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Made in Bavaria "Bayern ist Deutschlands Kreativstandort Nr. 1"

Ein Zentrum für Kreative in Bayern - das gibt es seit einem Jahr in Nürnberg. Dort können sich Designer, Musiker, Filmschaffende und andere Kreative beraten lassen. Warum das wichtig ist, erklärt Zentrumsleiter Dirk Kiefer.

Von: Caroline von Eichhorn & Elisabeth Volkmer

Stand: 07.03.2016

Kreative Ideen aus Bayern | Bild: BR

Mit bavarianmakers.de gibt PULS kreativen Machern aus allen Ecken Bayerns eine überregionale Bühne. Denn in Bayern gibt es viel mehr kreatives Business als man annimmt - sagt Dirk Kiefer. Er leitet das Bayerische Zentrum für Kultur- und Kreativwirtschaft, das sich seit etwa einem Jahr für mehr kreatives Geschäft in Bayern einsetzt.

PULS: Jedes fünfte Kreativunternehmen sitzt in Bayern. Trotzdem ist der Freistaat gar nicht so für Kreativität bekannt. Wo verstecken sich die ganzen Unternehmen?

Dirk Kiefer: Es ist verrückt und überraschend, dass Bayern Deutschlands Kreativstandort Nummer Eins ist. Mittlerweile ist Bayern in allen Ecken voll mit Kultur und Kreativität. Sie stecken nicht nur in den bayerischen Metropolen wie München, sondern auch auf dem Land, nur eben mit einer geringeren Dichte. Das bayerische Zentrum für Kultur- und Kreativwirtschaft hat gleich nach der Gründung 2015 Veranstaltungen in allen Regierungsbezirken gemacht. So sind wir auf viele interessante und auch finanziell erfolgreiche Kreative gestoßen.

Dirk Kiefer vom Bayerischen Zentrum für Kultur- und Kreativwirtschaft

Was zeichnet Kreative aus Bayern aus?

Ich glaube, sie haben eine sehr starke kulturelle Identität. Diese ist vor allem im Ausland positiv belegt. Das ist eine gute Basis, um ein Unternehmen aufzubauen. Das Label "Created in Bavaria" kommt zum Beispiel in China richtig gut an.

Wie stark wächst die Kreativbranche denn?

Die Kreativwirtschaft wie die Filmwirtschaft, der Kunstmarkt, die Darstellenden Künste, die Musikwirtschaft, Verlage, der Rundfunk oder die Software- und Gamesindustrie wächst weltweit mehr als andere Branchen. Es gibt eine Veränderung in der Gesellschaft hin zu mehr Kreativität. Man erkennt, dass nicht mehr nur die Funktionalität von Innovationen wichtig ist, sondern auch das Design. Die Automobilindustrie ist da das beste Beispiel: Autos werden nicht nur wegen ihrer Geschwindigkeit verkauft, sondern immer mehr auch wegen des Designs und des Images, das es vermittelt.

Wir haben beobachtet, dass jungen Kreativen Nachhaltigkeit und soziales Wirtschaften wichtig ist. Ist es doppelt schwer für Kreative, die eh schon weniger verdienen, auf Nachhaltigkeit und Soziales zu setzen? Das führt ja dazu, dass das Material und die Produktion teurer werden.

Ich glaube nicht, dass sich ein Kreativunternehmen wirtschaftlich schlechter stellt, wenn es auf Nachhaltigkeit setzt. Langfristig haben sich die durchgesetzt, die mit hohem Anspruch ihre Kreativleistung etabliert haben und ihre Werte nicht aufgeben. Das hat der Markt dann auch belohnt. Ich bin überzeugt, dass das bei Nachhaltigkeit genauso ist.

Das größte Problem für junge Kreative ist die Finanzierung. Wie findet man einen Investor?

Man muss zunächst mal wissen und verstehen, dass es in Deutschland allgemein nicht einfach ist, Investoren zu finden. Außerdem wird es umso schwieriger, je kleiner man ist. Das hat oft etwas mit Vertrauen zu tun. Kleine Unternehmen haben etwa bei Crowdfunding größere Chancen. Konkret gibt es in Bayern aber schon einige Fördermittel - zum Beispiel BayStartUp oder Werk 1. Wir haben jetzt auf unserer Website bayernkreativ.de eine Übersicht über alle EU-Finanzierungs- und Förderinstrumente, die es gibt und die zu den Bedürfnissen der Kreativen passen. Ich kann auch empfehlen, zu uns ins Zentrum nach Nürnberg zu kommen.

Ihr habt als Kreativzentrum 4,5 Millionen Euro zur Verfügung. Warum gebt ihr das Geld nicht gleich denen, die es gebrauchen können?

Diese 4,5 Millionen Euro sind auf fünf Jahre angelegt - das ist für einen großen Flächenstaat wie Bayern wenig. Wenn man das jetzt ausgeben wollte, um einzelne unternehmerische Projekte zu unterstützen, bringt das aus meiner Sicht überhaupt nichts. Wir haben unter Kreativen herumgefragt und herausgefunden, was sie brauchen: die meisten haben den Wunsch nach Beratung und Vernetzung geäußert. Deshalb kümmern wir uns um diese Aufgaben.


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