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Ruhmeshalle The Clash - London Calling

Im Jahr 1979 veröffentlichen The Clash ihr drittes Album: "London Calling". Darin verpassen sie dem groben Punk-Hackepeter ein paar würzige Geschmacksnoten wie Jazz, Ska, Reggae und Folk – und retten ihn damit vor dem Tod.

Von: Sebastian Nachbar

Stand: 10.09.2013 | Archiv

The Clash | Bild: Sony Music

London in den späten 70ern. Auf den Straßen regiert der Punk. Und mit ihm die vollkommen ordnungslose und gleichzeitig konsequente Auflehnung gegen Alles und Jeden. Punk, dieses lauteste und schmutzigste Nein unter all den Neins auf dem Schulhof der Jugendkulturen. Dieses weinkrampfende Bocken eines drogenabhängigen Bastards mit aufgeschlagenen Knien, durchlöcherter Jeans und blutiger Rotznase. Punkrock, der nietenbesetzte Meteorit der Musikgeschichte, schlägt auf dem Popplaneten ein und will all die gewaltigen Rocksaurier der 70er Jahre auslöschen. All die Emerson Lake & Palmers ausrotten, die Led Zeppelins und Pink Floyds.

Wer Punk lebt, hört The Clash

The Clash sind die Schaumkrone der britischen Punkwelle erster Stunde. Und das, obwohl die 1979 schon dabei ist, am weichen Sandstrand des Mainstreams auszulaufen. The Clash haben 1979 schon zwei erfolgreiche Alben veröffentlicht. Und wer Punk lebt, hört The Clash. Denn irgendwie verkörpern The Clash den Punkrock. Irgendwie aber auch wieder nicht. Zwar sind Joe Strummer und Kollegen aufmüpfig, sind immer dagegen. The Clash können aber vor allem auch eines: richtige Musik machen. Und das unterscheidet sie von ihren teils stümperhaften Kollegen. The Clash sind da, sie sind gut. Das weiß man.

Provokant und politisch

Und dann ertönt 1979 im Radio das Anfangsmotiv von "London Calling" und bringt den trudelnden Punk-Kreisel wieder auf Touren, bis der sich wieder sauber dreht. "London Calling" steht in den Regalen, mit Paul Simonon auf dem Cover der LP, wie er seinen Bass zertrümmert. Eine provokante Geste. Dabei geht es The Clash um viel mehr: Sie sprechen auch ernste, politische Themen an. Die Sex Pistols erwecken das Gefühl, Mauern niederreißen zu wollen. The Clash liefern den Grund dafür. Vom ungestümen Punk der ersten beiden Alben ist auf "London Calling" nicht mehr viel zu hören, die Nähe zu den Menschen der Straße zeigen die Texte allerdings immer noch.

Eine Platte, die der Zeit voraus war

"London Calling" ist die Platte, die dem Punk seine historische Bedeutung verleiht. Ihn relevant macht für Dutzende Bands der Jahre danach. "London Calling" wurde vom Rolling Stone zur besten Platte der 80er Jahre gewählt, obwohl sie in die 70er gehört. Als würde heute ein Album erscheinen, das alles in den Schatten stellt, was die nächsten zehn Jahre auftaucht. 1979 war Punkrock schon fast gelaufen. Lag oben drauf auf dem Stapel mit den Akten, die ins staubige Archiv der Popgeschichte wandern. Und dann veröffentlichten The Clash "London Calling". Der Rest ist Geschichte.


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