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Info Bei Django Django trifft Surfpop auf Artrock, versehen mit Stimmen, die so retro klingen, dass wir im Plattenregal unserer Eltern nach Vorgängeralben der Band suchen - vergeblich: Django Django sind ganz frisch und gegenwärtig.

"Blue Ben" Mode made for Bangladesh

Die Macher von Blue Ben haben genug von billiger Wegwerf-Mode. Sie wollen Sweater aus einem neuen Stoff in Europa produzieren – und so nicht nur Wasser sparen, sondern auch Wasserprojekte in Bangladesch finanzieren.

Von: Katharina Kühn

Stand: 21.03.2018 | Archiv

Blue Ben | Bild: Blue Ben

In wohl jedem Kleiderschrank findet sich ein Stück mit einem Schildchen, auf dem "Made in Bangladesh" steht. Wenn es nach dem 32-jährigen Ali Azimi und seinen Freunden geht, sollen aber bald in vielen Kleiderschränken auch Sweater hängen, die mit "Made FOR Bangladesh" gekennzeichnet sind. Denn Ali und mehrere junge Menschen aus Europa haben ein neues Mode-Label gegründet: Blue Ben. Damit wollen sie nichts weniger als eine "blaue Revolution" starten.

Dafür haben sie einen neuen Stoff entwickelt, den sogenannten French Terry: ein relativ schwerer Stoff, von dem eine Seite kuschelig ist, die andere glatt. Zwar gibt es den French Terry schon als Baumwollgemisch mit Elastan, aber Ali will komplett auf Baumwolle verzichten. Die Baumwollpflanze braucht nämlich viel Wasser und so geht in Bangladesch oder Indien oft wertvolles Wasser für die künstliche Bewässerung drauf. Der Stoff der Blue-Ben-Sweater besteht aus einer Mischung aus Hanf und Modalfasern, also Buchenholz.

Auf Baumwolle zu verzichten, das klingt erst einmal seltsam, schließlich wollen viele gerade Baumwolle als natürlichen Stoff. Aber auch Stefanie Hess vom Weltfriedensdienst findet die Idee gut, Hanf statt Baumwolle zu nutzen. Sie betreut die Informationsseite "Stoppt den Wasserraub!"

"Für die Produktion von Hanf wird nur circa ein Viertel der Wassermenge gebraucht, wie für Baumwolle. Also auf ein Kilo verbraucht Hanf dann im Anbau 2.500 Liter Wasser, währenddessen Baumwolle bei 11.000 Litern liegt."

Stefanie Hess, Weltfriedensdienst

Wer Hanf anbaut, braucht außerdem keine Pestizide, sprüht also die Natur nicht mit Giften voll. Über die Modalfasern in den neuen Sweatern ist Hess allerdings weniger glücklich. Sie würde sich einen anderen Rohstoff als Holz für ein Kleidungsstück wünschen.

Übrigens sollen alle Rohstoffe für die Blue Ben-Sweater aus Frankreich und Österreich kommen. Die Verarbeitung findet dann in Portugal statt. Damit dreht Ali nicht nur an einer Stellschraube, sondern stellt das ganze Produktionssystem Mode infrage: Keine Produktion mehr in Bangladesch oder Indien und keine künstliche Bewässerung mehr. Dafür kürzere Transportwege und faire Arbeitsbedingungen. Einige Menschen in Bangladesch sollen aber trotzdem von den Sweatern profitieren. Zehn Prozent des Umsatzes der Sweater investiert Blue Ben deshalb in Wasserprojekte – daher wird an jedem Sweater auch ein Schildchen mit "Made for Bangladesh" hängen.

Der Stoff der Sweater ist kompostierbar – belastet die Natur also auch weniger, wenn er irgendwann out of fashion ist. Aber erst einmal müssen die Sweater in die Produktion gehen: Auf Startnext werben die Macherinnen und Macher von Blue Ben für ihre Idee – denn erst wenn sie die Mittel für mindestens 1.000 Sweater zusammenhaben, können sie im Herbst das Projekt starten.

Zwar steht hinter Blue Ben unter anderem ein ehemaliger Adidas-Designer, und auch Ali ist vom Fach, schließlich hat er sieben Jahre für den Mode-Konzern Zara gejobbt - aber um einen besonders neuen Look geht es ihm nicht.

"So richtig mode-interessiert bin ich nicht, ich mag nur gerne etwas anziehen, das vielleicht eine Geschichte hat oder vernünftig hergestellt wurde, das ist mir wichtig."

Ali Azimi, Blue Ben

Deswegen sollen die Sweater auch keinen aufdringlichen Stil haben – zwar auch nicht nur Basics sein, aber doch recht schlicht daherkommen. Wichtiger als der Look ist Ali der Versuch, mit der Kleidung nicht noch mehr Wasser etwa in Bangladesch zu verschmutzen.

Wir sollten allerdings nicht nur neue Klamotten kaufen, die nachhaltiger hergestellt wurden, sondern auch unseren Konsum generell überdenken, sagt Stefanie Hess:

"In deutschen Kleiderschränken werden etwa 40 Prozent der Sachen nicht genutzt, also vielleicht einmal angezogen oder nie getragen, und verschwinden dann einfach wieder im Müll."

Stefanie Hess, Weltfriedensdienst

Also zuerst überlegen, ob man das neue T-Shirt oder die neue Jeans auch tatsächlich braucht, bevor man zuschlägt. Und dann lieber in etwas investieren, das länger als eine Mode-Saison hält.

Die Macherinnen und Macher von Blue Ben hoffen, dass ihr Stoff viel länger als eine Mode-Saison überlebt. Um den Stoff zu entwickeln – und möglicherweise auch andere Modemacher zu ermutigen, mit ihm zu produzieren – haben sie den Verein "Drip by Drip" gegründet. Mit diesem Verein sollen dann auch noch andere Stoffvariationen getestet werden – und die "blaue Revolution" ihren Lauf nehmen.

Sendung: Filter, 22.03.2018 - ab 15.00 Uhr