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Die Frage Darf man Tiere essen?

on3 hat den ersten Deutschen Radiopreis für "Die Frage on3-radio" in der Kategorie "Beste Innovation" bekommen. Die Jury lobte die beispielhafte multimediale Zusammenarbeit. Aus diesem Anlass wiederholen wir die erste Sendung von Die Frage on3-radio. Thema: "Darf man Tiere essen?"

Von: Michael Bartlewski

Stand: 19.03.2010 | Archiv

Ausblutende Schweine, Cover Die Frage | Bild: BR

Schlachthof, Hühnerstall, Veganer-WG – das waren nur einige meiner Stationen um unsere Frage zu beantworten. Zwei Wochen lang konntet ihr mich im Blog begleiten bei meiner Suche nach den Folgen unseres Fleischkonsums. Die komplette Sendung könnt ihr hier runterladen, nachhören oder im BR-Podcast-Center abbonieren.

Angestoßen hat die neue Debatte um Fleisch der amerikanische Star-Autor Jonathan Safran Foer. Im November 2009 erschien Foers erstes Sachbuch "Eating Animals". Darin schildert der Autor seinen eigenen Weg vom Fleischesser zum Vegetarier und seine Erfahrungen in amerikanischen Fleischfabriken, jetzt erscheint das Werk auf Deutsch ("Tiere essen"). Seit meinen Recherchen zucke ich immer wieder zusammen, wenn Fleisch mit Sonderpreis-Etikett im Kühlregal liegt.

Viele Leute finden aber: Wenn die Tiere glücklich gelebt haben und beim Metzger um die Ecke geschlachtet werden, dann ist es völlig okay, ihr Fleisch zu essen. Nur, ist nicht jedes gewaltsame Ende grausam? Schöner schlachten – gibt es so was überhaupt? Um das herauszufinden, bin ich zu Biobauer Amadé Billesberger gefahren, genannt Mogli. Er ist wahrscheinlich der einzige Bauer, der seinen Hühnern auf seinem Facebook-Profil sogar eigene Tags gibt.

Der Biobauer mit dem Facebook-Account

"Wenn Tiere schon geschlachtet werden müssen, dann so wie hier. Rucki-Zucki. "Wie die Hühner von Biobauer Mogli leben und sterben, könnt ihr euch links im Video anschauen.

Am Schluss hat uns Biobauer Mogli übrigens noch überrascht: Er selbst isst nämlich gar kein Fleisch. Weil er als Kind nicht zusehen konnte, wie Kälbchen getötet wurden. Trotzdem hat er mich ohne zu zögern auf seinen Hof gelassen und auch die Schlachterin hatte nichts dagegen, dass wir bei ihr filmen.

Ganz anders dagegen die großen Schlachthöfe in Bayern: Keiner wollte uns reinlassen – weder mit noch ohne Kamera. Einmal heißt es, das gehe aus hygienischen Gründen nicht, ein anderes Mal vertröstet man mich so lange, dass trotz hartnäckigem Nachfragen nur noch ein Satz im Raum steht: "Wenn wir Interesse haben, werden wir uns bei ihnen melden." Und natürlich hatte der Schlachthof bis jetzt kein Interesse, uns hereinzulassen. Ein Tierarzt erklärt mir, es sei Strategie der Schlachthöfe, dass die Verbraucher nicht erfahren sollen, wie die Tiere wirklich sterben. Über Umwege habe ich mich aber dann doch noch in den Schlachthof München reingeschlichen.

Die Weißwurst-Designer vom Schlachthof München



Ein Metzger am Münchner Schlachthof hat sich scherzhaft selbst als "Weißwurst-Designer" bezeichnet. Das klingt nicht so nach toten Tieren. Was ich am Schlachthof erlebt habe, könnt ihr hier nachhören.

Der Fernsehkoch mit der Metzgerlehre

Gelernter Metzger ist auch der Promi-Koch Stefan Marquard. Bei ihm zu Hause in seinem riesigen Kühlschrank lagern zwar ordentliche Fleischportionen, aber nur das Beste vom Besten - aus der Region und von Landwirten, die er persönlich kennt. Billiges Fleisch aus dem Supermarkt kommt ihm nicht ins Haus. Marquard meint zwar, dass viele Leute es mit ihrer Gier auf sieben Mal Fleisch pro Woche übertreiben. Trotzdem findet er: Viele Vegetarier sind Spaßbremsen.

"Es ist doch ganz klar, dass Fleischesser besser drauf sind. Wer sich fanatisch vegetarisch ernährt, dem fehlt natürlich was in der Ernährung."Das ganze Interview mit dem Promi-Koch könnt ihr hier nachhören.

Eine radikal andere Meinung vertreten die Tierrechts-Aktivisten von Peta. Mit spektakulären Undercover-Videos aus Viehbetrieben und sendungsbewussten, gerne auch nackten Promis appelliert die weltweit größte Tierschutzorganisation an unser Gewissen: Wir dürfen Tiere nicht für unsere Zwecke nutzen: keine Felle draus machen, keine Tiere wegen ihres Fleisches schlachten oder als Milchvieh halten. Die Jugendseite Peta2 will allen Unentschlossenen die Entscheidung noch mal leichter machen: Viele Indie-Bands zeigen uns dort, wie cool das fleischlose Leben sein kann.

Das MTV für Veganer



"Wir wollen zeigen, dass Veganer eben nicht Körnerfresser und Langweiler sind." Der Peta2-Chefredakteur Jobst Eggert will nicht nur Milchkühe befreien – sondern sogar Blindenhunde. Das ganze Interview könnt ihr hier nachhören.

Das Zeitgeist-Magazin für Fleischliebhaber

Während Peta mit seinen Promis vegane Ernährung zum Trend machen will, behaupten die Macher des meatpaper, "the fleischgeist" sei der neue Zeitgeist.


Die Zeitschrift aus San Francisco ist eine Art Popkultur-Magazin für alle Themen rund um Fleisch. Die Macher sehen sich als Sprachrohr für eine wachsende Szene von Hobby- und Profiköchen in den USA, die den Spaß am Selberschlachten und -wursten entdecken.

Im Supermarkt mit dem Klimaforscher

Aber der "Fleischgeist" hat Folgen für die Umwelt. Um ein Kilo Fleisch herzustellen, müssen bis zu 7 Kilo Nahrung an die Tiere verfüttert werden. Schweine fressen vor allem Kraftfutter aus Soja, importiert aus Brasilien. Dort wird dafür der Regenwald abgeholzt.

Hinzu kommen die Transporte und das Düngemittel. Das Weltklima leidet unter unserem Fleischkonsum. Aber es gibt feine Unterschiede zwischen den Fleischsorten. Der Klimaforscher Martin Demmeler von Greencity Energy hat errechnet, welches Fleisch das Klima am stärksten belastet. Wir haben ihn an der Kühltheke getroffen.


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