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Mondfinsternis 2018 Geh leck mich doch am Mond!

Gibt’s eigentlich noch normalen Mond? Nur so weiß bis hellgelb, normale Höhe, relativ unverdeckt, vielleicht maximal zu- oder abnehmend? Unsere Autorin ist genervt von den ständigen Once-in-a-lifetime-Monden.

Von: Schlien Schürmann

Stand: 26.07.2018 | Archiv

Die Bildzusammenstellung zeigt von links oben nach rechts unten die verschiedenen Phasen einer totalen Mondfinsternis. Aufgenommen bei der Mondfinsternis am 28.09.201 in München. | Bild: dpa-Bildfunk/Sven Hoppe

"Deutschland erwartet die längste Mondfinsternis dieses Jahrhunderts"

"Blue Moon! Verpassen Sie nicht dieses seltene Naturschauspiel!"

"Erdbeermond: So kannst du das Spektakel am Himmel sehen"

"So erleben Sie die Jahrhundert-Mondfinsternis in München"

"Spektakuläre Bilder vom seltenen Blutmond über Deutschland"

Woah Mond ey. Dauernd ist er in den Schlagzeilen. Dauernd ist irgendwas mit ihm! In einer Tour soll ich bis spätnachts noch aufbleiben und in den Himmel starren, um auch ja nicht, DAS EREIGNIS DES JAHRHUNDERTS zu verpassen, diese SPEKTAKULÄRE GELEGENHEIT, die natürlich nur EIN MAL IN 200 JAHREN kommt.

Himmelsphänomene im Wandel der Zeit

Ich war schon mal begeisterter was diese Himmelsphänomene angeht, muss ich zugeben. Damals, am 11. August 1999, als es über Süddeutschland eine totale Sonnenfinsternis gab. In den Schulen wurden extra Brillen gebastelt, mit denen man ohne zu erblinden in die verschwindende Sonne gucken konnte. Wir waren sehr aufgeregt, meine ganze Familie fuhr auf einen Berg nahe Weiden, wo wir wohnten, um einen noch besseren, unverstellten Blick drauf zu haben. Aber nicht nur wir waren voll dabei! Auf den Autobahnen bildeten sich hunderte Kilometer Staus, weil die Fahrer stehenblieben um in den Himmel zu gucken. Jeweils 100 Leute in drei Concord-Flugzeugen konnten sich das Spektakel 15 Minuten länger ansehen, weil sie dem Verlauf des Kernschattens direkt folgten. OH - WHAT - A - DAY!

Mond - der neue Valentinstag

Mittlerweile: Keinen Bock mehr. Es kommt mir fast so vor, als hätten manche News Seiten im Netz eine Art regelmäßige Rubrik eingerichtet. Ein Mal im Monat klingelt bei denen der Reminder: "Irgendwas mit Mond melden". Fehlt nur noch, dass "Irgendwas mit Mond" zum neuen Valentinstag wird! Blutmond-Shirts werden an jeder Ecke verkauft, ebenso wie Mondscheinblumen. Blutorangen werden dann traditionell am "Irgendwas mit Mond"-Tag an die Liebsten verschenkt. Im Fernsehen läuft "Apollo 13" mit Tom Hanks und im Radio läuft Sinatras "Fly me to the moon". Niemand wird schlafen können. Macht aber nichts. Man trifft sich zur gemeinsamen Schlafwandelung.

Keiner interessiert sich für AstroAlex :(

Wenn wir jetzt aber schon beim verschwörungstheoretisieren sind... Vielleicht kommt diese Mondoffensive ja auch von den Raumfahrtbehörden selbst? Ich mein, ich könnte das verstehen. Das Interesse am Weltall war vermutlich selten so gering, wie in den letzten Jahrzehnten. Gut, die Vorstellung den Mars zu besiedeln und mit Elon Musk privat mal kurz einen Mondtrip zu unternehmen, waren zuletzt sicher nicht die uninteressantesten Meldungen und sicher schöne Zukunftsvisionen. Aber kaum eine Familie sitzt heutzutage gebannt vor den Fernsehempfangsgeräten, wenn Alex Gerst Grüße von der ISS absetzt.

Das ist natürlich frustrierend. Da kann man schon mal bisschen Gas geben. Und dann überlegt man als Luft- und Raumfahrtforscher vermutlich nachts, mit dem verzweifelten Blick zum Himmel: Was können wir tun? Und da steht er dann: Der Jahrhundert Mond am Firmament.

Sendung: Freundeskreis vom 26.07.2018 - ab 10.00 Uhr