Jetzt mit Stephan Rehm und Simon Frontzek In die Nacht

Info Aus Liebe zu den Tönen starten wir Sonntag in die Nacht mit alternativen Klängen: Tomte-Keyboarder Simon Frontzek und Musikexpress-Redakteur Stephan Rehm legen jeden zweiten Sonntag aktuelle Hits und vergessene Geheimtipps auf.

Integration in Deutschland Die Städte sind für alle da - hoffentlich

Auch wenn es manche Parteien nicht wahrhaben wollen: Deutschland wird immer mehr multi-kulti. Städte müssen sich darauf einstellen, dass ihre Bewohnerschaft bunter ist, als noch vor 30 Jahren. Wie das klappt, zeigt eine Studie.

Von: Katharina Kühn

Stand: 25.07.2018 | Archiv

Integration in Deutschland | Bild: BR

Auf die Fragen, wer neben uns im Seminar sitzt, wo wir abends essen und welche Muttersprache der Busfahrer spricht, sind die Antworten längst nicht mehr: ein Deutscher, in einem deutschen Wirtshaus und Deutsch. Es ist nicht mehr so, dass die in unserer Gesellschaft deutsche Vorfahren haben. Wie Städte damit umgehen, dass ihre Einwohnerschaft viel bunter ist als noch etwa vor 30 Jahren, wollte Felicitas Hillmann herausfinden. Sie arbeitet am Leibniz-Institut für Raumbezogene Sozialforschung in Erkner und ist Professorin für Stadt- und Regionalplanung an der TU Berlin. Um zeigen zu können, wie unterschiedlich sich Städte auf ihre verschiedenen Einwohnerinnen und Einwohner einstellen, unterschieden Felicitas Hillmann und ihre Kollegin exemplarisch mehrere Arten von Städten, je nach Erfahrung und Umgang mit Migration: Magnete, Solide, Ambivalente, Nachholer, Gestalter und Unerfahrene.

Integration in Frankfurt am Main: Eins mit Sternchen

Städte, die sich um Menschen mit Migrationshintergrund bemühen, bieten etwa Bibliotheken und Museen an, die nicht nur für Deutschsprachige sind, es gibt Straßenfeste, bei denen unterschiedliche Kulturen gefeiert werden und Netzwerke für Einwanderinnen und Einwanderer.

Eine Eins mit Sternchen bekommt zum Beispiel Frankfurt am Main, weil hier Felicitas Hillmann zufolge ganz unterschiedliche Typen von Migration herkommen: natürlich die Bänkerinnen und Bänker, aber auch Menschen, die in anderen Branchen arbeiten wollen oder etwa Geflüchtete.

"Frankfurt hat zum Beispiel auch das Amt für multikulturelle Angelegenheiten gehabt, hat also auch als Stadt anerkannt, dass es hier was zu tun gibt."

- Felicitas Hillmann

Das Amt für multikulturelle Angelegenheiten springt zum Beispiel ein, wenn sich Nachbarn streiten, wenn Menschen, die nicht so gut Deutsch sprechen, zum Amt müssen und gibt Tipps gegen Diskriminierung. Damit haben Menschen, die neu in der Stadt sind, eine Anlaufstelle. Frankfurt hat allerdings wie mehrere große westdeutsche Städte schon viel Erfahrung mit Migration, zum Beispiel durch die Gastarbeiter in der frühen Bundesrepublik. In ostdeutschen Städten fehlt diese Erfahrung mitunter.

Bayerische Städte liegen im Mittelfeld

Bayern schlägt sich ganz gut. Hier hat in den meisten bayerischen Großstädten schon mehr als die Hälfte der Jugendlichen Vorfahren, die nicht aus Deutschland kommen, sagt Felicitas Hillmann. Außerdem sei Bayern wirtschaftlich stark, deswegen finden Jugendliche mit oder ohne Migrationshintergrund relativ problemlos Jobs und Ausbildungsplätze.

In Würzburg leitet Stefan Lutz-Simon die Jugendbildungsstätte Unterfranken und hat 2006 das Bündnis für Zivilcourage mitgegründet. Damals war eine Mitarbeiterin von ihm in der Straßenbahn angepöbelt worden, weil sie ein Kopftuch trug. Jetzt sind mehr als 70 Organisationen in dem Bündnis und engagieren sich für eine offene und bunte Gesellschaft. Aber auch die Stadt Würzburg fördert etwa die vielfältige Jugendarbeit, das wurde besonders deutlich, als 2015 mehr Jugendliche mit Fluchterfahrung nach Würzburg gekommen sind, sagt Stefan Lutz-Simon. Dabei hätte die Stimmung auch schnell kippen können. Im Sommer 2016 hat ein 17-jähriger Flüchtling Zugreisende mit einer Axt attackiert und dabei fünf Menschen zum Teil schwer verletzt.

"Es war immer klar, dass die Moscheegemeinden, die religiösen Gemeinden und die Ausländer-, Integrationsbeiratsstrukturen Teil unserer Stadt sind. Wir erklären uns miteinander solidarisch, weil Einzelinteressen nichts zu tun haben mit der Vielfalt, die diese Stadt insgesamt bietet."

- Stefan Lutz-Simon

Ignorieren ist keine Option

Felicitas Hillmann sagt, dass die Städte Zuwanderer brauchen, damit sie nicht schrumpfen. Dafür müssten sich die Verantwortlichen in der Verwaltung zusammensetzen und überlegen, was die Vorteile für beide Seiten sind. Allemal sei es besser, sich als Stadt Gedanken zu machen, wie man mit Migration umgehen möchte. Einfach zu ignorieren, dass die Einwohnerinnen und Einwohner unterschiedliche Hintergründe haben, das ist längst keine Option mehr.

Sendung: Filter am 23.07.2018 – ab 15 Uhr