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Ruhmeshalle Tom Petty - Full Moon Fever

Tom Petty war nie bahnbrechend, besonders hip oder seiner Zeit voraus. Dafür aber verdammt gut in dem, was er macht: Mit wenigen Worten große Geschichten erzählen. Niemals hat er das besser gemacht als auf "Full Moon Fever".

Von: Florian Nöhbauer

Stand: 08.07.2011 | Archiv

Undatierte Aufnahme des US-Rockstars Tom Petty (Ruhmeshalle: Full Moon Fever) | Bild: dpa/picture-alliance

Ich kann mich noch genau erinnern: Ich war 19 und da war diese eine JUZ-Party zwei Orte weiter. Dort habe ich SIE das erste Mal gesehen. Und hatte sofort das Gefühl: Das ist sie.

Ein halbes Jahr lang bin ich ihr hintergelaufen, dann wurden wir ein Paar. Und dann? Dann habe ich nach zwei Monaten Schluss gemacht. Damals hat das keiner verstanden, aber irgendwie hat mir der Reiz gefehlt. Ich kann das bis heute nicht wirklich erklären. Aber fühlte mich so was von verstanden, als ich diesen Song von Tom Petty gehört habe.

"She's a good girl, loves her mama
Loves Jesus and America too
She's a good girl, is crazy 'bout Elvis
Loves horses and her boyfriend too
[…]
And I'm a bad boy cos I don't even miss her
I'm a bad boy for breakin' her heart"

Free Fallin

Tom Petty - Full Moon Fever (Cover)

"Free Fallin" war die zweite Single aus "Full Moon Fever" - Tom Pettys erstem Soloalbum und seinem gleichzeitig größten Erfolg. Ohne den Einfluss von Jeff Lynne von ELO würde es wohl ganz anders klingen. Er ist als Producer und Co-Songwriter dabei, verfeinert den Roots-Rock von Pettys früherer Band The Heartbreakers. Indem er Keyboard-Sequenzen und Background-Vocals einstreut, macht er den Sound sauberer und leuchtender.

Das Album klingt beim ersten Mal vielleicht nicht bahnbrechend oder innovativ. Aber darum geht es gar nicht. Es ist in aller Entspanntheit eine Hommage an Tom Pettys alte Helden wie die Byrds, Del Shannon oder die Beatles. Und es ist vor allem eines: rundum gut. Ein befreundeter Musiker von mir nennt es immer: das perfekte Album.

Tom Petty zeigt auf "Full Moon Fever", dass er lyrisch zu der absoluten Oberliga des Rock'n'Roll gehört. Er schreibt Textpassagen, die teilweise so unerwartet und absurd daherkommen, dass sie sogar seinem alten Freund Bob Dylan ein Lächeln abringen können. Was Petty vor allem schafft: Mit wenigen Worten viel erzählen.

"My sister got lucky, married a yuppie
Took him for all he was worth
Now she's a swinger dating a singer
I can't decide which is worse"

Yer So Bad

Immer wieder sind es Erinnerungen an seine unbeschwerte Jugend, an Freiheit, an vergangene Liebschaften, die Tom Petty auf seinem Weg zum Ruhm besingt. Und zwar mit einer Hingabe und Sprache, der ich und viele andere sich einfach nicht entziehen können. Seine Songs tauchen plötzlich wieder in Skateboardvideos auf und Bands wie The Gaslight Anthem oder Death Cab For Cutie covern seine Lieder.

Manchmal denke ich heute noch an das Mädchen von früher. Wie wäre es wohl mit ihr gewesen? Natürlich hab ich da keine Antwort drauf. Aber dank Tom Petty weiß ich: Es gab damals einfach keine andere Wahl.


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