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Studierende über Depression "Eines Nachts habe ich mich einweisen lassen"

Das Studium ist angeblich die schönste Zeit im Leben. Aber für immer mehr Studierende wird es zur stressigen Belastung. Jeder Sechste leidet an einer psychischen Erkrankung. Vier Studierende erzählen von ihren Problemen.

Von: Anna Berchtenbreiter

Stand: 01.03.2018 | Archiv

Nik | Bild: privat

Kein Stress und permanente Party – Studierenden wird immer vorgeworfen, dass ihr Leben super entspannt ist. Dass das so nicht ganz stimmt ist klar. Eine neue Studie der Barmer Ersatzkasse zeigt jetzt, wie belastend das Studium manchmal wirklich sein kann. Jeder sechste Studierende leidet inzwischen unter einer psychischen Erkrankung, zum Beispiel unter Depression oder Panikattacken. Die vermuteten Gründe: Leistungsdruck, Existenz- und Zukunftsängste. Vier Studierende haben uns von ihren psychischen Problemen erzählt.

Katja, 30, studiert Medienwissenschaft und Komparatistik

Ich habe wahrscheinlich schon länger unter depressiven Episoden gelitten. Je älter ich wurde, desto klarer wurde mir das. Während des Studiums wusste ich, dass ich offensichtlich deppressiv war. Ich habe dann ein bisschen gegoogelt und versucht mich selber raus zu ziehen. Irgendwann kam ich an den Punkt, an dem ich professionelle Hilfe gebraucht habe. Das fiel mir schwer, weil ich immer dachte, bei mir ist es nicht so schlimm und ich brauche es eigentlich gar nicht. Ich bin jetzt relativ am Anfang meiner Therapie. Wir sind uns auf jeden Fall einig, dass ich immer wieder phasenweise depressive Episoden habe, die mal schlimmer, mal weniger schlimm sind. Vor allem nachts ist es manchmal schwer. Tagsüber lenk ich mich mit Aufgaben ab, aber nachts habe ich nichts was mich beschäftigt und dann fangen diese Gedankenspiralen an. Dann laufen die Tränen und ich kann nicht mehr richtig atmen, bekomme Panik und Schweißausbrüche. Ich müsste eigentlich am nächsten Morgen in die Uni zur Vorlesung, aber diese depressive Phase haut mich so um, dass ich nicht mehr aufstehen kann. Mein Studium ist leider dadurch die letzten Semester ein bisschen zum Stehen gekommen. Ich bin eigentlich kurz vor dem Ende meines Bachelors. Aber je mehr ich dem Ende entgegen komme, umso schwerer fallen mir auch kleine Aufgaben. Für meine letzte mündliche Prüfung habe ich mich deswegen schon ein paar Mal an und dann wieder abgemeldet. Das Problem ist auch, dass dieses geisteswissenschaftliche Studium so ein bisschen wischiwaschi ist. Das macht mich unsicher, was meine Zukunft angeht. Denn wenn ich etwas finde, das ich machen möchte, dann gibt es eine kleine Stimme in meinem Hinterkopf, die mir sagt, dass ich das gar nicht erst versuchen muss, ich Versager. Die meisten Leute glauben mir nicht, dass ich eine Depression habe, weil ich ein sehr offener und fröhlicher Mensch bin.

Maike, 22, studiert was mit Medien

Ich hatte im ersten Semester eine Depression. Davor war ich zum Pflichtpraktikum in einer anderen Stadt. Dort habe ich mich super wohlgefühlt. Dann bin ich in die neue Kleinstadt gezogen. Neue Uni, neue Menschen, sehr viel Nebel. Und irgendwie habe ich mich zwar wohlgefühlt, aber mich immer weiter zurückgezogen. Ich bin dann am Wochenende nach Hause gefahren zu meinem Freund und war weinend auf dem Badezimmerboden gesessen. Es gab aber einfach keinen Grund, weil mir mein Studium gefallen hat und die Leute in meinem Umfeld nett waren. Aber irgendwie habe ich einfach angefangen zu weinen. Es war immer dieses ungute Gefühl im Bauch, das mich total runtergezogen hat. Ich glaube das kam daher, dass ich in der Stadt, in der ich mein Praktikum gemacht habe, extrem glücklich war. Da habe ich einfach von mir selber erwartet, dass es immer so weiter geht. Aber das geht eben nicht. Außerdem hatte ich mein erstes Studium abgebrochen und Angst, dass ich im neuen dann wieder durch viele Prüfungen falle. Mich hat dann nur mein Freund rausholen können. Er hat sich einfach zu mir auf den Badezimmerboden gesetzt und war immer für mich da. Und Vitamin D Pillen haben auch extrem geholfen. Ich habe mich leider nicht getraut mir professionelle Hilfe zu holen. Mein Freund hat oft versucht, mich dazu zu überreden, aber ich habe mich dagegen gewehrt und mir gesagt, sowas hast du nicht, das kann dir nicht passieren. Manchmal habe ich jetzt im Winter immer mal wieder ein paar Downtage, aber dann helfe ich mir mit einem Dankbarkeitsbüchlein. In das schreibe ich am Abend zwei Sachen, die an dem Tag gut waren. Dennoch würde ich Leuten, die in so ein krasses Loch fallen raten: Holt euch professionelle Hilfe. Ihr seid nicht unnormal, sowas passiert so vielen Leuten.

