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Mietpreisbremse Möblierte Wohnungen sind nicht das Hauptproblem

Die Mietpreisbremse funktioniert nicht, wie sie sollte. Vermieter umgehen sie, indem sie vermehrt möblierte Wohnungen inserieren - denn die können teurer angeboten werden. Allerdings ist das nur ein Teil des Problems.

Von: Paul Schedelbeck

Stand: 05.09.2016

Mietpreisbremse bringt nichts | Bild: BR

Bald ist Studienanfang, viele junge Leute ziehen deshalb gerade um. Dabei hoffen sie auf gemäßigte Preise auf dem Wohnungsmarkt - schließlich gilt seit über einem Jahr die Mietpreisbremse. Aber denkste. Das Gesetz funktioniert nicht so, wie es soll. Das haben Zahlen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung schon im Mai belegt. Demnach sind die Mieten sogar kurzfristig gestiegen.

Einen Grund dafür hat jetzt die Süddeutschen Zeitung geliefert: Vermieter umschiffen die Mietpreisbremse mit möblierten Wohnungen, die sie teurer vermieten können.

Die Beraterfirma Empirica hat für die SZ untersucht, wie viele möblierte Wohnungen zur Miete angeboten werden. Das Ergebnis: Es sind mehr geworden. In München werden zum Beispiel zu rund 60 Prozent möblierte Apartments inseriert - vor vier Jahren waren es noch 34 Prozent. Auch in anderen Großstädten wie Berlin, Hamburg oder Köln sind deutlich mehr möblierte Wohnungen auf dem Markt.

Möblierte Wohnungen sind nicht das Hauptproblem

Klingt erstmal krass - aber für den Geschäftsführer des Münchner Mietervereins, Volker Rastätter, sind möblierte Wohnungen nur eines von vielen Problemen. Er vergleicht die Mietpreisbremse mit einer Diele mit besonders vielen Türen - und meint damit Schlupflöcher für Vermieter. Zu dem Problem mit möblierten Wohnungen sagt er: "Dann ist es halt eine [Tür] mehr."

Ein großes Problem ist laut Rastätter, dass man als Mieter schon vor dem Einzug prüfen muss, ob die Miete zu hoch ist oder nicht. Stellt man das zum Beispiel drei Monate nach Einzug fest, ist es zu spät. Man kann keine Miete zurückfordern - und für den Vermieter besteht keinerlei Risiko.

Mieter werden abgeschreckt

Laut Rastätter werden viele Mieter außerdem durch zu viele Ausnahmen im Gesetz abgeschreckt. Die Mietpreisbremse greift zum Beispiel nicht bei Neubauten oder wenn die Wohnung vorher "umfassend" renoviert wurde. Aber was genau heißt zum Beispiel umfassend? Mit solchen Fragen muss man sich als Mieter herumschlagen und hat womöglich noch vor dem Einzug Streit mit dem Vermieter - wer will das schon?

"Wir haben fast 70.000 Mitglieder - und wir haben nicht mal eine Handvoll Fälle, wo die Mieter versuchen, ihre Miete über die Mietpreisbremse zurückzubekommen."

Volker Rastätter, Geschäftsführer des Münchener Mietervereins

Der Vermieter muss übrigens auch nicht automatisch sagen, wie viel die Wohnung vorher gekostet hat. Deshalb fordern die Mietervereine in ganz Deutschland: Das Gesetz muss verschärft werden - sonst gibt’s die Mietpreisbremse weiter nur auf dem Papier.


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