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Instagram, Facebook & Co Wie die Bundeswehr den Krieg im Netz verkauft

Die Bundeswehr kämpft seit der Abschaffung der Wehrpflicht mit Nachwuchsproblemen. Nun will sie die jungen Leute direkt auf Instagram, Facebook und Co. abholen – mit einer lockeren Sprache, witzigen Posts und Gewinnspielen.

Von: Jenny Stern

Stand: 22.06.2016

Die Bundeswehr im Netz  | Bild: BR

Beim Military Fitness Cup werden die härtesten aller Soldaten gesucht. In drei Wettkämpfen treten sie gegeneinander an, zum Beispiel im Munitionskisten stemmen, Verwundete transportieren oder Schießen. Die Fotos und Videos der Aktionen teilt die Bundeswehr dann fleißig auf Instagram, Facebook, Twitter und ihrem eigenen YouTube-Channel.

Seitdem es keine Wehrpflicht mehr gibt, fischt die Bundeswehr auch in sozialen Netzwerken nach Nachwuchs. Besonders gern inszeniert sie sich dabei als lustigen Sporttrupp, der gelegentlich auch mal Krieg macht. Was die Bundeswehr dabei leider vergisst: Sie hat eine große Verantwortung, gerade gegenüber jungen Leuten. Deshalb sollte sie auch angemessen über Risiken und Nebenwirkungen bei den Streitkräften aufklären, zum Beispiel: Was genau kommt auf mich zu? Kann ich auch in Krisengebieten landen? Und wenn ja: Wie gehe ich damit um, wenn ein Freund in meinen Armen stirbt, wenn ich auf fremde Menschen schießen muss, wenn ich nachts nicht mehr schlafen kann, weil mich die Szenen der Schützengräben verfolgen?

In ihren Social-Media-Kanälen wird diese zweite Seite der Medaille ganz schön vernachlässigt. Zwar gibt es auf Instagram Bilder vom Einsatz in Somalia, einem Peschmerga-Kämpfer im Irak, den die Bundeswehr ausbildet, oder Tornados, die von der Türkei aus Aufklärungsflüge in Syrien übernehmen. Das ist aber schon alles, mögliche Ängste oder Bedenken der Soldaten werden gar nicht erst angerissen.

Die Themen und Kommentare im Netz sind betont locker, was manchmal wirklich makaber daherkommt: Zum Beispiel, wenn eine Übung, in der sich Soldaten mit ihren Rucksäcken durch einen See kämpfen müssen, mit "Ich packe meine Sachen und nehme mit..." untertitelt wird. Für den Krieg zu proben ist keine lustige Angelegenheit und so sollte man sie auch nicht verkaufen. Auch in selbstironischen Posts versucht sich das Team. Kommt immer gut an, das weiß doch jeder. Zu Ostern werden die Soldaten kurzerhand mit Ostereiern verglichen, schließlich müssen sich beide gut tarnen.

Jede Woche wird ein neuer Fakt zum Heer, zur Luftwaffe und zur Marine auf den Seiten veröffentlicht. Die werden dann mit Beispielen aus dem zivilen Leben verknüpft, etwa so: Eine Panzerfaust der Bundeswehr schießt eine Patrone doppelt so schnell wie ein Rennwagen der Formel 1 fährt (792 Kilometer in der Stunde). Oder: Minenjagdboote können Objekte in bis zu 200 Metern Tiefe mit der Größe einer Weinflasche erfassen und bekämpfen. Oder: Ein Hubschrauber-Simulator kann eine Fläche von 250.000 Quadratkilometern bis ins letzte Detail darstellen, das ist mehr als die dreifache Fläche Bayerns. Natürlich, die Vergleiche sollen das Unbegreifliche anschaulicher machen. Gleichzeitig suggerieren sie aber, dass die Bundeswehr ein Beruf wie jeder andere wäre - was er ganz eindeutig nicht ist.

Die Bundeswehr tritt auf Facebook, Instagram & Co so erschreckend professionell auf, dass einem bang wird. Die Fotos von Waffen, Panzern, Flugzeugen, Fregatten und U-Booten glänzen um die Wette, die Videos sind perfekt ausgeleuchtet und geschnitten. Das Team probiert sich ständig in neuen Formaten aus, es gibt regelmäßig Imagevideos und sogar Gewinnspiele. Die Crowd stimmt über das beste eingereichte Video ab und der Sieger gewinnt ein Smartphone. Besonderen Wert legt die Bundeswehr auf die persönliche Nähe zwischen potenziellen und aktiven Mitarbeitern. Die beantworten jede Woche eine Stunde lang die Fragen der User, alles live auf Facebook. Eine Brandmeisterin bei der Bundeswehrfeuerwehr wird zum Beispiel zur Rolle der Frau gefragt, ob man auch mal "geärgert" werde von den Jungs. Ihre Antwort:

"Eigentlich wird man als Frau gut angenommen, wenn man sich durchzusetzen weiß. Natürlich sind die Männer in der Überzahl, aber für mich persönlich stellt das kein Problem dar. Die kochen auch nur mit Wasser..."

- Doreen Engel, Brandmeisterin bei der Bundeswehrfeuerwehr auf dem Truppenübungsplatz in Altengrabow, in einem Q&A der Bundeswehr auf Facebook.

Auch ein Rettungsassistent in der Sanitätsstaffel wird befragt, er war schon drei Mal im Auslandseinsatz in Afghanistan. Was seine Frau oder Familie dazu sagt, will ein Teilnehmer wissen. Und was er Positives und Negatives bei dem Auslandseinsatz erlebt hat.

"Meine Frau hat mich als Soldat kennengelernt und ist da sehr tolerant. Meinen Einsatz habe ich überwiegend positiv erlebt, trotzdem gab es auch schwere Tage. Im Einsatz hat man z.B. keinen Dienstschluss, man ist gewissen Gefahren ausgesetzt und lebt in dieser Zeit auf relativ engem Raum zusammen."

- Hans Christian Schulz, Hauptbootsmann, Rettungsassistent und stellvertretender Zugführer in der Sanitätsstaffel Einsatz Torgelow im Zug Laage, im Q&A der Bundeswehr auf Facebook.

"Man ist gewissen Gefahren ausgesetzt", ernsthaft? Das ist alles, was es zum Thema Krieg, Vernichtung und Terror zu sagen gibt? Auslandseinsätze bergen eine große Gefahr, inklusive der Gefahr, zu sterben. Darüber sollte man als Arbeitgeber sprechen. In den Gesprächen auf Facebook werden die brennenden Fragen zwar gestellt und gelegentlich entstehen ehrliche und persönliche Momente. Sie bleiben aber an der Oberfläche und auf einer sehr professionellen Ebene.

Bei Snapchat ist die Bundeswehr übrigens noch nicht. Das dürfte aber nicht mehr lange dauern, denn hier tummelt sich die Zielgruppe. Und ein Twitter-User scherzt schon über den nächsten Schritt: "Warte nur, bis die Bundeswehr Tinder entdeckt."


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