Kampagne "Seid‘s freundlich" Wie ein Student die Kette der Unfreundlichkeit durchbrechen will

Versteinerte Gesichter in der Straßenbahn? Menschen, die auf Handys starren? Das muss nicht sein, sagt Julian Theis. Der Student aus Würzburg hat deshalb eine Kampagne für mehr Freundlichkeit im Alltag gestartet.

Von: Wolfram Hanke

Stand: 27.01.2017 | Archiv

Seids freundlich | Bild: BR

Klingt doch eigentlich selbstverständlich: Freundlich sein. Ist aber im Alltag scheinbar gar nicht so leicht. Aufgefallen ist das Julian Theis zuerst beim Busfahren. Einsteigen, aufs Handy gucken, aussteigen. Kein freundliches Wort für den Busfahrer und für die anderen Fahrgäste sowieso nicht. Frei nach dem Motto: "Lasst mich doch alle in Ruhe!"

Daran will der 23 Jahre alte Student was ändern. Mit kleinen Aufklebern im Kreditkartenformat. "Seid‘s freundlich" lautet die Aufschrift. 10.000 Aufkleber hat er drucken lassen, die Hälfte hat er schon verballert. Sein Slogan klebt an Bushaltestellen, in Cafés, an der Uni oder in Toiletten. Und täglich werden es mehr von diesen kleinen Botschaften.

"Ich glaube, Freundlichkeit ist sehr wichtig. Wenn Du freundlich gegenüber anderen bist, dann kommt auch immer etwas zurück. Es gibt also auch irgendwie egoistische Gründe dafür, freundlich zu sein. Wenn man zum Beispiel der alten Frau am Bahnhof mit der schweren Tasche hilft, dann fühlt man sich danach besser. Das konnte ich auf jeden Fall an mir beobachten."

Julian Theis

Mit seiner Kampagne will Julian die "Kette der Unfreundlichkeit" durchbrechen. Und die geht so: Auf der Fahrt im Bus wird man vom unfreundlichen Fahrer gekonnt ignoriert, hetzt danach in die Bäckerei, pampt die langsame Verkäuferin an, die ist später zu ihrem Mann fies und der motzt am nächsten Tag wieder den Busfahrer an. Noch Fragen?

Der Erfolg von Julians Kampagne ist nicht messbar. Direktes Feedback bekommt er nur, wenn er die Leute auf der Straße anspricht. Und die meisten finden seine Aktion gut oder fühlen sich sogar ertappt beim unfreundlich sein. Wenn er keine Aufkleber verteilt, sitzt Julian im Hörsaal und studiert Englisch und Italienisch auf Lehramt. "Seid‘s freundlich" macht er momentan noch ganz allein. Aktuell denkt Julian über eine Crowdfunding-Aktion nach. Denn auf Dauer geht das Drucken der Aufkleber ganz schön ins Geld.

Gibt es nur noch versteinerte Gesichter auf unseren Straßen? Nein, so schlimm ist es noch nicht, sagt Julian. Trotzdem denkt er, dass die Erinnerung ans Freundlichsein wichtig ist. Denn irgendwie steckt ja doch in jedem Menschen auch ein freundlicher Mensch. Und den will er rauslocken mit seinen Aufklebern. Ein kleiner Reminder, auch mal wieder zu Lächeln und seine Mitmenschen wahr zu nehmen.