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Verpackungen der Zukunft Müll zum Mitessen

Essen, trinken, wegschmeißen: Wer konsumiert, verursacht umweltschädlichen Verpackungsmüll. Der besteht meist aus Erdöl und belastet die Umwelt. Erfinder brüten über neuen Ideen - und die kann man im besten Fall sogar verspeisen.

Von: Frank Seibert

Stand: 07.06.2014

Eine angebissene Flasche | Bild: BR

Essen, trinken, wegschmeißen: Sobald ein Burger über den Thresen wandert oder ein Coffee-to-go den Laden verlässt, entsteht Müll. So sammelt sich in Deutschland pro Kopf ein Müllberg von jährlich rund 460 Kilogramm an. Ein Großteil davon ist Plastik. Das ist bedenklich, denn Plastik enthält oft Schadstoffe und ist nur zu geringen Teilen wiederverwendbar. Zudem stellt die Industrie Kunststoffe aus Erdöl her – und das geht bekanntlich bald zur Neige. Seit Jahren forschen deshalb Wissenschaftler, Unternehmen und private Tüftler an umweltgerechteren Alternativen.

Trinkblase aus Algen

Zum Beispiel Pierre Paslier, Guillaume Couche und Rodrigo García González. Die drei Studenten für Industrie-Design in London suchen die Lösung für das Plastik-Problem in ihrer hauseigenen Molekularküche. Aus Braunalgen und Kalziumchlorid basteln sie "Ooho!", eine Art Membran, die wie ein Ball Wasser umschließt, es transportfähig macht und nach dem Trinken rückstandsfrei abbaubar und sogar essbar ist.

Das Prinzip funktioniert ähnlich wie beim Eigelb, das ebenfalls von einer Doppel-Membran aus Eiweiß und Eierschale umschlossen ist. "Ooho!" kann im Prinzip mit wenig Aufwand und geringen Kosten von Zuhause nachgebaut werden. Die Zutaten dafür gibt es in der Apotheke, beim Naturkostladen oder im Internet. Die "Blobbs", wie sie heißen, können statt aus Wasser auch aus Wein, Saft und anderen nichtkohlesäurehaltigen Getränken bestehen. Ein Problem hat das Ganze: die Membran ist sehr dünn und deshalb muss der Nutzer beim Transport sehr sorgsam sein.

Joghurtbecher aus Milchsäure

Biokunststoffe sind einer der meistgenutzten Alternativen in der Verpackungsentwicklung. Der Markt wächst rasant, auch wenn der Stoff in Deutschland noch selten zum Einsatz kommt. Biokunststoff, der in der Fachsprache PLA (Polylactid) heißt, wird aus Mais, Kartoffeln oder Zuckerrüben hergestellt. Man kann daraus Milchsäure gewinnen und zu einem plastik-ähnlichem Material verarbeiten, wie beim Joghurtbecher.

Biokunststoffe sind allerdings umstritten und nicht zwangsläufig umweltschonend. Forscher sind der Meinung, der Stoff wäre ähnlich schwierig zu recyceln wie Plastik. Sprich: Der Müll bleibt. Das sagt auch Horst-Christian Langowski, Leiter des Lehrstuhls für Lebensmittelverpackungstechnik an der TU München: "Das Plastikproblem lässt sich damit nicht eingrenzen". Man würde damit lediglich den endlichen Plastikrohstoff Erdöl umgehen.

Teller aus Blättern

Ein Start-Up, dass sich den Kampf gegen Plastik zur Aufgabe gemacht hat, kommt aus München. Die Idee von Leaf Republic ist es, spezielle Laubblätter aus Asien und Südamerika mit biologischen Kunststoffen zu mischen und daraus Einweggeschirr oder Lebensmittelverpackungen zu bauen. Der Clou: Das Material hält angeblich sogar Flüssigkeiten stand, die Bioverpackungen oft zersetzen. Die Produktion startet gerade, und die Nachfrage ist groß, sagen die Macher. Über mangelnde Nachfrage können die Gründer sich nicht beschweren. Die Auftragsbücher seien voll, konkrete Kundennamen wollen die Macher aus Kundenschutzgründen im Moment allerdings nicht nennen.

Die Lösung: Auflösung

Die Beutel des US-Herstellers Monosol lösen sich vollständig auf, sobald sie mit Flüssigkeit in Berührung kommen. In diesem Video kann man sehen, wie sich ein Kaffeebeutel beim Übergießen mit heißem Wasser komplett auflöst. Die Folie um den Inhalt verschwindet und wird einfach mitgegessen. Wie das dann schmeckt und wie gesund die wasserlöslichen Beutel sind, ist bislang unklar - auch wenn der Hersteller freilich nur das beste behauptet. Den Gang zum Mülleimer könnte man sich mit wasserlöslichen Beuteln jedenfalls sparen.


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