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Soziale Projekte für Egoisten Heldenhaft eigennützig

Egoisten denken nur an sich – ja, und? Klar ist es ehrenhaft, sich aufzuopfern und seine Freizeit der Wohltat zu widmen. Alles lobenswert und wichtig, aber auch wenig attraktiv. Zum Glück muss man nicht immer zurückstecken, um Gutes zu tun.

Von: Jana Schuler

Stand: 05.12.2014

Soziale Win-Win-Projekte | Bild: BR

Egoismus ist sehr negativ behaftet. Helden mag jeder, Egoisten mag niemand. Dabei ist es dank dem Überlebensinstinkt ganz natürlich, erstmal an sich selbst zu denken und sich nicht nur mit einem bisschen Anerkennung und dem guten Gewissen zufrieden zu geben. Selbst auch profitieren zu wollen, ist in den meisten Fällen völlig in Ordnung.

Aber: Nur, weil die primäre Motivation unser eigenes Wohl ist, schließt das nicht aus, dass wir gleichzeitig auch etwas Gutes tun können. Als bewusstes oder unbewusstes Nebenprodukt. Mal ganz ehrlich – wer nutzt Sharing-Angebote schon ausschließlich um anderen zu helfen? Das ändert aber nichts daran, dass wir es damit trotzdem tun. Wir sind alle irgendwo Egoisten und können – um es mal pathetisch zu sagen – trotzdem Helden sein, dank Projekten wie diesen:

Wohnen:

wohnenfürhilfe.info, wohnen-für-hilfe.info, wohnen-hilfe.de
Alte Leute haben ein Zimmer frei und brauchen Unterstützung im Alltag. Junge Leute brauchen ein Zimmer und können Unterstützung im Alltag anbieten. Und so zieht zusammen, was normalerweise nicht zusammen wohnt. Dabei gilt die Faustregel: Pro Quadratmeter bezogenen Wohnraums sollte der Mieter eine Stunde Hilfe im Monat leisten und darf dafür kostenlos oder sehr günstig wohnen. Wie genau die Hilfeleistungen aussehen, wird individuell verhandelt.
Der Egoist denkt: Ich brauche eine billige Wohnung.
Der Held denkt: Ich möchte gerne alten Leuten das Leben erleichtern.  

Fahren:

mitfahrgelegenheit.de, blablacar.de
Einer fährt von hier nach da und jeder, der möchte, kann mitfahren. Die Spritkosten werden geteilt und obendrauf gibt’s oft noch nette Bekanntschaften.


Der Egoist denkt: Ich hasse Bahnfahren und krass teuer ist das auch. Und vielleicht setzt er mich ja direkt vor meiner Tür ab.
Der Held denkt: Weniger Spritverbrauch, weniger CO2-Ausstoß – und schon wieder hab ich was für die Umwelt getan.

Essen:

lebensmittelretten.de
Eine legale Alternative zum Containern: Wer sich bei lebensmittelretten.de registriert, kann kostenlos Lebensmittelpakete von Supermärkten abholen. Die teilnehmenden Läden verschenken gegen Selbstabholung nicht mehr verkaufbare Lebensmittel, die noch genießbar sind und sonst im Müll landen würden. Für Privatpersonen und soziale Einrichtungen.
Der Egoist denkt: Mein Kühlschrank ist leer. Mein Geldbeutel ist leer. Und ich hab verdammt nochmal Hunger.
Der Held denkt: Man muss etwas gegen die Verschwendung dieser Wegwerfgesellschaft tun.

Erledigungen:

Talentetausch-münchen.de
Talentetausch ist eine Art Nachbarschaftshilfe, bei der jeder das anbieten kann, was er besonders gut kann. Egal, ob das Haareschneiden, Fensterputzen oder Abflussreinigen ist. Im Tausch bietet jemand anders seine Leistung an. Das Ganze läuft komplett ohne finanzielle Interessen, Lebenszeit wird gegen Lebenszeit getauscht - und jede Tauschleistung ist gleichwertig.
Der Egoist denkt: Ich hab keinen Bock, meine Socken selbst zu stopfen.
Der Held denkt: Jemand profitiert von meinen unzähligen Talenten.

Shopping:

Kleiderkreisel.de, Kleiderei.de, Mädchenflohmarkt.de
Neue Schuhe, neue Hose, neue... ach, eigentlich kann man alles brauchen. Aber warum viel Geld für neue Klamotten zahlen, wenn man sie gebraucht für die Hälfte bekommt? Dafür gibt’s verschiedene Online-Flohmärkte wie Kleiderkreisel und Mädchenflohmarkt. Wer sich nicht gleich ein neues Teilchen kaufen will, leiht sich einfach was bei der Kleiderei.
Der Egoist denkt: Ich kann entweder die gleiche Anzahl Klamotten für die Hälfte des Geldes kaufen. Oder die doppelte Menge für’s gleiche Geld. Schwierige Entscheidung.
Der Held denkt: Wenn ich keine neuen Kleider kaufe, ist die Nachfrage kleiner und es muss weniger produziert werden.

Feiern:

clubmob-muenchen.de
Der durchschnittliche CO2-Ausstoß eines mittelgroßen Clubs beträgt 70 Tonnen pro Jahr. Viel zu viel, dachten sich die Initiatoren von Clubmob.de. Deswegen veranstalten sie regelmäßig Partys, bei denen die Clubs von den Besuchermengen profitieren und sich dafür verpflichten, einen Großteil des Gewinns in energie- und ressourcensparende Maßnahmen zu investieren. Die nachhaltigste Methode, sich zu betrinken.
Der Egoist denkt: Endlich lobt mich mal jemand dafür, dass ich so viel trinken kann.
Der Held denkt: Mein Rausch hilft der Umwelt.

Ordnung:

Pfandgeben.de
Du gibst an, wo du wohnst und bekommst die Handynummer von Pfandsammler in deiner Nähe. Die holen dann deine Pfandflaschensammlung bei dir ab. Sehr praktisch.
Der Egoist denkt: Zu faul, das Haus zu verlassen und beim Pfandautomaten anzustehen.
Der Held denkt: Jemand verdient an meinem Müll.


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