Kampagne "Ist Luisa da?" Kann ein Codewort für Frauen gegen Belästigungen helfen?

Eine Kampagne aus Münster sorgt für Diskussionen: Wenn Frauen beim Ausgehen belästigt werden, können sie sich mit dem Satz "Ist Luisa da?" an die Barkeeper wenden und bekommen Hilfe. Aber ist das wirklich die Lösung?

Von: Theresa Authaler

Stand: 13.02.2017

Kampagne "Ist Luisa da?" gegen sexuelle Belästigung | Bild: BR

Nachts im Club: Die Musik ist laut, die Luft verbraucht. Dieser eine Typ lässt einfach nicht locker. Er ist immer in der Nähe - und irgendwann spürt man am Po eine fremde Hand.

Viele Frauen kennen solche Situationen. Manchmal hat man die Kraft, die fremde Hand einfach wegzuschlagen und dem Typ die Meinung zu sagen. Manchmal ist man aber wie gelähmt, es fehlen einem die Worte. Wie schafft man es dann, sich aus der Situation zu retten?

Barkeeper als Retter

In Münster gibt es für genau solche Momente jetzt ein Codewort. Man geht zum Barkeeper oder zum Türsteher und sagt einfach nur "Ist Luisa da?". Das Personal ist geschult, es weiß dann, dass man Hilfe braucht. Als erstes bringt der Barkeeper die Frau an einen sicheren Ort, in den Personalraum oder auch in die Küche. Dort überlegen beide zusammen, was der nächste Schritt sein soll. Will die Frau nach Hause, sucht der Barkeeper zum Beispiel ihre Sachen zusammen und ruft ihr ein Taxi. Wenn nötig, lässt er aber auch den Typen, der die Frau belästigt hat, aus der Bar schmeißen, oder er ruft die Polizei.

Hinter der Kampagne "Ist Luisa da?" steckt der Frauennotruf Münster. 30 Kneipen machen bei der Aktion schon mit. In den Frauentoiletten hängen Plakate, die das Codewort bekannt machen sollen. Der Frauennotruf hat die Kampagne erst vor kurzem öffentlich gemacht, die Resonanz ist aber schon jetzt enorm. 40 Städte aus ganz Deutschland haben sich in Münster gemeldet und wollen das Konzept der Kampagne für ihre Kneipen und Bars übernehmen. Das Problem, dass sich Frauen beim Feiern nicht immer sicher fühlen und vielleicht auch nicht sicher sind, scheint also wahrgenommen zu werden.

Aber ist ein Codewort der richtige Ansatz, um Frauen vor Belästigung zu schützen?

Hört man sich abends in München um, gibt es grundsätzlich viel Zustimmung dafür, neue Hilfsangebote für Frauen zu schaffen. Einige Frauen sind aber skeptisch, ob gerade ein Codewort der beste Weg ist. Sie finden es wichtiger, Frauen darin zu bestärken, sich in so einem Moment zu trauen, die Belästigung klar zu benennen. Andere weisen darauf hin, dass sich langfristig nur etwas ändern kann, wenn man die gesellschaftliche Sensibilität dafür schärft, wie Mann mit Frauen umgeht.

Frauennotruf verteidigt das Codewort

Daniela Stöveken vom Frauennotruf Münster verteidigt den Code "Ist Luisa da?" aber. Er hilft Frauen in Schocksituationen, sagt sie: "Wir wissen, dass es für viele Frauen einfacher ist, sich mit diesem Satz an das Personal zu wenden, als zu sagen: Ich bin belästigt worden, der hat mir an den Busen gefasst, der hat mir in den Schritt gefasst." Viele Frauen seien so geschockt, dass sie nicht benennen könnten, was ihnen gerade passiert sei.  

Eine Kampagne wie in Münster ist in München noch nicht geplant. Aber die Frage, wie man Frauen vor Belästigungen beim Ausgehen schützen kann, wird auch hier diskutiert. Im letzten Jahr hat der Frauennotruf München mit der Kampagne "Keine Gewalt gegen Frauen" das Thema wieder auf die Agenda gesetzt, Postkarten lagen in Bars und Kinos aus, in Fastfood-Restaurants liefen kurze Filme dazu.

Schulungen fürs Clubpersonal

Schon 2012 haben einige Münchner Clubs ihr Personal zum Thema sexualisierte Gewalt schulen lassen. Mit dabei war auch das Harry Klein. Geschäftsführer David Süß setzt auf Härte gegenüber den männlichen Besuchern. Im Harry Klein gilt die Regel: Wenn ein Typ unangenehm auffällt, muss er den Club verlassen. "Die Türsteher gehen dann sofort rein und der Täter fliegt sofort raus. Da gibt’s dann keine Diskussionen mehr", sagt Süß. Auch am Ausgang sind die Türsteher angehalten, genau zu beobachten, wie sich Männer gegenüber Frauen verhalten:  "Wenn die Türsteher sehen, dass ein Mann mit einer Frau geht, und die Frau kann nicht mehr alleine laufen, muss gestützt werden, dann halten die Türsteher sie auf. Es wird geklärt, wie die Situation ist, damit es nicht passiert, dass ein Mann eine Frau besoffen macht oder betäubt und sie einfach aus dem Laden zieht."

Geschultes Personal an der Clubtür, Plakataktionen, Codewörter: Es gibt verschiedene Ansätze um das Problem anzugehen. Wie oft der Satz "Ist Luisa da?" in Münster zum Einsatz kommen und wie vielen Frauen der neue Code helfen wird, kann man im Moment noch schwer abschätzen. Einen Erfolg hat die Kampagne aber schon jetzt erzielt: Dank ihr wird in vielen Städten darüber diskutiert, wie man das Ausgehen für Frauen sicherer machen kann.