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Verpackungsfreier Supermarkt "Wir wollen eine Lücke schließen"

Andere Städte haben sie schon, jetzt bekommt auch München einen verpackungsfreien Supermarkt. Das Geld haben die Gründer per Crowdfunding gesammelt. Wir haben mit der Initiatorin Hannah Sartin gesprochen.

Stand: 16.06.2015

Im Supermarkt fällt viel Verpackungsmüll an - ein Crowdfunding will das ändern | Bild: BR

Wir alle produzieren wahnsinnig viel Müll, wenn wir einkaufen gehen. Alles ist doppelt und dreifach verpackt. Eine Lösung sind verpackungsfreie Läden. Von denen gibt es immerhin schon einige in Deutschland. Die Münchnerin Hannah Sartin will zusammen mit ihrem Freund Carlo Krauß einen Laden namens "Ohne" in Bayern aufmachen. Dafür haben die beiden 43.000 Euro via Crowdfunding gesammelt, die Hürde haben sie schon vor Ablauf der Frist locker genommen. Wir haben mit Hannah über diesen Erfolg gesprochen.

PULS: Herzlichen Glückwunsch, dass ihr das Ziel jetzt schon erreicht habt. Wie geht's euch jetzt?

Hannah: Uns geht's super! Das ging viel schneller, als gedacht. Damit hatten wir nicht gerechnet. Und wir sind auf jeden Fall sehr dankbar.

Vor ein paar Tagen haben ja noch mehr als 10.000 Euro gefehlt. Wie habt ihr den Rest jetzt so schnell zusammen bekommen?

Wir waren auf vielen Veranstaltungen und haben mit Leuten geredet. Unser Crowdfunding wurde auch fleißig gepostet und verteilt. Das war ein Zusammenspiel von ganz vielen Menschen.

Wie geht's denn jetzt weiter?

Wir haben zum Beispiel Termine bei der Lebensmittelüberwachung. Wir müssen klären, wie das alles genau funktionieren soll, Regelungen finden. Und dann werden wir die Behälter fertig machen und Verträge schließen. Das ist ein bisschen Bürokratie, aber das gehört dazu.

Hannah Sartin

Habt ihr schon einen Laden gefunden?

Noch nicht. Wir peilen für die Eröffnung Ende des Jahres an. Da müssen vorher noch ein paar Dinge passieren, bevor wir die Ladenfläche anmieten können.

Wonach geht ihr denn bei der Auswahl des Viertels in München? Soll es da schon ein entsprechendes Klientel geben?

Ich finde es schwer zu sagen, dass es hier oder dort ein größeres Klientel dafür gibt. Ich glaube, es gibt überall viele Leute, die sich davon angesprochen fühlen. Wir orientieren uns zentrumsnah und suchen in der Schneise von Haidhausen über Glockenbachviertel bis in die Maxvorstadt.

Wie soll das dann im Laden aussehen? Wie nehme ich zum Beispiel meinen Feta-Käse mit nach Hause oder meine Oliven?

Du nimmst das einfach in deinem eigenen Behälter mit. Entweder du bringst einen mit - oder du kannst einen bei uns leihen oder kaufen.

Wird’s dann billiger, wenn man bei Euch einkauft? So ganz ohne Verpackung?

Genau. Kommt darauf an, was man kauft. Käse würde nicht billiger werden. Aber bestimmte Produkte, die trockenen, werden günstiger, weil man die Verpackung einspart. Und weil wir die Waren in größeren Mengen einkaufen.

Wie seid Ihr auf die Idee gekommen?

Wir haben uns letztes Jahr auch privat umgestellt. Wir wollten den Müll in unserem Alltag und Haushalt reduzieren. Da ist uns recht schnell aufgefallen, dass es da in München eine große Lücke gibt. Und die wollen wir gerne schließen mit "Ohne".

Woher kommen die Lebensmittel aus Eurem geplanten Laden? Sind die Bio?

Das Sortiment ist ausschließlich Bio. Wir beziehen teilweise über den Großhandel – versuchen aber so viel wie möglich auch regional zu bekommen. Wir haben viele Landwirte aus der Umgebung gefunden, die darauf Lust haben. Wir legen schon Wert drauf, dass wir ein großes regionales Angebot haben. Der Vorteil ist nämlich auch, dass wenn man mit den Landwirten in Kontakt steht, man alles direkter besprechen kann. Dann können wir unsere Waren auch ohne Verpackung bestellen.


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Karin, Donnerstag, 18.Juni 2015, 12:39 Uhr

4. einkaufen ohne Verpackung

Finde ich super..... schade, dass es in den kleineren Städten sowas nicht gibt...

Redaktion ichtragenatur.de, Mittwoch, 17.Juni 2015, 14:50 Uhr

3. Super Idee

Eine super Idee. Schon Anfang des Jahres hat in Berlin original unverpackt eröffnet.
Eine gute Entwicklung. Immer mehr Verbraucher wollen dem Müllwahnsinn die rote Karte zeigen.

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oletrockenapfelhase, Mittwoch, 17.Juni 2015, 05:22 Uhr

2. Tja, wers mag...

Tja, wers mag...

Verpackungsfrei leben ist halt einfach unmöglich außer man wird zum merkwürdigem Bio-Einsiedler der mit seinem Leinen-Sack und Einmachgläsern durch die Gegend rennt. Ich frage mich nur ob das Smartphone oder andere Gegenstände dann auch Verpackungsfrei gekauft wurden.

Peter Heilrath, Dienstag, 16.Juni 2015, 20:30 Uhr

1. schlecht recherchiert

Leider richtig schlecht recherchiert: Es gibt Nähe Max-Weber-Platz schon lange ein verpackungsfreies Lebensmittelgeschäft.

  • Antwort von Lausbub , Donnerstag, 18.Juni, 10:26 Uhr

    Das ist so nicht richtig, in dem Laden geht es in erster Linie um das vermeiden von Plastik. Es gibt auch unverpackte Lebensmittel aber auch verpackte. Mit einem Supermarkt ist dieser noch nicht zu vergleichen.