Jetzt Free Mind Tash Sultana

Info Die Australierin Tash Sultana als One-Man-Band zu beschreiben, fühlt sich nach einer Untertreibung an. Tash singt, spielt u.a. Gitrarre, Mandoline und Panflöte. Und dazu produziert sie auch noch ihre eigenen Beats.

Vergewaltigungsvorwürfe gegen CR7 Ronaldo und das große Schweigen

Cristiano Ronaldo, der Goldjunge, der Ballzauberer, Everybody's Darling soll mindestens eine Frau vergewaltigt haben. Es gibt erdrückende Beweise. Und was macht die Fußballwelt? Die tut so, als wäre nichts. Ein Kommentar.

Von: Katharina Geschier

Stand: 12.10.2018

Christiano Ronaldo | Bild: picture-alliance/dpa

"Ich kam von hinten in sie rein. Auf die brutale Tour. (…) Sie hat gesagt, dass sie nicht will, aber sich bereitgestellt. (…) Aber sie hat immer weiter 'Nein' gesagt. 'Mach das nicht'."

Auszug aus Football-Leaks-Unterlagen zum Fall Ronaldo

Was so klingt, wie die klassische Definition einer Vergewaltigung, ist eine dokumentierte Aussage von Cristiano Ronaldo über eine Nacht von vor 9 Jahren. Seit einer Spiegel-Recherche 2017 gibt es Vergewaltigungsvorwürfe gegen CR7, aber dieser Fall ist keiner dieser Fälle, in dem Aussage gegen Aussage steht. Hier liegen Beweise vor, Dokumente und Aussagen, unterschrieben vom mutmaßlichen Opfer und von Ronaldo selbst. Und sagen wir mal so: Die Luft für Ronaldo wird immer dünner, auch wenn er die Vorwürfe öffentlich bestreitet. 

Fußball, eine Glitzerblase voller Geld, Macht und Männer

Cristiano Ronaldo spielt seit Juli bei Juventus Turin und verdient da geschätzte 31 Millionen Euro im Jahr. Netto. 2009 bezahlte er Schweigegeld an das mutmaßliche Opfer, Kathryn Mayorga, ungefähr 325.000 Euro. Das verdient Ronaldo heute in vier Tagen. Vier Tage Arbeit für das Schweigen nach einer mutmaßlichen Vergewaltigung.  

Im letzten Jahr hat die #metoo-Debatte in fast allen gesellschaftlichen Bereichen für einen anderen Umgang mit den Opfern und deren Anschuldigen gesorgt. Aber eben nur in fast allen. Denn der Fußball, diese Glitzerblase voller Geld, Macht und Männer, ignoriert geflissentlich jede Anschuldigung, jedes Opfer und jeden Verdacht. Kein einziger Fußballspieler hat Stellung bezogen. Weder vor einem Jahr, als #metoo seinen Anfang nahm und der Spiegel zum ersten Mal über die Vorwürfe gegen Ronaldo berichtete, noch jetzt. Egal, ob Ronaldo schuldig ist oder nicht, das Thema darf auch im Fußball nicht totgeschwiegen werden.

Leistung wird belohnt - mit Schweigen

Damals war der Artikel internationales Thema. Vorerst. Dann schoss Ronaldo ein paar Tore in der Champions-League gegen Bayern München und Atlético Madrid. Der Fußballgott hatte abgeliefert, die Fans jubelten – und die Presse auch. Vergewaltigung? War da was? Leistung wird belohnt, in diesem Fall vor allem mit Schweigen.

Das Muster wiederholt sich jetzt, ein Jahr später, nachdem es die Aussage des mutmaßlichen Opfers und eine neue Recherche des Spiegels gibt. Es hat sich im Grunde nichts geändert. Kaum ein Fußballmagazin berichtet umfassend über die Vorwürfe gegen Ronaldo und Juventus steht hinter seinem Goldjungen.

Kein "Wir warten die Ermittlungen ab". Kein "Wir prüfen". Keinerlei Anzeichen dafür, dass das mutmaßliche Opfer und seine Anschuldigungen in irgendeiner Weise zumindest beachtet werden. Stattdessen: "große Professionalität" und "großartiger Champion". Leistung wird belohnt.

Das lässt tief blicken: Auf die Ignoranz und die Prioritäten, die im Tagesgeschäft des Fußballs gesetzt werden.

Nährboden für Ignoranz

Menschenverachtende Tendenzen und Aktionen gibt es überall, auch im Fußball. Aber das große Schweigen, das jetzt herrscht, trägt nicht dazu bei, dass sie verschwinden, im Gegenteil. Es sorgt dafür, dass der perfekte Nährboden für Ignoranz und Mauschelei entsteht und nach außen der Eindruck, das Ganze wäre ja gar nicht so schlimm.

Die Sponsoren sehen das nicht so gelassen. EA-Sports hat Ronaldo von der FIFA-Homepage entfernt. Nike arbeitet seit 2003 mit ihm zusammen und äußert sich jetzt "tief besorgt" über die Situation. Das passt zu ihrer Strategie, mittlerweile klar zu gesellschaftspolitischen Themen Stellung zu beziehen, denn jeder mögliche Shitstorm hat für sie auch wirtschaftliche Konsequenzen. Und das ist auch gut so, denn anders lässt sich die Fußball-Bubble nicht aufrütteln.

Kritik muss auch an Ronaldo erlaubt sein

Der Umgang mit Vorwürfen dieser Art muss sich ändern, sodass Ronaldo von seinem Verein und von seinen Fans kritisch hinterfragt wird. Ansonsten wachsen Millionen Kinder mit dem Beispiel Ronaldos auf. Mit dem Bild, dass die Geschichte mit einer aufbegehrende Frau zwar unangenehm ist, vor allem für den Mann, aber dass sich diese unbequeme Sache ja auf kurz oder lang schon wieder beruhigen wird. Augen zu und durch. Und im Hintergrund muss sich die Frau anfeinden lassen, warum sie erst nach Jahren des Traumas etwas sagt. Denn, um mal den Tweet eines Fans zu zitieren: "CR7 hat es doch gar nicht nötig, eine Frau zu vergewaltigen."

Sendung: Filter 12.10.2018 ab 15 Uhr