Jetzt Drumsolo Leyya

Info Raus mit der Sprache, wer hat da was in die Wien geschüttet? Irgendworan muss es ja liegen, dass von Wien aus erst Bilderbuch, dann Wanda und jetzt auch noch das Duo Leyya einen Pop basteln, wie er cleverer nicht sein kann.

Kommentar zur Pride-Kollektion von H&M Eure Heuchelei kotzt mich an!

H&M verkauft ab 31. Mai eine CSD-Kollektion, mit der queere Menschen sich stolz zeigen sollen. Klingt erstmal nett – unseren Autor nervt aber, dass Marken mit politischen Symbolen eigentlich nur Kohle scheffeln wollen.

Von: Julian Wenzel

Stand: 30.05.2018

H&M Kollektion zum CSD | Bild: BR

Kurzer Ausflug in das Jahr 1979, nach Kalifornien: Harvey Milk ist offen schwul, Politiker und gerade ermordet worden. Zu milden sieben Jahren Gefängnis wird sein Mörder verurteilt. Die queere Community ist außer sich. Sie demonstrieren zu tausenden auf den Straßen San Franciscos gegen das Urteil, gegen Diskriminierung und für mehr Rechte. Bei den Demonstrationen das erste Mal zu sehen: die Regenbogenflagge als Symbol der LGBTIQ*-Bewegung. Seitdem sind die farbigen Streifen auf jedem Christopher Street Day und jeder queeren Demo zu sehen.

Dieses Jahr werden wir die politisch aufgeladene Flagge auch auf ganz vielen T-Shirts sehen. Dank H&M und ihrer "Love For All"-Kollektion. Socken mit Regenbogenflagge, lila Hoodies oder Shirts mit P-R-I-D-E in dicken Buchstaben auf der Brust – das und noch viel mehr will H&M Leuten wie mir verkaufen. Ich bin schwul und verheimliche das auch nicht. Ich bin also genau die Zielgruppe dieser Kollektion – aber ich weiß auch, dass ich dieses Zeug von H&M auf keinen Fall haben will.

Die queere Cash Cow will gemolken werden

"H&M glaubt an das Recht, dass jeder Mensch lieben kann, wen er will. Wir hoffen, dass die Leute mit der H&M Love For All Kollektion ihren Stolz und ihren Glauben an die gleichgeschlechtliche Liebe feiern können."

Andreas Lowenstam, Head of Menswear Design in der Pressemitteilung von H&M

Ganz sicher, H&M, ihr wollt bestimmt nur, dass ich mich endlich mal so richtig stolz mit einem Shirt von euch zeigen kann. Dass die Welt sieht: hier läuft ein zufriedener Schwuler. Kauf ich euch aber nicht ab. In erster Linie wollt ihr Umsatz machen, euch eine verdammt spannende Zielgruppe erschließen.

"Gay Marketing" ist inzwischen ein fester Begriff in der Werbebranche, um an diese Leute ranzukommen. Marken haben längst erkannt, dass Schwule, Lesben und Transgender interessante Kunden sind. Eine queere Cash Cow, die einfach nur hart gemolken werden muss. Zahlen belegen: Leute wie ich geben mehr Kohle für Reisen oder Lifestyle aus, als andere. Wie passend für die Unternehmensziele. Schon lang haben sich deshalb viele Firmen speziell auf meinen schwulen Geldbeutel spezialisiert.

Was ist mit Russland?

Um den guten Willen der Aktion noch deutlicher heraus zu stellen, will H&M zusätzlich zehn Prozent der Einnahmen der Kollektion an die Menschenrechtsorganisation "Free&Equal" spenden, die sich für LGBTIQ*-Rechte einsetzt. Klingt natürlich super. Lässt sich auch schwer etwas dagegen sagen - außer vielleicht, dass es mit einer einfach Spende nicht getan ist. Wenn es dem Unternehmen wirklich ernst wäre, dann müssten sie mehr tun: Die Klamotten sind nur in den USA und Kanada in den Läden erhältlich. Überall sonst auf der Welt kann ich die Teile nur online kaufen. Überall? Nein! In Russland, Mexiko und einigen anderen Ländern kann ich die Teile nicht mal bestellen. Warum wohl? Achso, in den Ländern ließe sich bestimmt kein Geld mit Regenbogenshirts verdienen, weil sich dort zu wenige Leute trauen, so ein Oberteil zu tragen.

Wenn ihr es wirklich ernst meint, H&M, dann verpackt doch eure Läden weltweit in Regenbogenflaggen. Setzt ein Zeichen in Russland und macht auf die Diskriminierung dort aufmerksam, indem eure Stores in bunten Farben eine politische Botschaft ausstrahlen. Ach ne, Mist, das könnte dort ja Kunden verschrecken. Das ist ja nicht das Ziel der Kollektion. Also lieber nur pseudo-politisch bleiben. Diese Heuchelei kotzt mich an. Ich will dieses Jahr nicht auf CSDs gehen und das politische Symbol der Regenbogenflagge im moralischen Ausverkauf sehen müssen.

Sendung: Filter, 01.06.2018 - ab 15 Uhr