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Nachhaltige Mode Jeans leasen statt Billigbaumwolle kaufen

Wir haben die Schnauze voll von Billigmode und üblen Produktionsbedingungen. Denn es gibt schon längst Alternativen. Diese drei Modekonzepte setzen auf Nachhaltigkeit.

Von: Juliane Neubauer

Stand: 21.02.2014

DIE LEASING-JEANS

Auf diese Idee ist das Modelabel Mud Jeans aus den Niederlanden gekommen. Das bedeutet: Die Jeans werden nicht gekauft, sondern nur geleast. Sobald sie nicht mehr passen oder gefallen, schickt man sie an den Hersteller zurück. Der recycelt die Baumwolle und macht daraus: eine neue Jeans. Gegründet wurde Mud Jeans im Jahr 2008. Die Stoffe stellt das Label umweltfreundlich in der Türkei her. Genäht wird in Italien.

1.500 Leute sind so bereits zu Jeans-Leasern geworden. Das Konzept ist so erfolgreich, dass Mud Jeans inzwischen sogar Blazer und Sweatshirts zum Leasen anbietet. Das Klamotten-Recycling spart vor allem Wasser: Rund 8.000 Liter beansprucht die Produktion einer normalen Jeans – oft an Orten, in denen Wasser ohnehin knapp ist. Mit den 1.500 Jeans, die derzeit geleast sind, wurden also bereits über vier Millionen Liter Wasser gespart.

DIE TRANSPARENZ-INITIATIVE

Bisher haben sich Modelabels selten in die Bücher schauen lassen. Das Label Honest by aus Belgien legt jetzt seine Zahlen offen: Wer sich beispielsweise für die lässige graue Hose aus Baumwoll-Jersey interessiert, kann auf der Website des Unternehmens erfahren, woher die Materialien stammen oder wie der Preis zustande kommt. Für die genannte Jersey-Hose wurden zum Beispiel 22,11 Euro Materialkosten und 32,90 Euro für die Herstellung in der Textilfabrik bezahlt.

Hinter Honest by steht der belgische Modedesigner Bruno Pieters. Während einer zweijährigen Reise durch Indien hatte er beobachtet, wie sehr Menschen und Umwelt unter unserem Wunsch nach billiger Kleidung leiden. Er wollte es besser machen und gründete 2012 sein Label.

Auch die Remei AG aus der Schweiz setzt auf Transparenz – bereits seit 20 Jahren. Wer hier ein Sweatshirt kauft, bekommt einen Code mitgeliefert. Über diesen kann man im Internet herausfinden, wer die Biobaumwolle wo angebaut hat, wer am Spinnereiprozess beteiligt war und wer das Shirt genäht hat. Ein Steckbrief verrät dann noch persönliche Details der Arbeiter. Frau Mallika etwa mag Zitroneneis und Kartoffelcurry und träumt davon, ein eigenes Haus zu besitzen.

DAS PERFEKTE LEDERIMITAT

Leder herzustellen, ist ein schmutziges Geschäft. 90 Prozent der weltweiten Lederprodukte werden mit sogenannten Chromsalzen gegerbt. Chrom VI gilt als besonders umwelt- und gesundheitsgefährdend, wird aber bei knapp der Hälfte aller Lederprodukte verwendet. Die Folge können allergische Reaktionen und Krebserkrankungen sein.

Mittlerweile entdecken immer mehr Lederhersteller pflanzliche Gerbstoffe wie mediterrane Eichenarten oder auch Rhabarber. Nur leider ist Pflanzengerbung ein wasser- und energieintensiver Prozess - so richtig umweltschonend ist das also auch nicht.

Da hilft eigentlich nur: ganz auf Leder verzichten. Das geht zum Beispiel mit dem veganen Label Good Guys, das Schuhe ohne jedes tierische Material herstellt. 60 Euro kostet der Ankleboot aus tannengrünem "Wildleder". Tatsächlich sind die Schuhe des kleinen Unternehmens aber aus Leinen, Gummi oder Chinagras. Und die Lederersatzstoffe können sich sehen lassen.  


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