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Generation 9/11 Eine Kindheit ohne die Türme des World Trade Center

9/11 hat das Leben von Tausenden New Yorker Teens verändert. Rapper Heems hat von der Schulbank aus gesehen, wie sich Leute aus dem brennenden World Trade Center in den Tod stürzten. Verarbeitet hat er das bis heute nicht.

Von: Matthias Röckl

Stand: 10.09.2016 | Archiv

Rapper Heems  | Bild: BR

Die Highschool von Himanshu Suri lag nur ein paar hundert Meter vom World Trade Center. Am 11. September 2001 war er ein Teenager - und saß in Sichtweite der brennenden Türme. Wie viele New Yorker seiner Generation arbeitet er noch heute an seinen Traumata.

Bekannt wurde Himanshu als Rapper Heems in Das Racist, die uns mit satirisch vorgetragenen Rap-Nonsense und einer ordentlichen Portion Bühnen-Swag bezauberten. Nach dem emotionalen Break Up beim Puls Festival 2012 im Münchner Funkhaus veröffentlichte Heems ein Soloalbum, auf dem er zum ersten Mal einen intimen Einblick in seine Erlebnisse des 11. September 2001 gibt.

Im Oktober erscheint sein neues Projekt "Swet Shop Boys", das er zusammen mit Rapper und HBO-Serienstar Rizwan Ahmed aufgenommen hat. Auf ihrem Debütalbum "Cashmere" stellen die beiden eine Verbindung zwischen 9/11 und dem heutigen politischen Klima her und erzählen wie sie im Post 9/11 Zeitalter Opfer von "Racial Profiling" werden.

PULS: Wir haben den 15. Jahrestag von 9/11 erreicht. Du warst damals in deiner Highschool. Wie hast du von dort aus die Terroranschläge erlebt?

Heems: Unsere Schule war nahe dran. Ich konnte viele beunruhigende Dinge von meinem Schulfenster aus sehen. Ich erinnere mich daran, wie die Leute aus dem Nordturm gesprungen sind und sich vor meinen Augen in den Tod gestürzt haben. Es war das Härteste, was ich je gesehen habe. Ich war damals 15 Jahre alt und bin mir bis heute nicht sicher, ob ich diese Momente verarbeitet habe.

Auf deinem Soloalbum "Eat Pray Thug" zeigst du etwas von dem Trauma, mit dem die Generation 9/11 aufgewachsen ist. Damals kippte von heute auf morgen die Stimmung und es kam zu rassistischen Übergriffen.

An diesem Tag, am 11. September, haben meine Freunde und ich uns auf den Nachhauseweg gemacht. Wir gingen zu Fuß, die öffentlichen Verkehrsmittel sind nicht mehr gefahren. Wir waren eine bunte Gruppe Hindus, Moslems, Sikhs und Blacks. Ein Mädchen trug eine Burka. Plötzlich schrie sie ein Bauarbeiter an: "Geh dahin, wo du hergekommen bist." Wir waren ein Haufen 15-jähriger Kids und mussten erleben, wie ein 30-jähriger Mann ein Kind anschrie - das hat mich sehr verängstigt. Seit 9/11 sind wir, was solche rassistischen Vorfälle angeht, an einem neuen Level angekommen.

Wieso hat es 14 Jahre gedauert, bis du zum ersten Mal ernste Songs über dieses Thema und über deine Erlebnisse von 9/11 veröffentlicht hast?

Es waren äußerst persönliche Dinge, da brauchte ich Zeit, um so weit zu sein, darüber reden zu können. Und es fühlte sich richtig an, denn ich lache nicht immer nur über Dinge und schreibe satirische Texte. Das ist vielmehr ein Schutzmechanismus, um den tatsächlichen Schmerz zu verstecken.

Auch im Debütalbum "Cashmere" (erscheint im Oktober) deiner neuen Gruppe ‘Swet Shop Boy’ geht es darum. Was genau erzählst du in den Songs?

Das Stück Terminal 5’ handelt von den Flughafenkontrollen nach 9/11 . Wir reisen für unsere Arbeit sehr viel und Riz wird ständig angehalten und kontrolliert. Auch ich bin schon oft wahllos festgehalten worden. Es geht in diesem Stück weniger um 9/11 in New York, sondern darum, wie heute Minderheiten in der ganzen Welt ins Visier der Sicherheitskontrollen geraten.


Du hast angefangen mit witzigen Reimen, inzwischen sprichst du über ernste Themen und bist nicht nur Musiker, sondern auch Aktivist in der South-Asian Community von New York. 15 Jahre nach 9/11 - ist es nicht an der Zeit, dieses Ereignis endgültig zu verarbeiten?

Mit meinem letzten Album wurde mir oft die Frage gestellt, wieso ich 14 Jahre später über 9/11 erzähle, wie das überhaupt noch relevant sei. Für mich bleibt es das immer - auf einer persönlichen Ebene und für uns als Land. Wenn man sich das ansieht, Donald Trump könnte der nächste Präsident werden. Oder in England, wo die Anti-Immigrant-Stimmung Hass verursacht und Brexit zur Realität gemacht hat. 9/11 war ein entscheidender Tag, der damit in Verbindung steht.

Die New York City Radio Show könnt ihr hier nachhören und abonnieren.


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