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Fitnessmode Schwitzen in feinstem Zwirn

"Funktionale" Sportkleidung hätte man früher in der Turnhalle getragen - aber auch nur da. Heute tauchen die Klamotten vermehrt im Straßenbild auf. Weil wir wirklich plötzlich Fitness-Junkies sind?

Von: Gesine Kühne

Stand: 13.02.2015

Fitness-Mode | Bild: Gesine Kühne

Der Blick in den Spiegel im Fitnessstudio des Vertrauens gibt nicht nur das eigene Muskelspiel wieder, auch die neongelben Leggings.

Szenenwechsel. Mitten in Berlin Mitte. Es wird gehupt. Nicht weil Verkehrsteilnehmer rumstressen – nein, meinetwegen, meiner Hose wegen. Das in den Augen brennende, gelbe Beinkleid habe ich zu einer Camouflagejacke kombiniert. Warum? Weil es geht und weil es sich im Kopf gut anfühlt. Sagt auch der Einkäufer des Concept-Stores Voo, Herbert Hofmann.

"Man hat auch das Selbstbewusstsein, weil der Trend gerade auf 'gesund leben' ist. Das geht Hand in Hand mit dem Sport treiben. Das wird dann straßenfähig, weil man stolz darauf ist, dass man sportelt. Und dann sieht man ja auch nicht blöd aus, wenn man die Sportklamotte auf der Straße trägt, weil man ja auch sportlich ist."

Herbert Hofmann

PULS-Reporterin Gesine ganz sportlich in Berlin

Sportlich! Ja, das bin ich und mit mir so viele andere, denn so tickt aktuell zumindest der Großstädter. Heute Yoga, morgen Gewichte stemmen und übermorgen renne ich die zehn Kilometer in 50 Minuten. Angefeuert von einer Industrie, die kein Ende kennt. Eine trendige Kollektion löst die nächste limitierte ab bevor ich auch nur eine Liegestütze gemacht hab.

Angefangen hat dieser Sportmodentrend mit Turnschuhen. Seit den Achtzigern im Gespräch, damals noch schwer zu beschaffen. Nur eine kleine Gruppe von Nerds hatte die so genannten Sneakers. Dem Internet und der Globalisierung sei Dank gibt es Turnschuhe heute wie Äpfel: überall und in vielen verschiedenen Sorten. Nach den Sneakers kamen die Jogginghosen und mit diesen der schlabberige, ungemachte Look: Normcore.

Johanna Schneider | Bild: Nike

Entwurf von Johanna Schneider für Nike

Seitdem ist alles erlaubt, meint Herbert Hoffmann. Auch Sportmode auf der Straße, im Job, sogar beim Ausgehen.
Im Zuge des Fitnessmodetrends wird nicht nur an den neuesten, schnell trocknenden Materialen gearbeitet, Designerzusammenarbeiten sind wichtiger denn je. Stella McCartney und  Raf Simmons geben dem Sportartikelhersteller Adidas Glanz und Glitzer, Nike setzt eher auf Underdogs wie aktuell in der Zusammenarbeit mit Johanna Schneider.

So manches teure Sportklamöttchen wird absurderweise aufgrund der Hochwertigkeit niemals ein Fitnessstudio von innen sehen. Die Kraftsportlerin und Personal Trainerin Alex Hipwell beobachtet diese Entwicklung eher kritisch.

"Ehrlich gesagt wird es ein bisschen übertrieben. Ich finde es schön, wenn es einen Unterschied in den Styles gibt. Das geht gerade den Bach runter, die Leute werden zu bequem."

Alex Hipwell

Vielleicht ist es ein Großstadtphänomen  - vielleicht eins von uns Überkonsumierenden, die ihre neuesten Leggings eben nicht nur dem Pumperkumpel an der benachbarten Hantelstange zeigen wollen. Denke ich mir so, als ich mal wieder aus dem Fitnessstudio gehe. Heute in türkisfarbenen Sport-Leggings.


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