Equal Pay Day 2018 21 Prozent weniger Gehalt

Am 18. März ist Equal Pay Day. Bis zu diesem Tag arbeiten Frauen symbolisch umsonst - denn sie bekommen im Schnitt 21 Prozent weniger Gehalt als Männer. Statistiken beweisen das - dennoch halten es viele für Feministenpropaganda.

Von: Linda Becker und Kerstin Heinz

Stand: 16.03.2018

Vorurteile | Bild: BR

Vorurteil 1: Klar verdienen Frauen weniger - sie arbeiten ja auch viel weniger als Männer, weil sie Babypausen machen und oft nur Teilzeit - oder Minijobs haben

Das stimmt. Zwar ist die Hälfte aller Beschäftigten weiblich, dennoch arbeiten viele Frauen - gerade wenn Kinder im Spiel sind - nur Teilzeit. Beim sogenannten "Zuverdienermodell" arbeitet der Mann Vollzeit und die Frau Teilzeit, und laut dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung etabliert sich genau das bei Paaren mit Kindern. Dabei würden viele Frauen gerne mehr arbeiten - allerdings nur mit mehr Kinderbetreuung und besserer Arbeitsteilung im Haushalt.

Vorurteil 2: Frauen suchen sich oft schlechter bezahlte Jobs

Auch das stimmt. Frauen arbeiten, laut dem statistischen Bundesamt, öfter in schlechter bezahlten Berufen - zum Beispiel als Erzieherin, im Einzelhandel oder auch in der Gastronomie. Männer hingegen arbeiten öfter in gut bezahlten Branchen und kommen schneller in Führungspositionen. Der wichtigste Aspekt aber, der ungleiche Berufschancen fördert: Frauen unterbrechen eher ihre Karriere, um eine Familie zu gründen. Beim Einstieg ins Berufsleben steigt das Gehalt von Frauen und Männern nämlich noch ähnlich an. Ab 30 ändert sich das für die meisten Frauen allerdings. Bei Männern läuft die Karriere oft ungehindert weiter, während Frauen nach der Elternzeit oft nur in Teilzeit oder gleich in schlechter bezahlte Berufe einsteigen.

Vorurteil 3: Frauen ist die Karriere einfach nicht so wichtig

Viele Frauen haben auch im 21. Jahrhundert keine Wahl. Eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung zeigt, dass die Aufteilung im Haushalt immer noch total klassisch ist: Die Frau putzt, kocht, kauft ein und macht die Wäsche. Der Mann repariert und kümmert sich um die elektronischen Geräte. Selbst bei Paaren ohne Kinder schmeißt die Frau im Durchschnitt jeden Tag eine Stunde mehr den Haushalt. Dadurch haben Frauen laut der Studie weniger Energie, um sich über ihre Karriere Gedanken zu machen oder sich fortzubilden.
Außerdem haben Leute, die in Teilzeit arbeiten oder einen Minijob haben, so gut wie keine Chancen, befördert zu werden. Das betrifft in der Regel Frauen.

Vorurteil 4: Frauen verhandeln schlechter und kriegen deshalb weniger Gehalt

Wissenschaftler gehen davon aus, dass Frauen bescheidener sind und sich mit weniger zufrieden geben - auch Nachverhandeln im bestehenden Job fällt Frauen schwerer. Die Hans Böckler Stiftung hat ausgerechnet, dass Zahntechniker im Schnitt gut ein Viertel mehr verdienen als ihre Kolleginnen. Bei Physiotherapeuten liegt der Unterschied bei fast einem Fünftel und Krankenpfleger bekommen etwa neun Prozent mehr Gehalt als ihre Kolleginnen. Eine Ausnahme sind Informatikerinnen - die verdienen im Durchschnitt drei Prozent mehr als ihre männlichen Kollegen.

Vorurteil 5: Eigentlich sagen die prozentualen Gehaltsunterschiede gar nichts aus, weil Vorstandsposten mit Minijobbern verglichen werden

Doch, weil die Zahlen dazu anregen, die gesellschaftspolitischen Hintergründe zu hinterfragen. Woher kommt es denn, dass Frauen so oft in Teilzeit arbeiten, während Männer sich in Führungspositionen hocharbeiten?

Der Unterschied zwischen dem sogenannten "unbereinigten Gender Pay Gap" und dem "bereinigten Gender Pay Gap" macht die Problematik noch mal deutlicher. Die wichtigsten Gründe für die verschiedenen Bruttoeinkommen sind immer noch die Berufswahl und der Fakt, dass Frauen häufiger als Männer in Teilzeit oder Minijobs arbeiten. Das gilt als "unbereinigter Gender Pay Gap".

Der "bereinigte Gender Pay Gap" hingegen macht immer noch etwa ein Viertel der ungleichen Löhne aus. Das heißt konkret: Frauen verdienen trotz gleicher Qualifikation und Arbeitsleistung sechs Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Sie werden beim Gehalt also schlicht diskriminiert.

Equal Pay Day

Der Equal Pay Day markiert symbolisch den geschlechtsspezifischen Lohnunterschied. Laut Statistischem Bundesamt beträgt er in Deutschland aktuell 21 Prozent. Der Equal Pay Day steht also für den Tag, bis zu dem Frauen in diesem Jahr "umsonst" arbeiten, während Männer schon seit dem 1. Januar für ihre Arbeit bezahlt werden. Dieses Jahr wären das 77 Tage unbezahlte Arbeit.