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Selbstversuch Skaten lernen an einem Nachmittag – geht das?

Radfahren? Das kann jeder. Unsere Autorin wollte diesen Sommer endlich zu den coolen Kids gehören und hat sich deshalb spontan zum Skatekurs angemeldet. Und das hat gar nicht weh getan – fast.

Von: Ann-Kathrin Wetter

Stand: 07.04.2017

Skatelehrer Tom und Puls Reporterin Ann-Kathrin | Bild: BR

Ich trage die älteste Jeans, die ich im Schrank gefunden habe und frage mich, ob bei mir eigentlich noch alles ganz knusper ist. Ich bin 26 Jahre alt, eher mäßig begabt auf dem Surfbrett und Snowboardfahren habe ich gleich ganz bleiben lassen. Weil es so weh tut, wenn man fällt. Kurzum: Bretter und ich, wir können nicht so gut miteinander. Blöd nur, dass das in meinem Kopf zusammengehört: Bretter und Coolness. Wenn ich zu den coolen Kids gehören will, dann muss ich so lässig wie sie den Powder runtergleiten – oder zumindest die Straße entlang.

Vor zwei Wochen hat mir jemand erzählt: In Bad Tölz, da gebe es so einen Typen, Tom Cat. Bei dem könne man Skatekurse machen, auch als Erwachsener. Der könne aus jedem was machen.

Mein Skatelehrer – wie ich mir einen Skater halt vorstelle

Also habe ich ihn angerufen. Das ist eine Woche her. Jetzt fahre ich durch Bad Tölz in Toms kleinem roten Auto. Zumindest Tom ist der Inbegriff von klischeebeladener Skater-Coolness: Schulterlange Locken, Bart und Klamotten komplett in Khaki, seiner Lieblingsfarbe. Khaki-Shirt, Khaki-Hose, Khaki-Skaterschuhe. Tom ist 22, skatet seit er 7 ist. Sein Geld verdient er damit, anderen das Skaten beizubringen und meistens sind diese anderen halb so alt wie ich. Aber Tom findet nicht, dass das ein Problem ist.

"Wollen wir gleich zum Skatepark oder erst auf einem Parkplatz üben?“, will er von mir wissen. Soll das ein Witz sein? "Parkplatz." Also stellen wir dort das Auto ab und laden zwei Skateboards aus, eins für mich und eins für Tom. Wir packen uns in Protektoren ein – für Knie und Ellbogen und setzen beide Helme auf. "Safety first", sagt Tom und setzt seinen Helm auf den Kopf. Unerträglich lässig. Der Helm ist übrigens auch khaki.

Mit dem Skateboard unterm Arm suchen wir eine Stelle auf dem Parkplatz mit kleinen Schottersteinchen. "Auf Steinchen fällt man leichter", sagt Tom und ich intensiviere schlagartig mein Engagement beim Suchen. "Hier ist es gut", sagt er und lässt sein Skateboard aus der Hand auf den Boden gleiten.

Wir starten mit Lektion 1: Wie stelle ich mich aufs Brett und komme heil wieder runter? Tom macht vor, ich mache nach. Tom schiebt mich an, hält meine Hände, ich fahre. Es dauert nur zehn Minuten und ich kann mich selbst anschieben, ein Stück geradeaus fahren und bremsen. Ganz ohne Hilfe. Das kommt mir schon recht krass vor und ich frage Tom, ob das normal ist. Tom sagt: "Jo, hör auf so anzugeben." Wir besprechen unser Tagesziel: "Wenn du Kurven fahren kannst, hast du es geschafft."

Raus aus dem Kinderbecken, rüber in den Park

Und dann: Stunde der Wahrheit. Wir brechen auf zum Skatepark. Es ist zum ersten Mal richtig warm an diesem Abend. Knapp 20 Grad und Sonnenschein. Der Skatepark ist voll mit Teenies, coolen Kids, die mit ihrem Board Tricks machen, bei denen normale Kids sich wirklich wehtun würden. Also, ich würde mir wehtun.

Tom hat irgendwo ein Paar Schuhe organisiert, Größe 34 oder noch kleiner. Die stellt er auf den Boden und ich soll drumherum fahren, ohne sie zu streifen. Rechtskurven und Linkskurven.

Ich schiebe mich an, setze den rechten Fuß vorne auf’s Brett, schiebe mich mit dem linken an, stelle ihn hinten aufs Brett. Gewicht nach vorne auf die Zehen – erster Schuh passiert. Ich komme mir vor, wie ein Körperklaus auf diesem kleinen Brett unter meinen Füßen. Verlagere das Gewicht nach hinten auf die Fersen und ziehe am zweiten Schuh vorbei.  Sicher geht es auch anders aber ich habe es geschafft! Beim ersten Versuch. "Mega gut", brüllt Tom und gibt mir High Five.

Und dann will ich das ganze natürlich noch auf Video festhalten. Aber auf dem Parkplatz, nicht mit den Teenies im Hintergrund. Vergessen, dass das mein erster Tag auf dem Brett ist. Egal, dass ich super spießige Knieschoner und einen hellblauen Helm anhabe. Ich schiebe an, fahre los, viel schneller als die vorherigen Male. Jetzt läuft’s. Jetzt bin ich ein cooles Kid, denke ich noch. So fühlt sich Freiheit an, denke ich noch. Und dann wird auf einmal mein Hintern zu schwer an der Stelle, wo er gerade ist. Ich verliere das Gleichgewicht und falle. Auf den Po und auf die Handgelenke. So richtig cool war das noch nicht – aber außer Tom hat es zum Glück keiner gesehen.

Sendung: Filter, 07.04.2017 ab 15.00 Uhr


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