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Mit Syndikaten bezahlbaren Wohnraum schaffen Häuser kaufen statt Wohnungen mieten

Eine WG in Nürnberg soll zum Syndikatshaus werden. Das heißt: Sechs junge Menschen wollen zusammen ein Haus kaufen - und das obwohl sie eigentlich gar keine Kohle haben. Wie soll das gehen?

Von: Sophie Kernbichl

Stand: 20.08.2018 | Archiv

Grafik Mietshaussyndikat | Bild: BR

"Krähengarten", so nennen die Bewohner ihr Haus im Nürnberger Stadtteil Gostenhof. Den Namen hat das Grundstück bekommen, weil hier früher im Innenhof ein toter Kirschbaum stand, der viele Krähen angezogen hat. Heute ist der Kirschbaum weg und dafür stehen Stühle, eine Holzbank und ein selbstgebauter Pool im Innenhof. Auch der Betonmischer steht noch hier. Vor zwei Wochen haben die Bewohner das Wohnhaus an einigen Stellen neu verputzt. Die WG steckt gerade viel Arbeit in das Haus - und das hat auch einen Grund: Die Bewohner des Krähengartens haben nämlich vor, das Haus bald zu kaufen. Sie wollen nicht mehr länger nur Mieter sein und außerdem verhindern, dass das Haus irgendwann verkauft wird und in die Hände von Spekulanten gerät.

Woher die Kohle nehmen?

Allerdings haben die Bewohner im Alter von 24 bis 31 Jahren - so wie die meisten jungen Menschen - nicht die Kohle, um sich einfach so ein Haus zu kaufen. Deshalb wollen sie den Hauskauf kollektiv über das sogenannte Mietshäuser Syndikat abwickeln. Das heißt konkret: Sie gründen dafür einen eigenen Verein und sammeln dann geringe Kredite von Privatpersonen aus dem Bekannten- und Verwandtenkreis. Das können Beträge von 500 Euro oder höher sein. Diese Kredite brauchen sie als Sicherheit, damit sie später bei der Bank einen wesentlich größeren Kredit aufnehmen können. Im Fall vom Krähengarten liegt der Kredit von der Bank bei 300.000 Euro. Mit diesem Geld in der Tasche kann dann der Verein zusammen mit dem Syndikatsverbund das Haus kaufen. Später werden die Kredite dann Stück für Stück über die Mieten zurückgezahlt. Das Haus selbst gehört dann dem Verein, aber nicht den einzelnen Mitgliedern. Das heißt, wenn jemand auszieht, hat er auch keinen Besitzanspruch an das Haus mehr - ist dafür aber auch frei von Verpflichtungen.

Leben im Syndikatshaus

Es gibt mittlerweile deutschlandweit 130 solcher Syndikatsprojekte. Dazu gehört auch "Die Danz" in Regensburg, in der momentan zehn Leute wohnen. Sie ist seit 2012 ein Syndikatshaus. Eigentlich funktioniert hier das Meiste wie in einer gewöhnlichen WG. Weil das Haus aber unverkäuflich ist, bleibt die Miete stabil und günstig. Außerdem haben die Bewohner mehr Entscheidungsfreiheit als in vielen anderen WGs. Wenn sie etwas am Haus ändern wollen, müssen sie niemanden um Erlaubnis bitten. Das bedeutet aber auch deutlich mehr Verantwortung. Ist mal was kaputt, müssen sie sich auf jeden Fall selbst drum kümmern.

"Dann war‘s auch mal so, dass wir im Winter ohne Heizung da saßen und dann im Schwimmbad geduscht haben, bis das neue Teil da war. Also das kann schon mal passieren, aber das ist alles irgendwie machbar."

- Teresa, 28, wohnt seit drei Jahren in der Danz

Das Konzept Syndikat gibt vor allem jungen Leuten, die sonst nicht die Mittel dazu hätten, die Möglichkeit sich einen Raum zu schaffen, in dem sie selbstverwaltet und günstig zusammenleben können. Für die Syndikatsbewohner ist es eine individuelle Alternative zum sonst so katastrophalen Wohnungsmarkt. Und genau das wünschen sich die Bewohner des Krähengartens für ihr Haus. Und so wie es aussieht, klappt das auch: Sie haben mittlerweile das nötige Geld zusammen und wollen im Herbst das Haus kaufen.

Sendung: Filter, 20.08.2018 - ab 15.00 Uhr