Kampagne "Ist Luisa da?" Das Codewort für Frauen gegen Belästigungen gibt es jetzt auch in Erlangen

Wenn Frauen beim Ausgehen belästigt werden, können sie sich mit dem Satz „Ist Luisa da?“ an Barkeeper wenden und bekommen Hilfe. Bei dieser Kampagne machen jetzt auch Erlanger Locations mit. Doch sie ist nicht ganz unumstritten.

Von: Teresa Berwian und Theresa Authaler

Stand: 24.05.2017

Kampagne "Ist Luisa da?" gegen sexuelle Belästigung | Bild: BR

Nachts im Club: Die Musik ist laut, die Luft verbraucht. Dieser eine Typ lässt einfach nicht locker. Er ist immer in der Nähe - und irgendwann spürt man am Po eine fremde Hand.

Viele Frauen kennen solche Situationen. Manchmal hat man die Kraft, die fremde Hand einfach wegzuschlagen und dem Typ die Meinung zu sagen. Manchmal ist man aber wie gelähmt, es fehlen einem die Worte. Wie schafft man es dann, sich aus der Situation zu retten?

Erlangen ist jetzt auch dabei

Im Erlanger E-Werk, dem Transfer, dem Spruz und im "Mein lieber Schwan" gibt es für genau solche Momente jetzt auch das Codewort. Man geht zum Barkeeper oder zum Türsteher und sagt einfach nur "Ist Luisa da?". Das Personal ist geschult, es weiß dann, dass man Hilfe braucht. Als erstes bringt der Barkeeper die Frau an einen sicheren Ort, in den Personalraum oder auch in die Küche. Dort überlegen beide zusammen, was der nächste Schritt sein soll. Will die Frau nach Hause, sucht der Barkeeper zum Beispiel ihre Sachen zusammen und ruft ihr ein Taxi. Wenn nötig, lässt er aber auch den Typen, der die Frau belästigt hat, aus der Bar schmeißen oder er ruft die Polizei.

In Augsburg hofft man auf einen weiteren Effekt

Hinter der Kampagne "Ist Luisa da?" steckt ursprünglich der Frauennotruf Münster. Der Verein "Club & Kulturmission", ein Zusammenschluss von mehreren Gastronomen und Veranstaltern, hat die Aktion im März auch nach Augsburg geholt. In den Frauentoiletten von rund 30 Locations haben sie Plakate aufgehängt, die das Codewort bekannt machen sollen. Finanzielle Hilfe dafür gab es von der Stadt Augsburg. Das Problem, dass sich Frauen beim Feiern nicht immer sicher fühlen und vielleicht auch nicht sicher sind, wird also wahrgenommen. Christoph Achzenick vom Verein "Club & Kulturkommission" hofft auch auf einen weiteren Effekt.

"Das wird kein Supergeheim-Wort bleiben, was nur Frauen kennen, sondern das wird sich rumsprechen und dementsprechend ist eine Umgebung geschaffen von wegen ‚Obacht, hier wird darauf geachtet. Ich denke, das ist auch in vielerlei Hinsicht präventiv gegenüber jungen Männern, die sich nicht im Griff haben."

(Christoph Achzenick, Club & Kulturkommission Augsburg e.V.)Aber ist ein Codewort der richtige Ansatz, um Frauen vor Belästigung zu schützen?

Hört man sich abends zum Beispiel in München um, gibt es grundsätzlich viel Zustimmung dafür, neue Hilfsangebote für Frauen zu schaffen. Einige Frauen sind aber skeptisch, ob gerade ein Codewort der beste Weg ist. Sie finden es wichtiger, Frauen darin zu bestärken, sich in so einem Moment zu trauen, die Belästigung klar zu benennen. Andere weisen darauf hin, dass sich langfristig nur etwas ändern kann, wenn man die gesellschaftliche Sensibilität dafür schärft, wie Mann mit Frauen umgeht.

Frauennotruf verteidigt das Codewort

Daniela Stöveken vom Frauennotruf Münster verteidigt den Code "Ist Luisa da?" aber. Er hilft Frauen in Schocksituationen, sagt sie: "Wir wissen, dass es für viele Frauen einfacher ist, sich mit diesem Satz an das Personal zu wenden, als zu sagen: Ich bin belästigt worden, der hat mir an den Busen gefasst, der hat mir in den Schritt gefasst." Viele Frauen seien so geschockt, dass sie nicht benennen könnten, was ihnen gerade passiert sei. Die Stadt Augsburg sieht das genauso und investiert in die Aktion.

In München ist das allerdings noch nicht geplant. Aber die Frage, wie man Frauen vor Belästigungen beim Ausgehen schützen kann, wird auch hier diskutiert. Im letzten Jahr hat der Frauennotruf München mit der Kampagne "Keine Gewalt gegen Frauen" das Thema wieder auf die Agenda gesetzt, Postkarten lagen in Bars und Kinos aus, in Fastfood-Restaurants liefen kurze Filme dazu.

Schon 2012 haben einige Münchner Clubs ihr Personal zum Thema sexualisierte Gewalt schulen lassen. Mit dabei war auch das Harry Klein. Geschäftsführer David Süß setzt auf Härte gegenüber den männlichen Besuchern. Im Harry Klein gilt die Regel: Wenn ein Typ unangenehm auffällt, muss er den Club verlassen. "Die Türsteher gehen dann sofort rein und der Täter fliegt sofort raus. Da gibt’s dann keine Diskussionen mehr", sagt Süß. Auch am Ausgang sind die Türsteher angehalten, genau zu beobachten, wie sich Männer gegenüber Frauen verhalten: "Wenn die Türsteher sehen, dass ein Mann mit einer Frau geht und die Frau kann nicht mehr alleine laufen, muss gestützt werden, dann halten die Türsteher sie auf. Es wird geklärt, wie die Situation ist, damit es nicht passiert, dass ein Mann eine Frau besoffen macht oder betäubt und sie einfach aus dem Laden zieht."

Das Thema ist in den Köpfen

Geschultes Personal an der Clubtür, Plakataktionen, Codewörter: Es gibt verschiedene Ansätze um das Problem anzugehen. Wie oft der Satz "Ist Luisa da?" zum Einsatz kommt und wie vielen Frauen der neue Code helfen wird, kann man im Moment noch schwer abschätzen. Einen Erfolg hat die Kampagne aber schon jetzt erzielt: Dank ihr wird in vielen Städten darüber diskutiert, wie man das Ausgehen für Frauen sicherer machen kann. Und vielleicht ziehen - nach Augsburg und Erlangen - jetzt auch andere bayerische Städte nach.

Sendung: Hochfahren, 24.05.2017 ab 7 Uhr