Nik, 23, studiert Journalistik

Ich hatte das Abi beim ersten Versuch nicht bestanden und dadurch hat sich über die Jahre eine Prüfungsangst aufgebaut. Dann ist da noch diese Angst zu versagen und jahrelang umsonst dafür gearbeitet zu haben. Zukunftsängste spielen auch mit rein: Was wenn ich den Drittversuch bei der Klausur nicht bestehe, dann mein Studium nicht beenden kann und dann ohne Studium irgendwie versuchen muss meinen Traumjob zu bekommen? Die Angst äußert sich dadurch, dass ich bei Prüfungen, auf die ich mich nicht exorbitant gut vorbereitet habe, nachts davor nicht schlafen kann und wenn es ganz schlimm wird mich auch am Morgen übergeben muss. Wenn man so fertig in die Prüfung geht, wird es nicht leichter. Ich kann relativ wenig dagegen tun. Sich gut vorbereiten ist glaube ich das Einzige, was wirklich hilft. Aber selbst das ist manchmal einfach nicht genug. Ich versuche dann einen geregelten Tagesrhythmus zu bekommen. Und was mir wirklich hilft ist Musik. Ich hab mich auf bestimmte Lieder konditioniert, die mich in solchen Situationen runterbringen. Zum Beispiel "So Hard" von Iggy & The German Kids.

Enja, 26, studiert Deutsch als Fremdsprache und Holocaust-Studies

Ich bin zum Studium ausgezogen. Die Veränderung und der Stress in der Uni haben dann zu einer Instabilität in mir geführt. Ich hatte Existenzängste und eine Depression. Ich habe mich gefragt, ob das Studium das Richtige für mich ist, wo mein Platz in dieser Gesellschaft ist, wie ich mich finanziere und wie ich alles unter einen Hut bringe. Meine Beziehung und mein Freundeskreis haben sehr darunter gelitten. In der Uni habe ich funktioniert und lange das Bild aufrecht erhalten, dass alles okay ist. Irgendwann habe ich gemerkt, dass ich nicht mehr kann und mir Unterstützung holen muss. Am Anfang habe ich mir überlegt, ob ich in eine Selbsthilfegruppe gehe. Dann war ich beim ersten Psychiater, der mir ganz unsympathisch war. Und dann wurde es immer schlimmer. Das hat auch zu Drogenmissbrauch und krassem Schlafmangel geführt. Eines Nachts habe ich mich einweisen lassen. Das war ein Schritt in die richtige Richtung. In der Psychiatrie hat man mir sehr geholfen. Allein schon, dass ich eine Diagnose bekam und wusste, was für eine Krankheit ich habe: eine Depression, posttraumatische Belastungsstörung und die Persönlichkeitsstörung Borderline. Ich habe gelernt, die Ängste und Traurigkeit zu kontrollieren. Ich glaube, dass man als Student oder allgemein als junger Mensch oft nicht ernst genommen wird, wenn man eine psychische Krankheit hat. Oft wird dann gesagt: Ach woher kommt das denn? Hat man dir als Kind zu oft die Schokolade weggenommen? Andererseits denke ich, dass wir Studenten es uns oft auch nicht erlauben wollen, krank zu sein. Wir müssen ja an die Karriere denken und versuchen dann die Jahre einfach durchzustehen.

Falls ihr selbst in einer Krise seid und Hilfe braucht, findet ihr bei euren Studentwerken Ansprechpartner: München, Passau, Regensburg, Würzburg, Erlangen-Nürnberg.

Sendung: Freundeskreis vom 01.03.2018 - ab 10 Uhr