Kommentar gegen die Leihräder-Flut Eine schwarz-gelbe Plage auf zwei Reifen

Sie blockieren Gehwege oder landen zerstört im Gebüsch: München wird gerade von einer Leihräder-Flut biblischen Ausmaßes heimgesucht. Unsere Autorin ist davon hart genervt.

Von: Miriam Harner

Stand: 08.09.2017

Obikes | Bild: picture alliance/KEYSTONE

Sie rotten sich in Massen im Englischen Garten, vor dem Hauptbahnhof und in engen Seitengassen zusammen, leuchten giftig-gelb und ihre Zahl verdoppelt sich gefühlt jeden Tag über Nacht. Nein, ich meine nicht Wespen oder FDP-Politiker im Wahlkampfmodus, sondern Fahrräder! Genauer gesagt die Leihräder-Flut der Firma Obike aus Singapur.

Versteht mich nicht falsch, an sich find ich Bikesharing ja eine feine Sache. Ich bin auch für mehr Radl und weniger Autos auf den Straßen. Das Problem an den tausenden Billo-Bikes aus Fernost ist aber, dass sie in der selbsternannten "Radlhauptstadt" München quasi keine Sau benutzt. Es sind einfach zu viele!

Es geht nicht um Umweltschutz

Sie stehen noch Tage später dumm an der gleichen Stelle, ihre Körbchen werden als Mülleimer benutzt. Im schlimmsten Fall blockieren die Leihräder auch noch den öffentlichen Fahrradständer, an dem ich mein Radl gern geparkt hätte.

Ganz ehrlich, keiner kann mir erzählen, dass Radl-Anbieter wie Obike München deshalb mit der Plage auf zwei Reifen fluten, weil sie so große Umweltfreunde sind. Ich vermute ja, dass sie es auf etwas anderes abgesehen haben: mal wieder auf unsere Daten. Man muss sich nämlich erstmal bei einer App anmelden, bevor man mit den Leihrädern durch München cruisen kann. Dafür muss man unter anderem seine Handynummer und Kreditkartennummer angeben - und 79 Euro Kaution blechen.

Die Stadt kann nichts gegen die Leihrad-Flut machen

Eine Stunde Radeln kostet zwei Euro – und dann lässt man das Bike einfach wieder irgendwo stehen. Wurscht ob jetzt brezelbreit auf dem Gehweg oder mitten auf dem Marienplatz. Viele von ihnen landen auch verbeult und kaputt im Gebüsch und in Flüssen, weil die Fahrräder das neue Lieblingsziel von Vandalen sind. Auch Städte wie Zürich, Rotterdam und London kämpfen mit dem Billigräderproblem und sind hart genervt.

Leider stolpert man in München und anderswo vermutlich noch eine ganze Weile über die Fahrräder. Die Städte können Radlverleihern nämlich nicht verbieten, die Dinger aufzustellen. München will jetzt aber zumindest mal mit Obike reden. Nun ja. Das nächste gelb-schwarze Radl das mir meinen Parkplatz versperrt, räum ich gnadenlos aus dem Weg.

Sendung: Filter, 8. September 2017 - ab 15 Uhr