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11:42 Uhr Crown Stormzy

Handwerk auf Instagram Smartphone meets Spachtel

Instagram – das verbindet man mit Beauty, Fashion, Lifestyle. Aber eher nicht so mit Baustelle, Malerkittel und Kreissäge. Diese vier Handwerker zeigen, dass ihr Job und ein cooler Feed besser zusammenpassen als gedacht.

Von: Alessandro Capasso

Stand: 22.03.2018

Handwerker Flo | Bild: Florian Wilhelmy

Wer sich für sein späteres Leben Träume sucht, der wird auf Instagram mehr als fündig. Hashtags wie #lifegoals zeigen Leben am weißen Sandstrand oder in den hippsten Stadtvierteln, am Fuß die neusten, blitzeblanken Sneaker und in Jobs, mit denen sich glamourös gut und viel Geld verdienen lässt. Mit der Realität von Millionen von Leuten hat das nur wenig zu tun. Was aber nicht heißt, dass deren Leben weniger geil ist.

Florian Wilhelmy sieht in seinem Leben zum Beispiel viel von oben. Nein, er lebt kein #pilotlife, er ist Zimmerer und Dachdecker. Der 25-Jährige instagrammt seit zwei Jahren als @carpenter_flo. Sein Feed ist voll von Dachziegeln und Zollstöcken, aber: er kann mit dem von anderen Influencern voll mithalten. Einheitlicher Look, ausgefallene Motive und richtig gute Bilder. Dazwischen Videos, wie im Zeitraffer Dächer entstehen und Insta-Stories live von der Baustelle. Die Belohnung für die Mühe: Knapp 6.000 Follower.

Was man als handwerkender Blogger mit so einer Reichweite anfängt? Florian Wilhelmy will seine Follower-Zahl nutzen, wenn er sich später einmal selbständig macht. Aber auch als Handwerker lässt sich mit Reichweite und den eigenen Inhalten Geld verdienen. Max Beck ist Metzger und als @wursthandwerker auf Instagram und seinem gleichnamigen Blog aktiv. Zurzeit macht er das Ganze nur nebenbei. Auf lange Sicht will der 24-Jährige mit seinen Content aber auch Geld verdienen und sich so ein zweites Standbein aufbauen.

Nachwuchs gesucht

Bloggenden Handwerkern wie Florian und Max geht es aber nicht nur ums Geld. Vielmehr wollen sie zeigen, dass sie Spaß an ihrer Arbeit haben und junge Leute motivieren, selbst ein Handwerk zu lernen. Schaut man sich die Zahlen des Zentralverbandes des deutschen Handwerks (ZDH) an, dann ist das auch dringend notwendig. Laut ZDH gibt es immer weniger Azubis in Handwerksberufen – 1990 war es noch mehr als eine halbe Million, 2016 nur noch rund 360.000. Und längst himmeln junge Leute YouTube-Stars eher an als Schauspieler oder Sportler. Das zeigt eine Umfrage des Digitalverbands Bitkom. Social Media kann also Vorbilder schaffen. Warum nicht auch bei der Berufswahl?

Das dachte sich Jessica Jörges. Die 20-Jährige berichtet auf ihrem Blog BunteZukunft und auf ihrem Instagram-Account über ihre Ausbildung zur Malerin und Lackiererin. Dort zeigt sie sich mit Pinsel und Eimer in der Hand, auf der Leiter und einem breiten Lächeln im Gesicht. Um Selbstdarstellung geht es ihr aber nicht: "Ich habe keine Marke, ich habe kein Produkt, sondern ich stelle einfach nur meinen Beruf vor, weil das ist, was mir total viel Spaß macht."

Raus aus der Schmuddelecke

Nachwuchsförderung ist das eine. Aufklärungsarbeit und Imageaufbesserung das andere. Bloggende Handwerker wollen mit ihrer Arbeit nämlich Leuten wie dir und mir zeigen, was sie machen. "Ich habe einfach gemerkt, dass ein Großteil unserer Gesellschaft gar nicht weiß, was der Maler eigentlich den ganzen Tag macht, was unsere Aufgabe ist", sagt Jessica Jörges. Metzger Max weiß, dass sein Job nicht den besten Ruf hat. Mit seinem Blog will er seinen Beruf aus der Schmuddelecke herausholen und zeigen, dass das Metzger-Dasein "auch schöne und kreative Seiten hat".

Dass sich junge Leute prinzipiell schon für Handwerksberufe interessieren, zeigt eine Umfrage der Gelben Seiten aus dem Jahr 2016. Demnach können sich 41 Prozent der befragten Schüler eine Ausbildung im Handwerk vorstellen. Fast genauso viele wünschen sich jedoch auch, dass Handwerksunternehmen auf Social Media aktiver sind. Metzger Max Beck glaubt, dass viele seiner Kollegen das mittlerweile verstanden haben.

Baustrahler statt Softbox

Felix Schröder ist 21 Jahre alt und postet als @gipserfelix auf Instagram über seinen Job als Gisper. In seinen Augen haben bloggende Handwerker einen großen Vorteil: Sie sind authentisch.

"Wenn man uns anschaut: Wir sind wirklich Handwerker. Wir spielen das nicht, sondern sind wirklich jeden Tag auf der Baustelle und teilen Sachen, die der Realität entsprechen."

Felix Schröder, @gipserfelix

Felix posiert neben Wasserwaagen und auf Baugerüsten. Den Baustrahler nutzt er als Selfie-Licht. Und unter seine Bilder postet er ein #Hausbau, #Handwerker und #Work. Da wird die staubige Baustelle schnell zur coolen Shooting-Location. Und der Job als Bauarbeiter steht in neuem Licht da.

Guter Content, Reichweite und Authentizität: Junge Handwerker haben das Blogger-Business verstanden. Sie beweisen, dass Echt-sein auf Instagram auch damit zu tun hat, zu seinem Job zu stehen. Ihnen geht es nicht nur um Reichweite und Geld, sondern auch darum, etwas für ihr Handwerk zu tun. Vielleicht werden die Jobs im Handwerk so ja bald wieder zu Traumberufen.

Sendung: Filter vom 15.03.2018 ab 15 Uhr