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Die Frage Muss ich Angst vor der Polizei haben?

Teresa Z. wollte Hilfe von der Polizei. Am Ende hat sie ein gebrochenes Nasenbein. Ein krasser Fall - aber fast jeder kennt eine Story, in der Polizisten über die Stränge schlagen. Die Frage: Muss ich Angst vor der Polizei haben?

Von: Michael Bartlewski

Stand: 21.08.2014

Polizei Kelle | Bild: BR

Teresas Gesicht ist geschwollen, das linke Auge blau, sie trägt Halskrause. Das Bild, das Teresa Z. von sich selbst im Krankenhaus schoss, zeigt eine verprügelte Frau. Der Täter: ein Polizist. Andere Fälle, in denen es zu Gewaltszenen zwischen Polizei und Bürgern kommt, gibt es genug. Vor allem in Bayern.

Polizeigewalt in Bayern

Von Pfefferspray bis zur Schusswaffe. Für Schlagzeilen sorgten in Bayern besonders drei Fälle: Schüsse auf den Musikstudent Tennessee Eisenberg in Regensburg, Prügel gegen die Familie Eder und Schläge ins Gesicht von Teresa Z. Die Polizei sagte jedes Mal, sie handelte aus Notwehr. Zwei der drei Verfahren gegen die Polizisten wurden eingestellt.

Aber auch die Gegenseite schlägt Alarm: Viele Polizisten sehen sich immer häufiger als Opfer von Gewalt. Und beschweren sich, dass es immer schwieriger wird ihren Job auszuüben. Im Dienst werden Bierflaschen auf sie geworfen, sie werden angegriffen oder beleidigt.

Davon war am Chiemsee Reggae Festival 2013 nichts zu spüren. Sowohl in Uniform als auch in Zivil war die Polizei dort am Start. Zivilfahnder mit Rasta-Locken und Reggae-Klamotten gehen auf die Suche nach Kiffern. PULS hat einen Jugendbeamten der Polizei begleitet. Wer minderjährig ist, und zuviel getrunken hat, für den kann das Festival schnell vorbei sein. "Prävention" heißt das im Polizei-Jargon, für die Festival-Besucher ist es oft nur "Kontrolle".

Birgit Ligotzky ist seit 21 Jahren Polizistin – und engagiert sich bei der Jungen Gewerkschaft der Polizei. „Die machen unseren Beruf kaputt“, sagt sie über Schläger in den Polizeireihen. Aber für die 37-Jährige sind das einzelne schwarze Schafe, die sich dann auch vor Gericht verantworten müssen. Birgit Ligotzky sieht noch ein weiteres Problem: Die Polizisten selbst werden immer häufiger Opfer von Gewalt.

Zuverlässige Statistiken gibt es dazu nicht – und noch eine Zahl wirft Fragen auf. Fast 95 Prozent der Ermittlungsverfahren gegen Polizisten werden wieder eingestellt. Für die Gewerkschaften ist das der Beweis, dass die meisten Polizisten sauber arbeiten. Für Kritiker ist es ein Beleg dafür, dass Polizisten sich decken, wenn sie Fehler gemacht haben – ausgelöst durch den so genannten Corpsgeist. Davon erzählt auch Stefan Schubert - ein ehemaliger Polizist, der wegen seines Doppellebens als Hooligan schließlich rausgeworfen wurde.

Unser Verhältnis zur Polizei wird gerade einer harten Probe unterworfen. Beide Seiten beklagen sich über den jeweils anderen. Polizisten fordern mehr "Respekt" für ihre Arbeit. Viele Bürger fühlen sich von einem arroganten Auftreten beispielsweise bei Verkehrs- oder Personenkontrollen schikaniert und fordern ihrerseits mehr "Respekt".

Genau zu diesem Spannungsfeld forscht Rafael Behr seit vielen Jahren. Er war 15 Jahre lang selbst Polizist, und erklärt im Interview, wie er selbst gespürt hat, dass die Macht, die man in der Uniform hat, auch etwas "lustvolles" hat. Er empfiehlt zum Beispiel, dass Polizisten in der Ausbildung auch einmal ein Sozialpraktikum machen sollen - einfach um ein Stück Lebensrealität abzubekommen, die ihnen im Dienst später helfen kann.

Der Spruch "Dein Freund und Helfer" wirkt heutzutage nämlich oft wie eine Binsenweisheit, an die viele nicht mehr glauben. Aber deswegen gleich Angst vor der Polizei haben? In jedem Fall sollte man seine Rechte kennen. Darf die Polizei unsere WG-Party auflösen? Ist es ok, dass ich auf einer Demo gefilmt werde? Und auf welche Fragen muss ich bei einer Kontrolle antworten? Deine Rechte im Überblick. Wir haben die wichtigsten Fragen in einer großen Graphik zusammengefasst.


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