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Info "Alles klar" sendet - wie Chefkets ganzes 2018er Album "Alles Liebe (Nach dem Ende des Kampfes)" - eine Liebesbotschaft. Aber wie gewöhnlich liefert der schwäbische Wahlberliner Realtalk, Catchphrases und etwas Selbstironie.

Foodtrend vs. Tierschutz Wenn dressierte Makaken eure Kokosnuss pflücken

Die Kokosnuss ist gerade absolutes Trendfood. Doch einkaufen sollte man bewusst, nicht nur dem Regenwald zuliebe. Denn auf den Plantagen arbeiten nicht immer Mensch und Maschine – sondern auch dressierte Affen.

Von: Paul Schedelbeck

Stand: 11.04.2018 | Archiv

Kleiner Affe sitzt mit Kette um den Hals auf einer Kokosnuss. | Bild: picture alliance/Pacific Press Agency

Kokosfett zum Braten, Kokosöl für den Salat, Kokosmilch im Kaffee oder im Thai-Curry. Noch immer wird die Kokosnuss gehypt. Dass sie schmeckt, darüber müssen wir nicht streiten. Darüber, ob man blind jedes nächstbeste Kokosprodukt kaufen sollte aber gerne. Als Alternative zu Palmöl taugt die Kokosnuss laut Umweltschutzorganisation WWF jedenfalls nicht. Auch für sie wird Regenwald gerodet, während der Ertrag sogar niedriger ausfällt als bei der Ölpalme. Und auf Plantagen passiert teilweise etwas, das Tierschützer wohl als moderne Sklaverei bezeichnen würden: Dressierte Affen arbeiten als Ernte-"Personal".

Ernte-Affen haben lange Tradition

Auch wenn der Großteil der Kokosnüsse auf Plantagen maschinell oder von Menschenhand gepflückt wird – dass Affen als Erntehelfer eingesetzt werden, passiert nicht nur in Einzelfällen. Gerade in Thailand hat die Dressur zum Kokosnusspflücker lange Tradition. In speziellen Schulen werden gefangene Jungaffen teilweise monatelang dressiert. Tierschützer wie Peter Höffken von Peta sagen: Das funktioniert bei Wildtieren nur mit Gewalt oder Zwang.

"Das müssen nicht immer Schläge sein, sondern oftmals auch Nahrungsentzug. Und häufig sind die Haltungsbedingungen natürlich nicht gut, weil die Tiere dann abends in kleine Käfige gesperrt werden."

Peter Höffken, Fachreferent für Tiere in der Unterhaltungsbranche PETA Deutschland e.V.

Bilder von Plantagen, zum Beispiel in Indonesien, zeigen Makaken, die am Hals angekettet werden.

Bewusst einkaufen hilft

Wichtig zu wissen: Für unverarbeite Kokosprodukte, sprich Kokoswasser oder ganze Kokosnüsse, werden normalerweise keine Ernte-Affen eingesetzt. Denn dafür werden unreife Früchte gepflückt – das schaffen die kleinen Makaken nicht, weil die Kokosnuss noch zu fest am Strang hängt. Bei verarbeiteten Produkten wie Kokosmilch, -Öl oder -Fleisch steht man allerdings dumm da. Ernte-Affen kann man kaum sicher ausschließen. Eine Orientierungshilfe kann aber der Preis sein, sagt Ernährungsberaterin Edith Sichtar. Sie hat das Thema für den Wiener Verein Gegen Tierfabriken (VGT) recherchiert. Ihrer Erfahrung nach werden Affen häufig für billige Kokosprodukte eingesetzt.

"Wenn die Bauern vor Ort nicht ausreichend entlohnt werden, sich keine Erntemaschinen leisten können und nicht ausreichend Personal bezahlen, greifen sie, zum Teil natürlich auch aus Not, zu solchen Ernte-Affen, die sie sehr günstig bekommen können."

Mag. Edith Sichtar, Ernährungswissenschaftlerin

Laut Edith Sichtar bieten Siegel wie Bio oder Fairtraide deshalb auch keine Sicherheit, aber immerhin Orientierung. Wer es ganz genau wissen will, muss aber direkt beim Händler oder Hersteller nachfragen. Große Bio-Ketten wie Alnatura oder dennree haben das Thema auf dem Schirm und schließen Ernte-Affen bei ihren Produkten aus. Doch nicht alle Lebensmittelhändler wissen offenbar von der Problematik. Aldi hat sich zum Beispiel auf unsere Anfrage hin mit seinen Lieferanten in Verbindung gesetzt.

Sendung: Filter vom 11. April 2018 – ab 15 Uhr.