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Ruhmeshalle The Doors - The Doors

1967 - der Kalte Krieg heizt sich auf und in Vietnam tobt der Teufel selbst. Den Klangteppich zum Unheil komponieren die Doors und schreiben mit ihrem Debütalbum "The Doors" Musikgeschichte.

Von: Matthias Leitner

Stand: 29.05.2013 | Archiv

The Doors | Bild: Elektra Records

Tag und Nacht fallen zusammen, im düster-schummrigen Jahr des Schamanen 1967. In Vietnam versengt amerikanisches Napalm Natur und Mensch, der kalte Krieg bringt das Blut in Ost und West zum Kochen. Den unheimlichen Soundtrack zur drohenden Apokalypse liefern punktgenau die Doors mit ihrem selbstbetitelten Debütalbum.

The Doors. Das sind Ray Manzarek am Keyboard, Gitarrist Robby Krieger, John Densmore an den Drums und, als Stimme über allem schwebend, der selbst ernannte Lizard-King und legitime Erbe des Dionysos: Jim Morrison. Gemeinsam brandschatzen The Doors durch unser Seelendunkel. Lautstark klopfen sie an den Pforten unserer Wahrnehmung.

Keine hippieesken Be-Ins

"Light My Fire", der Musik gewordene rauschhafte Kopulationsakt, steht wochenlang auf Platz eins der amerikanischen Charts. Die Doors gehen auf Tour. Sie spielen mit The Greatful Dead, Jefferson Airplane, Country Joe and the Fish und allen anderen Acid-Hipstern, Hobos und Musik-Beatniks. Doch die Doors sind anders, sie wirken immer fremd, aufreizend und gefährlich. Zwar ist Jim Morrison noch kein Drogenwrack und Vollblutalkoholiker im Delirium tremens. Doch unberechenbar, aufsässig und fasziniert von Schuld, Verlust und Tod war der Rock-Orpheus auch in nüchternem Zustand schon immer. So sind die Konzerte der Doors auch keine hippieesken Be-Ins, Love-Ins oder Sit-Ins, sondern Totenmessen und Blümchen-Seligkeits-Exorzismen.

The Doors - The Doors (Cover)

Das Ende der Nacht haben die Doors nicht erreicht, wollten es auch nie erreichen. Sie sind immer im mondbeschienenen Dunkel geblieben und haben die Kreaturen der Düsternis und Mythen beschworen. Heilige Schlangen, geile Satyrn und schlachtende Bakchen stimmen in Morrisons Gesang ein. Unsere einzige Hoffnung und Chance besteht darin, das ganze Dasein der Lust und dem Leiden zu opfern.

Nach ihrem Debüt "The Doors" werden die Doors weitere fünf Studioalben aufnehmen, bis Jim Morrison 1971 unter mysteriösen Umständen in Paris stirbt. Morrison wird damit selbst zu einem modernen Mythos, zu einer Rock'n'Roll-Dead-Ikone. "We live, we die & death not ends it", hat Morrison geschrieben. Die Musik der Doors liefert dafür den unumstößlichen Beweis und stößt uns in eine Welt voll rasender, wirrer Leidenschaft: "Journey we more into the nightmare."

Gefallene Engel

"The Doors" ist kein Meilen-, sondern ein Grabstein der Musikgeschichte. Und die Doors sind gefallene Engel, die uns gefährlich befreiende pech-schweflige Prophezeiungen einflüstern. "This is the end, my only friend, the end", singt Morrison im Opus Magnum "The End", dem ödipalen Killertrip der Doors. "This is the end" - aber nur, wenn wir es zulassen und nur, wenn nichts mehr zu trinken und zu lieben auf unserem Weg liegt...


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