9

Ruhmeshalle Tom Waits - Rain Dogs

Tom Waits ist ein Berserker. Er ist besessen von allem Schmutzigen, Bösartigen und Widersinnigen in der Welt. Sein Album "Rain Dogs" ist die perfekte Melange aller musikalischen Höllenzutaten.

Stand: 10.12.2009 | Archiv

Tom Waits | Bild: picture-alliance/dpa

Er ist ein notorischer Lügner und Geschichtenspinner. "Der Märchenonkel Tom Waits könnte einem ein Rattenarschloch als Kalamari andrehen", hat ein Biograf einmal geschrieben. Auf seinem Album "Rain Dogs" wimmelt es nur so vor fantastischen Erzählungen aus dem dreckigen Sumpf der menschlichen Existenz. Einbeinige, Blinde, Verrückte, Besoffene, Mörder, Huren und noch mehr illustres Volk macht sich hier auf den Weg, um endlich eine Heimat zu finden.

Bereits mit dem Album "Swordfishtrombones" von 1983 hat Tom Waits einen radikalen Einschnitt vorgenommen. Zuvor war er ein Barpiano-Poet mit der Attitüde der Beat Generation, der Sprache eines Jack Kerouac und dem beißenden Witz eines William S. Burroughs.

Ein Fanal für alle gescheiterten Existenzen

Doch mit "Swordfishtrombones" und vor allem mit seinem neunten Album "Rain Dogs" ist Tom Waits endgültig zu einem genialisch krakeelenden Depressiven, zu einem manisch beißenden Komödianten, zu einem gefallenen Engel und Schwarzmagier der Musikgeschichte geworden.

Tom Waits - Rain Dogs (Cover)

Seit 1983 steht Tom Waits seine Ehefrau Kathleen Brennan als musikalische Partnerin und Co-Autorin zur Seite. Über sie hat er einmal gesagt: "I didn't just marry a beautiful woman, I married a record collection." Eine Plattensammlung, in der von Jazz über Walzer, Blues, Tarantella und Folk jede Art von Musik zu finden ist. Brennan war es dann auch, die Waits dazu ermuntert hat, seine Alben selbst zu produzieren. Mit dem zweiten selbstproduzierten Album "Rain Dogs" ist ihm ein abartiger Geniestreich mit unverwechselbarer Klangfarbe gelungen. Da träumt die Ziehharmonika, stampft die Percussion, kreischt eine verstimmte Gitarre, und darüber krächzt das unverwechselbar Waits'sche Organ ...

"Rain Dogs" ist ein Fanal für alle gescheiterten Existenzen, für alle Heimatlosen, für den Wahnsinn der Nacht und das Animalische in jedem von uns. "Rain Dogs" ist ein dunkler Tripp, der einen am Ende gebeutelt, geläutert und verstört wieder ausspuckt. Waits sagt zwar: "A hero ain't nothin' but a sandwich." Doch für dieses Album muss man dem alten Haudegen einen kräftigen Applaus in die düsteren Niederungen der Unterwelt schicken.


9