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Info Childish Gambino mit einer Ansprache zur Lage der Nation: "This Is America" (2018) widmet sich in Text und Video der Darstellung von Schwarzen in den Medien, Polizeibrutalität und Ablenkung davon durch die Unterhaltungsindustrie.

#TAMAM Warum viele Türken auf Twitter gegen Erdogan protestieren

Während einer Rede verspricht Erdogan selbstsicher zurückzutreten, wenn das türkische Volk genug von ihm hat. Ein Eigentor. Auf Twitter fliegt ihm die Äußerung kurz danach um die Ohren – denn viele Menschen haben genug von ihm.

Von: Kevin Ebert

Stand: 09.05.2018

Protest gegen Erdogan bei Twitter | Bild: BR

Recep Tayyip Erdogan ist ein Meister der Worte. Und ein Taktierer, zielstrebig und berechnend. Am 24. Juni 2018 will er sich bei vorgezogenen Neuwahlen erneut zum Staatspräsidenten wählen lassen und seine Macht weiter ausbauen. Gestern hat Erdogan aber einen Fehler gemacht. Einen, der ihm jede Menge Spott eingebracht hat und ihm einen ordentlichen Shitstorm ins Gesicht bläst.

#TAMAM vs. #DEVAM

Während einer Rede sagte Erdogan "Nur wenn unser Volk eines Tages ‚genug‘ sagt, dann werden wir zurücktreten." Nun ja. Die Antwort, wann es 'genug' ist, kam schnell und digital. Auf Twitter.

Der Hashtag #TAMAM – auf Deutsch: Es reicht! – raste durch die Feeds von Erdogan-Gegnern jeder Art. Insgesamt wurde #TAMAM über 700.000 Mal retweetet, zwischenzeitlich war das Hashtag sogar in den weltweiten Twittertrends.

Der Konter #DEVAM, also "Weiter so!", hatte im Vergleich dazu viel weniger Reichweite. Die Erdogan-Gegner haben gewonnen, zumindest auf Twitter. Und das obwohl man das Gefühl hat, Erdogan sei unantastbar und die Wahlen jetzt schon gelaufen.

"Was dieser Hashtag ausdrückt ist, dass es doch sehr viele Gegner gibt, dass eigentlich eine Mehrheit da wäre, um Erdogan abzuwählen. Selbst wenn man sich politisch nicht auf einen Gegenkandidaten einigen kann, können sich viele zumindest auf die Ablehnung gegenüber Erdogan verständigen. Das scheint über die sozialen Medien ganz gut zu laufen."

Roy Karadag, Türkei-Experte der Uni Bremen

In den Farben getrennt, in der Sache vereint

In #TAMAM finden Erdogans Gegner einen gemeinsamen Kanal, einen Nenner. In den Farben getrennt, in der Sache vereint. Wenn es die Gegner irgendwie schaffen, dieses gemeinsame Mindset über Twitter auf die echten Wahlen zu übertragen – zum Beispiel, indem ein gemeinsamer Kandidat für mögliche Stichwahlen aufgestellt wird – sei ein Systemwechsel möglich, glaubt Roy Karadag.

Ob und vor allem wie das gehen soll, weiß aber niemand. Die Gegner sind in ihren politischen Ansichten stark zerklüftet. Unter ihnen sind Kurden, Sozialdemokraten, Nationalisten und extrem konservative islamische Strömungen. Nicht gerade die Definition von Harmonie. Die Schnittmenge zwischen der nationalistischen MHP und der prokurdisch-linken HDP ist beispielsweise mehr als gering. Schwierig also, sich auf einen gemeinsamen Präsidentschaftskandidaten zu einigen.

Außerdem zeigt sich gerade in Zeiten wie der USA-Iran-Krise, dass sich viele Menschen nach einem starken Anker sehnen. Der verspricht Erdogan zu sein, meint Roy Karadag. "Auch wenn er es am Ende nicht hält, er kann immer weiter versprechen. Dass schlimme Zeiten bevorstehen und dass man Stabilität braucht – mit einem starken Führer wie Erdogan es sein möchte."

Sendung: Filter vom 09.05.2018 – ab 15 Uhr