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Aufruf zu mehr Dialekt an der Uni "Man muss wissen, wo man kulturell herkommt, um offen auf andere zuzugehen"

Fränkisch, Schwäbisch, Oberbayrisch: Die bayrischen Dialekte verschwinden immer mehr. Professoren der TU München wollen das verhindern und rufen dazu auf, selbstbewusst zum eigenen Dialekt zu stehen.

Von: Kevin Ebert

Stand: 21.02.2018

Bayerisch an Hochschulen | Bild: BR

Bayern, das ist Vielfalt – zumindest gilt das für die Sprachkultur. In keinem anderen Bundesland gibt es so viele verschiedene Dialekte. Doch was scheinbar untrennbar zum Bayer-sein gehört, bröckelt von Generation zu Generation immer mehr ab. Der Dialekt hat es schwer, egal ob in Franken, Schwaben, München, auf dem Land oder in der Stadt.

Professoren der Technischen Universität München wollen das verhindern. Sie haben einen Aufruf gestartet, der dazu ermutigen soll, in der Uni und auf der Arbeit selbstbewusst Dialekt zu sprechen. Wir haben mit Prof. Wolfgang Utschick, einem der Initiatoren, über die bayrische Dialektsprache und ihre Bedeutung für den kulturellen Austausch gesprochen.

PULS: Herr Professor Utschick, was ist denn eigentlich ihr bayrisches Lieblingswort?

Da gibt’s viele, aber am besten gefällt mir das Wort "fei" - des is fei schee. Das geht ja schon damit los, dass ich gar nicht wüsste, wie man es ins Hochdeutsche übersetzen könnte. Man bräuchte eine ganze Handvoll Wörter um die Bedeutung von "fei" darzustellen. Und mit der richtigen Betonung kann man damit so vieles sagen. Dieses kleine Wort drückt für mich die gesamte Sprachgewalt aus, die das Bairische hat.

Auch wegen solcher Besonderheiten treten Sie mit Ihren Kollegen dafür ein, in der Uni und auf der Arbeit wieder mehr Dialekt zu reden. Worum geht es Ihnen dabei?

Es geht vor allem darum, zum eigenen Dialekt zu stehen. Wir glauben – und das ist auch unser Prinzip an der TU – dass man international am erfolgreichsten sein kann, wenn man auch mit seinem Zuhause verwurzelt ist. In vielen Fällen ist das eben Bayern. Das klingt vielleicht etwas platt, aber Erfolg hat immer etwas mit Selbstverständnis zu tun. Und wer aus Bayern kommt und sich damit identifiziert, der sollte das nicht verstecken. Auch nicht den Dialekt.

Und dann geht es natürlich auch darum, eine gewisse Sprachkultur, eine Vielfältigkeit zu erhalten. Denn diese Sprachvielfalt haben wir in Bayern. Und die müssen wir pflegen.

Es sei wichtig, die eigene Kultur zu leben, um sich für andere zu öffnen. Das schreiben Sie und Ihre Kollegen auf der Facebookseite "Bund Bairische Sprache e.V". Was meinen Sie damit?

Wenn ich jetzt auf unsere Fakultät blicke, dann haben wir 30 bis 40 Prozent Studierende aus dem Ausland. Die bringen an die TU München nicht nur ihre Talente mit, sondern auch ihre Kultur. Und wir zeigen ihnen unsere. Ich glaube, dass es enorm wichtig ist, aufeinander zuzugehen und sich kulturell auszutauschen. Dazu gehört unserer Meinung nach auch ein selbstbewusster Umgang mit dem eigenen Dialekt: Es ist wichtig, zu wissen, wo man selbst kulturell herkommt und wo man steht, um offen auf andere zuzugehen. Was wir nämlich auf keinen Fall wollen ist die kulturelle Isolation – eine Art Bayerntümmelei. Das ist das Grauen.  

Auf manche Menschen wirkt ein Dialekt trotzdem eher provinziell oder unprofessionell. Denken Sie, Leute schämen sich für ihren Dialekt?

Ich denke das passiert durchaus. Gerade in der Wissenschaft ist es so, dass man mit dem bayrischen Wortschatz gar nicht alles ausdrücken kann, weil es nicht die Sprache der Wissenschaft ist. Und dann kann schon durchaus der falsche Eindruck entstehen, Bairisch sei kein intelektueller Dialekt und Leute beginnen, sich zu schämen. Ich kenne das auch selbst: dass man in Runden, in denen nur Kollegen sitzen, die allesamt Hochdeutsch sprechen, meint, sich zusammenreißen zu müssen. Ich denke aber, das ist der falsche Weg. Und genau darum geht es uns: wir wollen den Leuten mehr Selbstbewusstsein vermitteln. Wir hoffen, wir strahlen da so eine Art Vorbildfunktion aus, indem wir auch wir als Wissenschaftler zu unserem Dialekt stehen.

Und wie geht’s jetzt im Unialltag weiter? Gibt’s die Vorlesungen nur noch auf Bayrisch?

 Ja genau, ich bin gerade schon dabei, meine gesamten Vorlesungsunterlagen umzuschreiben. Nein Spaß, natürlich nicht! Wir wollen einfach zu unserer Sprachfärbung stehen. So eine Vorlesung soll ja enthusiastisch sein – zumindest hoffe ich, dass das bei meinen Studierenden so ankommt – und dazu gehört natürlich auch mein Dialekt. Zumal ein Unterricht auf richtigem, schwer nachvollziehbarem Ur-Bayrisch genau das Gegenteil von dem wäre, was wir wollen. Wir wollen einladen und nicht ausschließen.

Sendung: Filter vom 21.02.2018 - ab 15 Uhr