Genaue Angaben, wie hoch die Steuer seiner Meinung nach ausfallen soll, gibt er nicht – aber geht es hier nicht vor allem um den Grundgedanken? Habeck erhofft sich durch die Versteuerung eine Änderung unseres Konsumverhaltens zu weniger Plastik. Ich finde sein Vorhaben so radikal wie richtig – schließlich ist Plastik vor allem beliebt, weil es so billig ist. Genau deshalb ist es ein Wegwerfprodukt.

Mehr Plastik als Fische bis 2050

26 Millionen Tonnen Plastikmüll produziert die EU jedes Jahr. Gerade mal ein knappes Drittel davon wird recycelt. Den Rest exportieren die EU-Länder zum Großteil ins Ausland und formen dort gigantische Müllfelder. Im schlimmsten Fall landet unser Müll im Meer. Untersuchungen zeigen, dass neun von zehn Meeresvögel bereits jetzt nachweisbar Plastik in ihren Mägen haben. Und die EU schätzt, dass bis 2050 mehr Plastikteile als Fische in den Ozeanen schwimmen wird. Doch es sind nicht nur die schier endlosen Weltmeere – das Plastikproblem fängt vor unserer Nase an: in den bayerischen Flüssen. Eine Untersuchung der Universität Bayreuth zeigt, dass die 25 größten Flüsse im Freistaat von Mikroplastik befallen sind, der ein oder andere geradezu damit verseucht ist. Doch daran denke ich viel zu selten, wenn ich einkaufen bin... Noch!

Die Plastikflut eindämmen ohne darauf zu verzichten

Wir Menschen haben uns mit Plastik eine Welt geformt, an die wir uns nicht mehr anpassen müssen. Wir haben sie passend gemacht. Plastik ist im wahrsten Sinne des Wortes ein weltveränderndes Material. Es ist eben einfach verdammt praktisch: leicht, flexibel, stabil. Wir wären ziemlich blöd, würden wir es nicht nutzen. Das bestreitet keiner, nicht ich und auch nicht Robert Habeck. Ihm geht es um eine sinnvolle Steuer auf Plastikartikel, die wir sofort wegwerfen, also vor allem die Verpackungen aus Plastik in meiner Einkaufstasche, die übrigens 95 Prozent des gesamten Plastikmülls in der EU ausmachen. Diese Plastikflut will Habeck eindämmen. Das ist übrigens kein reiner Grünen-Gedanke. Auch der EU-Handelskommissar Günther Öttinger von der CDU hatte bereits im Januar vorgeschlagen, Plastik zu besteuern – aus Umwelt- und finanziellen Gründen. Denn die Steuer sei letztlich auch wieder eine Einnahmequelle für den EU-Haushalt.

Umdenken. Jetzt!

Ja, wir haben einen Aufschlagspreis auf Plastiktüten und bei mir wirkt er. Ja, die EU will die Recylingindustrie pushen, zumindest steht es so in einem Possitionspapier. Und ja, es gibt mittlerweile sogar Trends wie Plogging – ein Mix aus Müllsammeln und Joggen. Es regt sich Widerstand im Plastiksumpf, also, liebe EU: Lasst uns richtig mutig werden! Helft mir (und den meisten anderen Menschen, die ich kenne) weniger Plastik zu vebrauchen. Eine Plastiksteuer würde die Welt auch noch in 450 Jahren prägen. So lange braucht eine PET-Flasche, um sich vollständig aufzulösen.

Sendung: Filter vom 23.04.2017 - ab 15 Uhr