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Interview mit Mimi Sewalski "Große Konzerne erfinden oft eigene faire Siegel"

Fast Fashion ist wie Fast Food – wenn man nichts anderes kennt, ist es gut und man will immer mehr. Fair-Fashion-Expertin Mimi Sewalski aber kennt die echten Alternativen. Zum Beispiel könnte die Bio-Ananas bald nicht nur gut schmecken, sondern sich auch gut tragen.

Von: Teresa Fries

Stand: 15.04.2016

Mimi Sewalski | Bild: Mimi Sewalski

Ein Studium der Soziologie und Kriminologie, strategische Planung in der Werbebranche und eine Restaurant-Eröffnung: Mimi Sewalski hat schon viel ausprobiert, aber mittlerweile scheint sie ihre Bestimmung gefunden zu haben: faire Öko-Mode. Seit 2013 ist sie Geschäftsführerin im Eco-Shop "Avocado Store", sie ist Jurymitglied für den "Green Produkt Award" und Expertin für Textil und Handel beim "Ethical Style Guide". Die Frau weiß also, wovon sie spricht.

PULS: Um was geht es für dich bei dem Begriff "Fast Fashion"?

Mimi Sewalski: Ich habe einmal ein Interview gesehen mit einem Primark-Kunden, der sagte: Ich gehe heute in die Disco. Dafür kaufe ich mir ein T-Shirt und wenn das dann durchgeschwitzt ist, dann schmeiße ich es weg und kaufe mir nächste Woche ein neues. Das ist Fast Fashion.
Natürlich geht es zum einen darum, dass Kleidung immer schneller und immer billiger produziert wird. Mit allen negativen Folgen, die das mit sich bringt. Der Begriff soll aber auch darauf aufmerksam machen, dass wir einfach so unüberlegt konsumieren. Viele fragen sich gar nicht, was sie da kaufen, ob sie das wirklich brauchen und was hinter den Klamotten steckt. 

Warum stehen wir so auf die schnelle Mode?

Das ist wie beim Fast Food. Wenn man sich nur davon ernährt, dann schmeckt das auch und man will immer mehr und es nimmt kein Ende, weil es auch so schön günstig ist. Aber wenn man ab und zu bewusster konsumiert und auch mal selbst kocht, dann merkt man, dass es besser schmeckt, dass man sich besser fühlt und man vielleicht auch länger satt ist. Ein wichtiger Punkt ist die Qualität: Wenn Kleidung aus hochwertigem Material gut produziert wurde – und das geht meist eben nicht in super schnell und super billig – dann hält sie oft auch länger.

Weil du gerade vom Essen sprichst, da kaufen ja mittlerweile sehr viele bio und Fair Trade. Warum funktioniert das da schon sehr gut und in der Mode noch nicht so?

Da ist es einfach offensichtlicher. Es gab eine Zeit, da gab es viele Diät-Siegel: Diätjoghurt, Diätkäse, Diätwurst – und plötzlich haben alle überlegt, ob sie Diät machen müssen. In den letzten Jahren gab es eben viele Bio-Siegel. Das ist im Supermarkt sehr präsent. In Modegeschäften aber gibt es in den seltensten Fällen eine faire Abteilung oder auffällige Siegel, die die Verbraucher auf die Art der Produktion aufmerksam machen.

Aber wenn ich etwas mit einem Siegel entdecke, dann kann ich das mit gutem Gewissen kaufen?

Leider auch nicht ganz. Es gibt verschiedene Siegel. Bei manchen geht es um die Chemie, die für die Produktion genutzt wurde, bei anderen um eine faire und soziale Herstellung. Und die Kriterien für die Siegel sind unterschiedlich streng. Große Konzerne erfinden oft auch ihre eigenen Öko- oder Fair-Siegel, um ihr Image aufzubessern. Was das Ganze natürlich noch komplizierter macht. Bei zwei Siegeln kann man sich aber relativ sicher sein: beim GOTS- und dem IVN-Siegel. Die gehen auf den ganzen Produktionsprozess ein.

Gibt es einen Unterschied zwischen Eco und Fair Fashion?

Nicht wirklich: Social Fashion, Ethical Fashion, Faire Mode, Öko-Mode, da ist nichts klar definiert. Brands, Hersteller und Designer suchen sich im schlechtesten Fall das aus, was sie gerade cool finden, im besten Fall das, was am meisten zutrifft. Allerdings ist die Eco Fashion Branche wirklich dabei, etwas zu verändern und viele Marken haben verstanden, dass sie auch erklären müssen, was hinter ihrer Marke steht und was "fair" oder "öko" für sie bedeuten.

Vielen ist das mit der fairen Mode zu kompliziert und so wie sich das anhört, nicht gerade zu Unrecht. Warum liegt die Verantwortung da bei uns? Kann sich nicht die Politik darum kümmern, dass nur das verkauft werden darf, was unter vertretbaren Bedingungen hergestellt wurde?

Ich fände es auch super, wenn es eine gesetzliche Regelung gäbe. Aber das ist schwer umzusetzen. Natürlich sieht die Industrie, wie die Gewinne kleiner werden und Textilimport und -export bringt dem Staat viel Geld. Bis das Problem gesetzlich gelöst wird, müssen wir, glaube ich, noch länger warten. Die Marken machen mittlerweile recht bereitwillig mit bei Kampagnen und Bündnissen wie dem Textilabkommen, das die Situation in Bangladesch verbessern soll. Aber natürlich tun sie das auch, um Einfluss auf mögliche rechtliche Auflagen zu nehmen und diese abschwächen zu können. Die Industrie fordert nicht mehr faire Mode, das muss der Markt machen, also wir als Konsumenten.

Die häufigsten Ausreden sind, dass faire Mode zu teuer oder nicht schick genug ist.

Das Preis-Argument lasse ich nicht gelten. Wenn die Leute bei Abercrombie & Fitch oder anderen teuren Marken kaufen, oder einfach mal ein Teil statt drei kaufen würden, dann können sie sich auch faire Mode leisten. Und man muss auch kein Style-Opfer mehr bringen. Als ich angefangen habe, mich dafür zu interessieren stimmte das schon. Da gab es das beige kratzige Hanfshirt und vielleicht die Jesuslatschen. Aber gerade in den letzten Jahren hat sich da so viel getan: Es gibt sportliche, konservative, lässige oder elegante Öko-Mode. Sogar Business-Mode mittlerweile.   

Du bist ständig auf der Suche nach neuen Produkten und schaust dir auf Veranstaltungen wie dem Green Showroom auf der Fashion Week an, was die fairen Designer sich Neues einfallen lassen. Wie sieht die Zukunft der fairen Mode aus?

Gerade wird sehr viel nach Fasern gesucht. Zum Beispiel – und das ist kein Witz – aus Ananas oder Brennnessel. Man arbeitet an Stoffen, die total hautschmeichelnd sind und angenehm zu tragen, die aber gleichzeitig einfach, nachhaltig und ohne Chemie hergestellt werden können. Da ist gerade sehr viel Bewegung drin und viele neue Möglichkeiten werden auf den Markt kommen.


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