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Ruhmeshalle Trio - Trio

Dass eine der besten deutschen Platten der 80er Jahre ausgerechnet in einem friesischen Schweinestall entstanden ist, mag Zufall sein. Es sagt aber einiges aus über die Widersprüchlichkeit der Band Trio.

Von: Jutta Buck

Stand: 10.02.2012 | Archiv

Die Mitglieder der deutschen Musikgruppe Trio (l-r) Peter Behrens, Stephan Remmler und Kralle Krawinkel, posieren im Mai 1985 in Berlin für die Presse. (Frau in der Mitte nicht identifizeirt). Die Gruppe wurde 1982 mit ihrem Lied "Da da da" bekannt. Sie löste sich 1986 auf. | Bild: Dieter Klar

1981, irgendwo in Norddeutschland. Zwei Lehrer und ein Clown machen Musik. Gemeinsame musikalische Vorbilder haben sie keine, von Status Quo bis Peter Alexander geht alles irgendwie. Unterhaltungsmusik wollen sie machen und – so war das damals noch – damit Geld verdienen.

Hosenträger, Androiden und unscheinbare Genies

Als Kind der 80er findet mein Erstkontakt mit Trio naturgemäß in der ZDF-Hitparade statt. Ich bin mit meiner kindlich-naiven Einschätzung wesentlich weiter als die Erwachsenenwelt da draußen: Ich nehme diese Band für voll. Der niemals lachende Typ mit den roten Hosenträgern am Stehschlagzeug imponiert mir sehr (Peter Behrens erinnert mich bis heute irgendwie an den Androiden Otto aus "Captain Future"). Der Glatzkopf im Anzug mit dieser komischen Stimme ist lustig und seine Songs kann selbst ich Kinderschüler spontan inbrünstig mitsingen. Irgendwo im Hintergrund steht noch ein Gitarrist mit Mütze rum. Weil der im Musikvideo zu "Da Da Da" dann ein Messer nach (und in den Rücken) der Kellnerin wirft (und trifft), checke ich, dass er wohl auch irgendwie wichtig sein muss. (Heute ist mir das enorme musikalische Verdienst von Kralle Krawinkel natürlich durchaus bewusst.)

Das Konzept von Trio grätscht in die Schnittstelle von (Post-) Glam Rock und (Prä-) überkandideltem Eighties-Pop. Trio haben keinen Bock auf musikalische Schulterpolster. Angefangen vom Bandnamen ist stattdessen alles in dieser Band strikt minimal. Eine Gitarre, ein Schlagzeug, eine Stimme. Und ab und zu dieses kleine Casio-Keyboard...

Rock'n'Roll in NDW verpackt

"Da Da Da" wird zum Welthit und damit Dosenöffner – sowohl für die Bandkarriere als auch für den Erfolg der Platte. Und macht ein Kinderspielzeug zum Kultinstrument. Dabei war der Song ursprünglich gar nicht mit auf der Platte, sondern wurde nachträglich ergänzt. Das Schöne daran: Viele der Albumkäufer bekommen bis heute mit dem Album nicht unbedingt das, was sie erwarten. Klar gibt es Nummern, die das NDW-Stigma der Band noch vergrößern. Der überwiegende Teil ist allerdings durchaus polternder Rock'n'Roll.

Trio zitieren sich auf ihrem Debüt hemmungslos durch die Genres, dampfen ihre Musik aber derart ein, dass es einen staunen macht, wie fett der Sound trotzdem – oder gerade deswegen - klingt. Dazu der abgesoffene, monotone Gesang Stephan Remmlers, der nie schöner und deeper klang als in der romantischen "Hells Bells"-Hymne "Kummer".

Trio - Trio (Cover)

Ist das also Punk? New Wave? Schlager? Calypso? Rock'n'Roll? Avantgarde? Dadaismus? Alles und nichts davon. Trio sind Profis im Showbiz. Alles wirkt spontan und improvisiert – dabei ist alles genau kalkuliert. Live wird die Triangel mit einer Axt gespielt und wenn der Gitarrist sein unerträglich langes Solo spielt, geht der Rest der Band halt so lange an die Tischtennisplatte. Trio verarschen dabei weder Musik noch Publikum, aber sie sprengen äußerst clever und humorvoll gängige (Hör-)Konventionen. Absurde Intros und Outros, Meeresrauschen, Kirchenglocken oder gefakte Telefonate – fast alles ist erlaubt, um gewöhnliche Songstrukturen aufzubrechen.

Seien wir polemisch: Trio spielten Stehschlagzeug bevor Bela B wusste, dass das überhaupt geht. Sie hatten den vermutlich besten Bandnamen der Welt und das mutigste Plattencover aller Zeiten: Immerhin war auf der Vorderseite die Postadresse ihrer Band-WG abgedruckt - inklusive der privaten Telefonnummer. Trio sangen Denglisch bevor Falco dies zur Meisterschaft erhob und lange bevor Ja, Panik überhaupt auf der Welt waren. Und ihre Show und Remmlers Texte erinnern daran, dass es absurden Humor in der deutschen Popmusik auch schon vor Jacques Palminger und dem Hamburger Pudelclub gab.

Das Allerschönste: Es gab nie eine Reunion. Ein Grund mehr, das Debüt und die anderen Trio-Platten auch drei Jahrzehnte später immer noch zu hören. Im Gegensatz zu anderen Künstlern der damaligen Zeit klingt diese Platte hier nämlich immer noch verflucht modern.


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