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Menstruation Was sich ändern muss, damit die Periode kein Tabu bleibt

Etwa die Hälfte der Weltbevölkerung bekommt ihre Periode. Trotzdem wird sie oft als etwas Ekliges abgetan. Frauen haben das Gefühl, dass die Regelblutung etwas ist, wofür sie sich schämen müssten – aber das muss sich ändern.

Von: Linda Becker

Stand: 22.10.2019 | Archiv

Period Shaming | Bild: BR

In Indien gehen Mädchen während ihrer Periode nicht zur Schule. In vielen muslimischen Ländern dürfen sich Frauen während ihrer Periode nicht in der Moschee aufhalten. Und in Nepal werden Frauen während der Menstruation weitgehend vom Alltag ausgeschlossen – sie dürfen kein Vieh anfassen und müssen in sogenannten Menstruationshütten ausharren.

In Deutschland darf man während seiner Periode mittlerweile hingehen, wo man will. Aber das war nicht immer so. Bis ins 20. Jahrhundert glaubte man, der Blick einer menstruierenden Frau könnte Wein sauer machen oder frische Milch gerinnen lassen.

Seitdem sind Jahrzehnte vergangen und trotzdem ist die Periode etwas, über das ungern gesprochen wird. Aber was können wir alle tun, um die Periode zu enttabuisieren?

Besiegt eure Scham!

Die Tampons oder Binden gehen zur Neige - anstatt sie beim Einkaufen sichtbar aufs Kassenband zu legen, versteckt ihr sie lieber unter einem Berg anderer Einkäufe.

Ihr habt überraschend eure Tage bekommen – anstatt aber eine Mitschülerin oder Kollegin in normaler Zimmerlaustärke offen nach einem Tampon zu fragen, flüstert ihr als würdet ihr mit Drogen dealen.

Ihr übernachtet bei eurem Partner und habt eure Tage – anstatt die Hygieneprodukte einfach in den Müll zu schmeißen, wickelt ihr sie in eine halbe Rolle Klopapier und versteckt sie dann ganz unten im Müll.

Woher kommt diese Scham? Zuverlässig hat die Kassiererin im Drogeriemarkt auch ihre Tage, genauso wie die Arbeitskollegin und überhaupt jede Menge anderer Frauen.

Bei manchen geht die Menstruation früher los, bei einigen ein bisschen später. Im Durchschnitt haben die meisten Mädchen ihre Periode aber mit etwa 13 Jahren zum ersten Mal. Klar, dass man da nicht direkt super selbstbewusst mit der neuen Situation umgeht. Die Scham gegenüber der Periode verschwindet aber auch später nicht ganz. Die Ursache von Periodenscham wird oft schon in der Schule herangezüchtet. Der Unterricht zum Thema Menstruation bleibt oft sehr technisch – wie funktioniert der Zyklus? Wie wendet man ein Tampon an? Fertig. Dass man oft Schmerzen hat, schlecht gelaunt ist und dass die Periode auch Männer angeht – denn sie sind Freunde, Partner oder Arbeitgeber – wird nicht besprochen.

Was können wir ändern?

Besiegt eure Scham, seid Vorbilder für junge Mädchen. Zeigt ihnen, dass die Periode nichts ist, wofür man sich schämen muss. Legt eure Damenhygieneprodukte offen auf´s Band, fragt offen nach einem Tampon. Sprecht mit eurem Partner über die Periode, denn sie ist nicht eklig, sondern etwas Natürliches.

Sprecht über eure Regelschmerzen!

Die Mehrheit der Frauen leidet in den ersten Tagen der Periode an mehr oder weniger starken Unterleibsschmerzen. Einige Frauen haben auch starke Kopf- und Rückenschmerzen. Laut einer Studie der Endometriose-Vereinigung ist sogar jede 10. Frau in Deutschland von Endometriose betroffen. Das ist eine Verwachsung der Gebärmutterschleimhaut – bei Endometriose fallen die Regelschmerzen noch mal deutlich stärker aus.

Kurzum: Die Periode ist nicht angenehm, man fühlt sich abgeschlagen und unfit. Trotzdem gehen die meisten Frauen auch mit starken Menstruationsschmerzen zur Arbeit oder in die Schule.

Warum sind Frauen jeden Monat unehrlich zu sich selbst und anderen? Warum melden sie sich nicht einfach krank?

In einer Firma in England gab es Anfang diesen Jahres einen Vorstoß in Richtung "Menstruationsurlaub" – Frauen dürfen sich dort ein Mal im Monat ohne Angabe von Gründen krankmelden. Prompt gab es natürlich einen Haufen Kritik: Frauen belasten mit ihrem weibischen Firlefanz das System. Das würde nur unnötig Geld kosten und der Gleichberechtigung im Wege stehen, denn so würden Arbeitgeber sich noch häufiger gegen Frauen als Arbeitskraft entscheiden.

Was können wir ändern?

Wenn es euch nicht gut geht, bleibt zuhause. Und nennt den Grund! Denn jede*r würde bei Symptomen wie Unterleibskrämpfen und starken Kopfschmerzen zuhause bleiben. Falls euer Vorgesetzter das nicht akzeptiert, lasst euch ruhig von eurem Hausarzt krankschreiben.

Färbt Periodenblut in Werbungen nicht blau

Auch Werber – also Menschen, die sich um die Werbung für Produkte kümmern – können etwas tun, um die Periode zu enttabuisieren. In TV Spots ist Menstruationsblut blau. Seltsam, denn das Blut in Pflasterwerbungen ist ja auch nicht blau, sondern rot.

Letzten Monat hat der Werbespot einer australischen Firma, die Monatshygiene-Artikel herstellt, einen Shitstorm geerntet, weil der Spot rotes statt blaues Blut zeigt, das auf eine Binde tropft. Der Werbespot ist Teil ihrer Kampagne #bloodnormal, die das Thema Menstruation normalisieren will.

Was können wir ändern?

Periodenblut ist rot und so sollte es auch in Werbungen gezeigt werden. Denn Frauen, die ihre Periode haben, bluten aus ihrer Vagina. Das ist nicht eklig, das ist normal. Manchmal klebt ein bisschen Blut in der Unterhose – so what.

Steht zu eurer Periode und zu dieser vermeintlichen Unperfektheit! Menstruationsblut ist nichts, wofür du dich schämen musst.

Sendung: PULs am 23.10.2019 - ab 15.00 Uhr