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Ruhmeshalle Van Dyke Parks - Song Cycle

Mit 24 Jahren schon am Ende? Van Dyke Parks hat 1968 mit dem Album "Song Cycle" sein Meisterwerk und seinen größten Flop geschaffen. Keiner wollte das Album damals hören, heute wird er dafür verehrt.

Stand: 27.08.2010 | Archiv

Van Dyke Parks | Bild: Warner

Van Dyke Parks erstes Soloalbum "Song Cycle" war ein Rießenflop. Das Label Warner Brothers war verzweifelt, griff zum Äußersten und hat das Werk mit diesem eigenwilligen Slogan beworben: "Wie wir mit dem Album des Jahres 35.509.50 Dollar Verlust machten (verdammt)".

Geholfen hat die Kampagne nicht. Wegen der miserablen Verkaufszahlen wurde das Album am Ende sogar verschenkt. Parks selber sagt heute, er habe auf "Song Cycle" jeden nur erdenklichen Fehler gemacht, aber zumindest gelernt, wie man ein Tonstudio benutzt. Schon mit 24 Jahren war Van Dyke Parks ein genial Gescheiterter.

35,509.50 Dollar US-Dollar Verlust

Nachdem der Warner-Labelchef "Song Cycle" gehört hatte, war seine erste Frage: "Und wo sind die Songs?" Die Antwort ist einfach: Auf dem Album gibt es keine Songs. Splitter, Skizzen, haufenweise Ideen sind dort zu finden. Jedes der zwölf Fragmente ist ein kleines Schlachtfeld. Streicher duellieren sich mit Bläsern. Chöre laufen der Steel Guitar und dem Akkordeon davon. Der hohe, manchmal quengelige Gesang von Van Dyke Parks spielt Vaudeville, während er sich durch Country, Folk und Bluegrass kämpft. Eine dandyeske Avantgarde-Attitüde streckt Volksliedern die Zunge raus.

Van Dyke Parks - Song Cycle (Cover)

Van Dyke Parks gehört zur Gattung der "musician's musician". Von Musikern verehrt, von Journalisten über den grünen Klee gelobt, vom Publikum verschmäht. Eigentlich schade. Woran es genau liegt, wird wohl immer ein Geheimnis bleiben. Denn ein Album wie "Song Cycle" eröffnet in jeder Sekunde einen ganz eigenwilligen, immer neuen Kosmos musikalischer Möglichkeiten. Die abgebrochenen, taumelnden Melodien betören, berauschen und euphorisieren.

Der Schatten der Musikgeschichte

Ein Star ist Van Dyke Parks nie geworden. Aber er ist ein brillanter Arrangeur, ein skurriler Lyriker und deswegen einer der größten Schatten der Musikgeschichte. Als Liedtexter hat Parks mit Brian Wilson an dem gigantomanischen Konzeptalbum "Smile" gearbeitet. U2, Bruce Springsteen, Fiona Apple und viele mehr haben sich von Parks produzieren oder Songs schreiben lassen. Joanna Newsom hat ihn für ihr Meisterwerk "Y's" als Arrangeur eingespannt. Auf seine Frage "Warum mich?" hat Newsom geantwortet: "wegen Song Cycle". Parks war zu Tränen gerührt. Und irgendwie ist es dem klavierspielenden Daniel Düsentrieb dabei eigentlich verdammt recht, dass er nicht im Rampenlicht steht. Denn auch er weiß: Sein gesamtes Genie ist ohnehin ungeschliffen und roh auf "Song Cycle" zu hören – und das jetzt schon seit 42 Jahren.


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