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"Fuck Yeah" Feminismus im Sexshop? Geht!

"Fuck Yeah" heißt der neue feministische Sexshop in Hamburg - ohne Klischees und Mainstreampornos. Rosa Schilling hat den Laden zusammen mit ihren Geschäftspartnern eröffnet. Wir haben mit ihr gesprochen.

Von: Robin Köhler

Stand: 01.08.2018 | Archiv

Eröffnung von Deutschlands erstem feministischen Sexshop | Bild: Fuck Yeah

PULS: Rosa, du hast gemeinsam mit deinen Kollegen einen feministischen Sex-Shop eröffnet - was ist das?

Rosa Schilling: Das versuchen wir gerade zu erfinden. Die Idee ist entstanden, weil wir uns in anderen Sex-Shops oft unwohl gefühlt haben. Da gibt es viele Bilder, die wir einseitig und diskriminierend fanden. Es wird vorgegeben, was ein Mann, eine Frau, was Sexyness ist.

Was ist dann feministisches Sex-Spielzeug?

Ein Sextoy ist nicht per se feministisch oder sexistisch. Es geht um den Umgang damit. Das beginnt schon damit, dass viele Sex-Shops nach Männer- und Frauen-Artikeln sortieren. Das wollen wir aufbrechen und sagen: Hier, das ist ein Vibrator, damit kannst du deine Klitoris stimulieren, aber auch alles Mögliche andere machen. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Und was macht Ihr anders?

Rosa Schilling

Bei uns gibt es zuerst mal keine Verpackungen mit solchen Bildern. Wir verkaufen auch nicht diesen Mainstream-Porno, den es in den anderen Shops gibt. Wir achten darauf, dass es in den Pornos bei uns eine Vielzahl von Körperformen und sexuellen Aktivitäten gibt. Und das klar wird, dass alle einverstanden mit dem sind, was passiert. Und wir haben Sachen für Transgender und queere Leute: Zum Beispiel Binder. Die werden benutzt, um Brüste abzubinden. Oder auch Penis-Prothesen für den Slip, sogenannte Packer. Das sind aber keine Sextoys. Dafür haben wir auch Masturbations-Hilfen für Transmenschen, die extra für bestimmte Körperformen gebaut sind. Von Transmenschen für Transmenschen.

Wenn ihr feministisch und queer seid, sind dann "klassische" Sexshops sexistisch?

Ich würde denen nicht unterstellen, dass sie ein sexistisches Geschäftsmodell haben, aber in den meisten Läden werden Stereotype reproduziert. Es wird davon ausgegangen, dass Männer und Frauen bestimmte Sachen sexy finden. Das finden wir schwierig.

Reicht ein alternatives Angebot, um diesen Stereotypen zu begegnen?

Wir wollen nicht nur einen Einzelhandel betreiben, sondern auch Bildungsarbeit machen: Workshops und Vorträge anbieten, Diskussionsrunden führen und mal einen Film zeigen. Wir hatten zum Beispiel schon ein Seminar zu Safer Sex, wir haben über sexpositiven Feminismus gesprochen und hatten einen praktischen Workshop, in dem wir aus alten Fahrradteilen Sexzubehör wie Handfesseln gebastelt haben.

Warum braucht es solche Kurse?

Es gibt zu wenig Raum, um Sexualität zu lernen. Die Aufklärung in der Schule reicht nicht aus und Eltern sind mit ihren Kids oft überfordert. Zum einen ist das Thema Sex in der Gesellschaft omnipräsent. Uns wird überall erklärt, was toller Sex ist und dass wir welchen haben sollen. Auf der anderen Seite wird Sex auch tabuisiert.

Haben wir ein Problem mit unserer Lust?

Ja, viele haben ein Problem damit, dabei empfinden es fast alle. Aber das überhaupt zu erkennen: Was ist das für ein Begehren? Wie kann ich das ausleben, auf eine positive und respektvolle Art mit anderen? Das sind viele Fragen, auf welche die meisten Leute keine Antwort wissen. Dadurch hätten wir aber einen respektvolleren Umgang miteinander, auch abseits des Sex.

Wie kann ein Sex-Shop dabei helfen?

Leute kennen viel zu wenig von den Formen, die es inzwischen von Sextoys gibt. Neben Vibrator und Dildo haben wir ganz abgefahrene Sachen wie Doppelvibratoren, die einer oder auch zwei gleichzeitig benutzen können. Oder zum Beispiel gibt es immer noch dieses Popo-Tabu: Viele haben ein Problem damit, Analsex auszuprobieren und wissen gar nicht, wie gut es sein kann, an der Prostata stimuliert zu werden. Auch dafür gibt es extra Toys.

Vergangene Woche habt Ihr Euren Laden eröffnet. Wie ist das Feedback bisher?

Bisher toll! Letztes Jahr haben wir ja eine Crowdfunding-Kampagne gestartet, die erfolgreich war. Auch zur Eröffnung sind viele Leute gekommen, die das Projekt wichtig finden und uns erzählen, dass es an der Zeit war für einen alternativen Sex-Shop. Natürlich gab es auch Kritik, die war aber wenig konstruktiv.

Was für Kritik?

Es gibt ein paar Leute, die unser Konzept nicht verstehen und meinen: Feminismus und Sex-Shop? Das passt doch nicht zusammen. Aber da haben wir einfach ein anderes Verständnis von Feminismus. Andere denken, wir sind ein Shop nur für Frauen. Dabei wollen wir eben ein Angebot für alle machen, völlig unabhängig vom Geschlecht.

Sendung: Filter, 01.08.2018 - ab 15.00 Uhr