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Drug Checking "Einmal anonymer Drogencheck, bitte!"

Ein Chemiker aus München steht vor Gericht, weil er Drogen auf ihre Qualität überprüft hat. Anders als in Deutschland ist Drug Checking in Österreich völlig akzeptiert. Das Gute daran: Es kann Leben retten.

Von: Johanna Zach

Stand: 19.07.2016

Drug Checking | Bild: BR

Wer in Deutschland wissen möchte, ob in seinen Drogen auch das drin ist, was drin sein soll, kann sie in eine Apotheke bringen und prüfen lassen. Völlig anonym und legal. Macht aber keiner. Warum nicht? Weil es bis zu 100 Euro kostet und die Prüfergebnisse wenig bringen. Sie zeigen nur, was für Substanzen enthalten sind. Die möglicherweise lebenswichtige Info, wie diese Substanzen dosiert sind, bekommt man nicht.

Ein Mitarbeiter der Chemie-Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in München hat deswegen auf eigene Faust das Zeug eines Berliner Drogendealers getestet und hat sich als Bezahlung einen Teil des untersuchten Kokains abgezwackt. Mal abgesehen davon, dass die Analysen falsch waren und er das Chemielabor der Universität dafür missbraucht hat, wird ihm jetzt vor Gericht vorgeworfen, dass er Beihilfe zum Dealen geleistet hat.

In Deutschland illegal, woanders normal

Das sogenannte "Drug-Checking“ ist in Deutschland nicht erlaubt, weil viele Politiker sagen, dass es den Drogenkonsum fördern würde. In vielen anderen Ländern in Europa, wie zum Beispiel in der Schweiz, in den Niederlande und in Österreich, glaubt man genau das Gegenteil. In Österreich gibt es zum Beispiel staatlich geförderte Informations- und Beratungsstellen, die Drogen-Checks vor Ort durchführen, also in Clubs, bei Partys oder auf Festivals. Die Kosten übernimmt zum Teil das Gesundheitsministerium.

"Einmal anonymer Drogencheck, bitte!"

Wie kann man sich so einen Test vorstellen? Geht man einfach mit seinem frisch gekauften Ecstasy hin und sagt: "Einmal testen, bitte!“? Ganz schön krasse Vorstellung - aber Realität. Karl Kociper, der Leiter von "Check it“, der Drogeninformations- und Beratungsstelle in Wien, ist einmal im Monat mit einem Team von Chemikern auf Events unterwegs und macht genau das: Er checkt chemische Drogen, die Partygänger vorbeibringen. In der Beratungsstelle kann man unkompliziert seine Drogen testen lassen. So eine Analyse dauert zwischen 45 Minuten und einer Stunde. Auf Events werden die Checks an leicht erkennbaren Info-Ständen durchgeführt. Auf Facebook-Seiten werden Warnlisten zu hoch- und überdosierten Pillen, Kristallen und Pulvern veröffentlicht. Der Test wird mit einer Beratung begleitet, denn:

"Drug-Checking ist keine Serviceleistung, sondern ein Präventionsangebot."

Karl Kociper von Check it

Drogenchecken für Wissenschaft und Sicherheit

Das läuft als "wissenschaftliches Forschungsprojekt“ und somit gibt es eine Genehmigung, mit illegalen Substanzen zu forschen. Der "Kunde“ auf der anderen Seite bleibt durch vorherige Absprachen mit der Polizei anonym. Karl Kociper spricht im PULS Interview von vielen Erfahrungen aus Beratungsgesprächen. Zeigt ein Test, dass eine Droge gepanscht, überdosiert oder lebensgefährlich ist, dann "entscheidet sich der Großteil, die Substanz nicht zu konsumieren."

Liberale Drogenpolitik kann Leben retten

Dass eine legale und kontrollierte Drogenpolitik zu einem gewissenhafteren Konsum und weniger Toten führen kann, zeigt zum Beispiel auch die Politik in Portugal. Ob legale Drogen-Checks die gleichen Auswirkungen haben können, ist schwer zu sagen. Zahlen gibt es noch keine. Kociper meint aber, dass flächendeckendes Drug-Checking Verbesserungen bringen würde. Die Gefahr, toxische Substanzen einzunehmen, könne so verringert werden, denn niemand möchte sich dem Risiko aussetzen, "sich auf einer Party seine Gesundheit zu ruinieren“.

Mehr Drogentote - kein Umdenken in der Politik

"Klingt logisch – keine Drogen nehmen hilft aber auch!", könnte man jetzt sagen. Politiker in Deutschland rücken auch nicht ab von dieser Sichtweise. Die Haltung der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Marlene Mortler von der CSU, hat gegenüber Drogen jeglicher Art eine ganz klare Haltung: "Befürworter sind eine absolute Minderheit." Auch das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit hält nichts von der Idee. Drug-Checking, das stehe im "diametralen Gegensatz zur Abstinenzorientierung der bayerischen Drogen-und Suchtpolitik." Stattdessen investiere man sieben Millionen Euro jährlich in die Suchtprävention und Suchthilfe. Drug-Checking ist also in Deutschland nicht vorstellbar. Egal wie viele positive Erfahrungen es im Ausland auch geben mag.

Das Problem ist nur: Genommen werden Drogen, ob sie nun verboten sind oder nicht. Der aktuelle Drogenbericht Bayern zeigt: Die Zahl der Drogentoten steigt. 2014 waren es 251 Tote, letztes Jahr schon 314. Das Landeskriminalamt macht für die Entwicklung zum Beispiel erhöhten Wirkstoffgehalt und Streckmittel verantwortlich. Also genau die Faktoren, die bei einem ordentlichen Drug-Check untersucht werden.


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